Ski-Star Odermatt im Interview - «Ich trinke es gern, aber nicht zum Frühstück mit Zigarette»
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Ski-Star Odermatt im Interview«Ich trinke es gern, aber nicht zum Frühstück mit Zigarette»

Ende Oktober startet der Ski-Weltcup in Sölden. Mit am Start ist auch Marco Odermatt. In dieser Woche wurde ein Film über ihn und Ski-Kollege Loïc Meillard veröffentlicht.

von
Sven Forster

Darum gehts

  • Marco Odermatt zählt zu den grössten Schweizer Ski-Stars.

  • Am Montag wurde eine Dokumentation der vergangenen Saison von ihm und Loïc Meillard veröffentlicht.

  • Der 24-Jährige würde in dieser Saison gerne wieder um den Gesamtweltcup kämpfen.

Die neue Ski-Saison steht vor der Tür: Am 23. und 24. Oktober erfolgt in Sölden die Eröffnung mit je einem Riesenslalom für Frauen und Männer. Im vergangenen Winter wurden die Schweizer Ski-Stars Marco Odermatt und Loïc Meillard von einem Filmteam begleitet. Am Montag feierte die Red-Bull-Dokumentation Bending Gates ihre Premiere im Verkehrshaus in Luzern. Im Rahmen der Serie hat 20 Minuten mit Marco Odermatt gesprochen.

Marco Odermatt, wie überrascht waren Sie von der Anfrage über die Dokumentation?

Ich war sehr überrascht. Die Anfrage kam eine Woche vor dem Saisonstart. Am Anfang war ich noch unschlüssig, wie viel Aufwand das benötigt. Es ist aber am Ende alles gut gegangen.

Sie wurden sechs Monate lang von einem Kamera-Team begleitet. Wie hat sich das angefühlt?

Die ersten Tage war es ziemlich speziell. Es war aber doch einfach. An den freien Tagen zu Hause waren sie nur einmal dabei. Sonst auf der Piste beim Rennen oder Training sind wir ja Kameras gewohnt.

Mussten Sie eine Gewohnheit anpassen?

Ich würde jetzt mal nein sagen, da ich keine Ticks und Tricks habe, die man nicht zeigen kann.

Mit 24 Jahren eine Doku, hätten Sie sich das jemals erträumen können?

Es fühlt sich nicht nach einer eigenen Dokumentation an. Es war schön, die Doku mit Loïc zu machen, auch irgendwie für das Swiss-Ski-Team – etwas zurückzugeben und das Interesse am Skisport noch zu vergrössern.

In der Dokumentation sagen Sie, dass Loïc und Sie ähnlich sind, aber total unterschiedlich. Wie meinen Sie das?

Ähnlich im Bezug auf Hobbys oder die Einstellung im Bezug auf den Sport. Unterschiedlich wie wir das ganze angehen.

Wie fest ist Skifahren denn ein Teamsport?

Wenn man es zeitlich sehen würde zu 99 Prozent. Man ist immer zusammen unterwegs und versucht, sich zu helfen. Vielleicht fünf Minuten vor dem Start und 20 Sekunden nach der Zieleinfahrt ist man für sich alleine.

Wie hat sich eigentlich das öffentliche Interesse an Ihnen durch die letzte Saison verändert? Werden Sie öfter angesprochen?

Ja, mittlerweile schon öfter. Es kommt natürlich auf den Anlass und die Volksgruppe an. In Zürich an der Langstrasse vielleicht weniger als in meiner Heimatregion. Aber es hat sich allgemein schon verändert.

Gibt es Dinge, die Sie verpassen, wo Sie denken, da fehlt was?

Verpassen kann man nicht sagen. Man erlebt etwas anderes, man hat sicherlich nicht die Regelmässigkeiten. Man lebt etwas aus dem Koffer. Der Umfeld wechselt stetig. Man kann sicher nicht jedes Wochenende in den Ausgang.

Mit Red Bull haben Sie einen neuen grossen Sponsor. Lindsey Vonn, Ester Ledecka, Alexis Pinturault, alles grosse von Red Bull unterstützte Athleten. Gibt es da keinen Druck?

Nein, überhaupt nicht. Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Es ist schön, wenn man in jungen Jahren gute Resultate eingefahren hat. Red Bull war ja vorher schon ein Sponsor. Es hat sich also nicht viel verändert und ich verspüre keinen Druck.

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Marco Odermatt will in dieser Saison ganz an die Spitze. 

Marco Odermatt will in dieser Saison ganz an die Spitze.

Dom Daher / Red Bull Content Pool
Zusammen mit Teamkollegen Loïc Meillard wurde er vergangene Saison von einem Filmteam begleitet. 

