Wahlen im Herbst: «Ich stinke lieber äusserlich als innerlich»
Aktualisiert

Wahlen im Herbst«Ich stinke lieber äusserlich als innerlich»

Ex-Skiprofi Paul Accola hat die Katze aus dem Sack gelassen: Er kandidiert im Herbst auf einer SVP-Liste für den Nationalrat. Grosse Chancen rechnet er sich aber nicht aus.

von
Antonio Fumagalli
Nun ist es definitiv: Paul Accola will in die Bundespolitik einsteigen.

Nun ist es definitiv: Paul Accola will in die Bundespolitik einsteigen.

Der Lärm im Hintergrund ist so gross, dass man den ehemaligen Skirennfahrer und Bauunternehmer Paul Accola am Telefon kaum versteht: Er sei gerade dabei, Holz auf seinen Transporter aufzuladen. «Ein grosses Highlight», wie er sagt. Womöglich muss er seine geliebte Tätigkeit allerdings schon bald zurückstecken – wie heute bekannt wurde, wird sich Accola auf die Fünfer-Liste der SVP International im Kanton Graubünden setzen lassen.

Lange wurde über eine Kandidatur des Ex-Gesamtweltcupsiegers gerätselt, Accolas Besuche im Bundeshaus und an der Albisgüetli-Tagung nährten die Spekulationen zusätzlich. Er selbst gab sich während Monaten bedeckt, doch heute sagt er: «Der Entscheid ist eigentlich schon vor längerer Zeit gefallen, da brauchte es gar keinen Druck von der Parteispitze. Ich musste nur noch einige bürokratische Hürden aus dem Weg räumen.»

Gemäss Partei-Communiqué will die SVP mit ihrer «Internationalen Liste» die Bedeutung der «Fünften Schweiz» sowie deren Anliegen und Interessen im Wahlkampf hervorheben. Seinen Platz auf ausgerechnet jener Liste legitimiert Accola dadurch, dass er während seiner Weltcup-Zeit «in der Welt herumgekommen» sei und mit vielen Botschaftern und Auslandschweizern gesprochen habe. Angesichts dieser Argumentation liegt allerdings die Vermutung nahe, dass sich die SVP schlicht seine Bekanntheit zu Nutzen machen will, um eine sonst chancenlose Liste voranzutreiben.

Wahl wäre «Riesenüberraschung»

Seine Wahlchancen schätzt Accola als gering ein. Ein allfälliger Ruf nach Bern wäre eine «Riesenüberraschung», er wäre laut eigener Aussage auch nicht enttäuscht bei einer Nichtwahl. Einen politischen Plan B hat er nämlich schon im Köcher: «Ich könnte mir durchaus vorstellen, als Kandidat bei Gemeinde- oder Kantonsratswahlen anzutreten», so der passionierte Baggerfahrer.

Als wollte er seine Hemdsärmligkeit unter Beweis stellen, pflegt Accola auch bei öffentlichen Anlässen in einfachen Pullovern aufzutreten. Den ihm eigenen Stil will er auch bei einer möglichen Polit-Karriere weiter pflegen: «Ich stinke lieber äusserlich als innerlich», sagt er – und wendet sich wieder seinen schweren Baumaschinen zu.

Die «internationale» Liste der SVP

Die SVP International tritt nach eigenen Angaben bei den Nationalratswahlen im Herbst in mehreren Kantonen mit eigenen Listen an. Das Aushängeschild in Graubünden ist Ex-Skiprofi Paul Accola. Er ist allerdings nicht der einzige ehemalige Skirennfahrer auf der Bündner Liste. Der zweite heisst Willi Forrer. Der 75-Jährige lebt in Klosters-Dorf. Er gewann in den 1960-er Jahren drei Schweizer Meistertitel und 21 internationale Skirennen.

Weiter auf der Liste figurieren Peter Telli, Corina Hemmi-Pleisch und Hansjürg Lippuner. Die Nationalratskandidatin und die vier Nationalratskandidaten haben laut der SVP jahrelang im Ausland gelebt oder gearbeitet und die Schweiz als «freiwillige Botschafter» vertreten.

(fum/sda)

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