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Kulturelle Aneignung«Ich trage Dreads, weil sie mir gefallen»

Sollen Weisse aufhören, Dreadlocks zu tragen oder Jazz zu spielen? Nein, finden Betroffene.

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dk
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Delphine (17) trägt seit drei Jahren Dreads. «Nicht aus religiösen, sondern aus modischen Gründen. Ausserdem gefallen sie mir und ich mag den Lifestyle.»

Delphine (17) trägt seit drei Jahren Dreads. «Nicht aus religiösen, sondern aus modischen Gründen. Ausserdem gefallen sie mir und ich mag den Lifestyle.»

Evan (25) findet es nicht schlecht, wenn afrikanische Eigenheiten oder die Musik von anderen übernommen wird: «Für mich ist es halt auch eine Form des kulturellen Austauschs.»

Evan (25) findet es nicht schlecht, wenn afrikanische Eigenheiten oder die Musik von anderen übernommen wird: «Für mich ist es halt auch eine Form des kulturellen Austauschs.»

20min
Matteo (27) frägt sich auch, wieso afrikanische Frisuren und Eigenheiten Afrikanern vorbehalten sein sollte. «Es ist doch total in Ordnung.»

Matteo (27) frägt sich auch, wieso afrikanische Frisuren und Eigenheiten Afrikanern vorbehalten sein sollte. «Es ist doch total in Ordnung.»

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Die Bewegung gegen Cultural Appropriation (kulturelle Aneignung) wächst. Anhänger finden, dass Weisse keine afrikanischen Frisuren tragen oder aus afrikanischer Mode oder Musik finanziellen Profit schlagen sollen. So räumte sogar Eminem, der vom «Rolling Stone»-Magazin gekrönte König des Hip-Hops, im Lied «Without me», ein: «Seit Elvis Presley gab es keinen Schlimmeren: Ich benutze schwarze Musik, um reich zu werden.»

Auch Stardesignerin Stella McCartney erlebte diesen Herbst einen Shitstorm, als sie ihre Models in afrikanischen Kleidern über den Laufsteg laufen liess. Empörte Kommentare folgten sogleich: «Liebe westliche Modehäuser, bitte hört auf, Designs zu benutzen, die Afrikaner seit Jahren tragen, sie euer Eigen zu nennen und die Leute dafür kräftig zur Kasse zu bitten. Danke», schrieb etwa das Onlinemagazin Okayafrica.com.

Sollen Weisse aufhören, Hip-Hop zu machen oder Dreads zu tragen? Nein, sagt eine Mehrheit der Befragten (Fotos in der Bildstrecke):

Delphine, 17

Als ich 14 Jahre alt war, liess ich mir Dreads machen. Nicht aus religiösen, sondern aus modischen Gründen und wegen des Lifestyles. Ich sah damals bei anderen Frauen Dreadlocks und verliebte mich auf Anhieb auf dieses Styling. Meine Mutter war zu Beginn überhaupt nicht damit einverstanden, allerdings liess ich mich nicht davon abbringen. Auch viele meiner engsten Freunde tragen Dreads. Ich bin zwar Weiss, trage aber Dreads, weil sie mir gefallen. Ich nenne mich jedoch nicht Rastafari, weil mir die Geschichte zu wenig bekannt ist. Mittlerweile sagten aber auch einige Kollegen, dass sie normale Haare schöner fänden. Das ist mir aber relativ egal.

Evan, 25

Ich finde es nicht schlecht, wenn afrikanische Eigenheiten oder die Musik von anderen übernommen wird. Aber es ist schon lustig – vor zwanzig Jahren haben beispielsweise alle Dreads oder Cornrows peinlich gefunden. Nachdem es jetzt einen Hype gegeben hat und viele Weisse sie tragen, finden es viele cool. Aber diejenigen, die behaupten, Dreads und ähnliche Dinge sollten Menschen afrikanischen Ursprungs vorbehalten bleiben, wissen nicht, wovon sie sprechen. Für mich ist es halt auch eine Form des kulturellen Austauschs.

Dethardt, 65

Als Jazzmusiker ist es mir durchaus bewusst, dass die Ausbeutung von Kulturgütern ein diskussionswürdiges Thema ist. Diese Ausbeutung manifestiert sich aus meiner Sicht allerdings nicht in blonden Dreadlocks oder dem Tragen eines Indianerkostüms in einer Modeschau. Es ist vielmehr die industrielle Verwertung von Kultur, ohne die eigentlichen Kulturträger daran zu beteiligen, die angeprangert gehört.

Timoteo, 22

Respektlose Darstellungen sind nicht akzeptabel. Aber wenn man den Austausch zwischen Kulturen willkürlich einschränkt, verliert man nicht nur alltägliche Bequemlichkeiten, sondern grundlegendes Verständnis für andere Kulturen. Soll ein Grieche nur Togas tragen, weil Hosen für persische Reiter reserviert sind?

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