Forscher dementiert: «Ich suche keine Mutter für Neandertaler»
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Forscher dementiert«Ich suche keine Mutter für Neandertaler»

Der Mikrobiologe George Church hat Berichte dementiert, nach denen er einen Neandertaler klonen möchte. Er sei in einem Interview falsch verstanden worden.

von
jcg

Der Harvard-Professor George Church ist seit langem eine Grösse auf dem Gebiet der Gentechnik. Doch in den letzten Tagen hat er für Schlagzeilen gesorgt, die er so nicht gewollt hat. In einem Interview mit dem «Spiegel» ist der Eindruck entstanden, dass er darauf hinarbeite, einen Neandertaler zu klonen und lediglich noch eine Leihmutter brauche, um den ausgestorbenen Ur-Menschen wieder zum Leben zu erwecken.

Nun hat er seine Absichten ins rechte Licht gerückt und dementiert, dass er eine Neandertaler-Mutter suche. «Definitiv nicht», versicherte er der Nachrichtenagentur AP. «Wir haben kein Projekt, keine Pläne, keine Forschungsergebnisse, keine Stipendien», sagte er am Dienstag in einem Telefoninterview. Dass der Eindruck entstanden sei, er suche eine abenteuerlustige Frau, beruht gemäss Church auf einer Falschinterpretation seiner Aussagen im «Spiegel»-Interview.

Das Interview wurde im Zusammenhang mit seinem neuen Buch «Regenesis: How Synthetic Biology Will Reinvent Nature and Ourselves» geführt. Darin spricht er die Idee, Neandertaler auferstehen zu lassen, kurz an und erklärt, dass für ein solches Projekt eine Frau mit Sinn für Abenteuer nötig sei. «Ich schrieb, dass man so jemanden brauchen würde, wenn man denn ein solches Projekt verfolgen würde. Es ist sicher etwas anderes, als einfach ein Stelleninserat anzunehmen.»

Ethische Fragen

Church sieht auch die ethischen Probleme, die ein solches Projekt aufwerfen würde: Wie könnte man zum Beispiel die Würde von Mutter und Kind wahren? Auch Sicherheitsfragen müssten angesprochen werden. Zudem müsste es einen gesellschaftlichen Konsens für ein derartiges Vorgehen geben.

Und obwohl Church eine Wiederauferstehung des Neandertalers nicht zwingend für eine gute Idee hält, fordert er eine Diskussion zum Thema. «Hoffentlich können wir dies einige Jahre lang ruhig erörtern», sagt er. «Es ist viel besser, wenn man bereits früh über solche Dinge nachdenkt.»

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