Zusammen mit Teamkollegen Loïc Meillard wurde er vergangene Saison von einem Filmteam begleitet.

Romina Amato / Red Bull Content Pool 
Dabei entstand eine Dokumentation mit acht Episoden mit dem Titel Bending Gates. 

Dabei entstand eine Dokumentation mit acht Episoden mit dem Titel Bending Gates.

Romina Amato / Red Bull Content Pool 

Wie gerne trinken Sie Red Bull?

Eigentlich gerne, es ist nicht so, dass ich es jeden Tag trinke oder zum Frühstück ein Red Bull mit Zigarette (schmunzelt). Als Ergänzung zum Sport, im Training oder vor einem Rennen setze ich es aber ein.

Nun zum Sportlichen, wie verlief die Vorbereitung auf die neue Saison?

Sehr gut, ich war den ganzen Sommer gesund und konnte gut trainieren. Wir hatten Glück mit dem Wetter und gute Skitage. Ich bin bereit für die Saison.

Nach der starken letzten Saison – haben Sie was geändert?

Ich habe nichts Spezielles angepasst. Das Material wurde aber sicherlich weiterentwickelt und im Riesenslalom auch was geändert.

Was sind Ihre Ziele in dieser Saison?

Ich würde lügen, wenn ich nicht den Gesamtweltcup ansprechen würde. Es ist diese Saison ein Ziel oder spätestens in den nächsten Jahren. Wenn man schon so früh so nahe dran ist, muss man es nicht verneinen. Ich weiss aber, dass viel zusammenspielen muss. Man muss Rennen gewinnen in verschiedenen Disziplinen, das ist schon schwierig genug.

Wie fest freut Sie die Chancengleichheit unter den Disziplinen?

Ich sehe es sehr positiv. Ich hoffe, der Plan bleibt so, da er noch nicht offiziell bestätigt wurde. Wenn die Rennen auch durchgeführt werden können, beurteile ich es als ein bisschen fairer als in den letzten Jahren.

Wen sehen Sie dieses Mal im Kampf um den Gesamtweltcup als einen grossen Kontrahenten, neben Alexis Pinturault?

Neben ihm sicher Loïc Meillard und Alexander Kilde, der von einer Verletzung zurück ist. Er wird sicherlich auch bereit sein. Ryan Cochran-Siegle aus den USA sehe ich als Geheimfavoriten, der mit neuen Skis in mehreren Disziplinen stark ist.

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Neben Loïc Meillard sieht Odermatt auch… 

Neben Loïc Meillard sieht Odermatt auch…

Philip Platzer
…Aleksander Kilde und…

…Aleksander Kilde und…

imago images/NurPhoto
…Gesamtweltcup-Sieger Alexis Pinturault als grosse Konkurrenz. 

…Gesamtweltcup-Sieger Alexis Pinturault als grosse Konkurrenz.

imago images/Sammy Minkoff International

Hat die Situation mit Loïc Meillard das Konkurrenz-Verhalten verschärft?

Die gesunde Rivalität ist natürlich da. Ich habe aber das Gefühl, die Freundschaft wird grösser sein. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie hart die Kämpfe sind. Ich hoffe aber, dass wir nach wie vor eine gute Freundschaft haben werden.

Die Olympischen Winterspiele stehen in dieser Saison auf dem Programm. Wie heiss sind Sie darauf?

Jetzt noch nicht sehr. Der Fokus liegt auf dem Start der Saison und noch nicht auf China. Das Erlebnis wird aber sicher nicht so gross sein, wie es bei «normalen» Olympischen Spielen sein sollte. Wir werden uns fast wie in einem Gefängnis befinden, haben keine Freiheiten und können keine anderen Sportarten sehen. Da geht schon etwas der olympische Gedanke verloren.

Lieber ein Sieg in Adelboden, respektive Wengen – oder Olympiagold in Peking?

Da schon Olympiagold. Die Chance ist viermal kleiner, dass man Olympiagold gewinnt. Aber vom emotionalen Wert ein Sieg im Berner Oberland. Mit den Fans und allem drum herum.

Sölden steht auf dem Programm, was erhoffen Sie sich vom Rennen?

Hoffentlich ein ähnliches Resultat wie letztes Jahr. Mit einem Podestplatz zu starten, wäre sicherlich super. Es nimmt mal den ersten Druck weg.

Bending Gates

Marco Odermatt und Loïc Meillard sind Rivalen auf der Strecke, aber Freunde abseits der Piste. Für die Dokumentation Bending Gates wurden beide über sechs Monate rund um den Globus begleitet. Insgesamt acht Episoden der Dokumentation gibt es auf Red Bull TV zu sehen. Die Episoden zeigen einen exklusiven Einblick in die Welt des Ski-Sports.

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