Aktualisiert 18.03.2020 12:57

Einsatz für Krankenschwester«Ich übernehme die Parkbusse für Sie»

Wegen Überstunden und Bundesvorgaben müssen Spitalangestellte mit dem Auto zur Arbeit fahren. Eine Bernerin bat vergeblich um Verständnis und kassierte eine Busse.

von
cho
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Im Inselspital legt das Personal wegen der Corona-Pandemie Sonderschichten ein.

Im Inselspital legt das Personal wegen der Corona-Pandemie Sonderschichten ein.

Keystone/Anthony Anex
Besonders betroffen ist auch das Pflegepersonal. Es wird angehalten, nicht mit dem ÖV zur Arbeit zu fahren.

Besonders betroffen ist auch das Pflegepersonal. Es wird angehalten, nicht mit dem ÖV zur Arbeit zu fahren.

Keystone/Gaetan Bally
Weil es auf dem Areal zu wenig Parkplätze hat, müssen Mitarbeiter auf andere Parkmöglichkeiten ausweichen. Mit einem Brief bat eine Berner Pflegerin um Verständnis bei der Polizei.

Weil es auf dem Areal zu wenig Parkplätze hat, müssen Mitarbeiter auf andere Parkmöglichkeiten ausweichen. Mit einem Brief bat eine Berner Pflegerin um Verständnis bei der Polizei.

Leser-Reporter

Das Medizinpersonal im Berner Inselspital arbeitet wegen des Coronavirus auf Hochtouren. Im derzeit hektischen Betrieb besonders belastet ist das Pflegepersonal. So wurden etwa die Arbeitszeiten von Pflegefachfrauen und -männern aktuell auf bis zu zwölf Stunden ausgeweitet. Zudem sollen sie möglichst nicht mit dem Öffentlichen Verkehr anreisen. Daran hält sich auch Anja F.* Jedoch gibt es auf dem Insel-Areal derzeit zu wenig Parkplätze für Mitarbeiter.

Mit einem freundlichen Brief wies die 28-Jährige die Polizisten auf den besonderen Umstand hin. «Ich verstehe, Sie gehen nur Ihrer Arbeit nach... so wie ich», beginnt ihr Brief, der an Polizisten gerichtet ist und den sie gut sichtbar hinter der Frontscheibe ihres Wagens platzierte. Darin erklärt sie die besondere Situation und schreibt: «Bitte seien Sie nachsichtig mit mir.»

Trotzdem Busse kassiert

Als die Bernerin am Montag nach einer langen Schicht im Spital zum Auto kommt, klemmt neben dem Brief ein Strafzettel der Kapo Bern. 100 Franken wollten die Berner Gesetzeshüter von F., weil das Auto zu lange an der falschen Stelle stand.

Neben der Busse entdeckte die Pflegefachfrau eine handgeschriebene Notiz: «Vergeblich versuchte ich die Polizistin vor einer Parkbusse abzuhalten. Ich übernehme die Busse für Sie.»

Die Notiz habe sie sehr berührt, sagt F. zu 20 Minuten. «Es ist unglaublich schön, dass die Solidarität, die wir derzeit von der Bevölkerung einfordern, da ist.» Leute würden helfen und ihren Teil zur Bewältigung der aktuellen Krise beitragen. «Das ist einfach nur schön.» Sie habe den Verfasser der Notiz umgehend angerufen: « Ich habe mich bei ihm bedankt, jedoch abgelehnt. Er muss das sicherlich nicht bezahlen.»

«Stimmt mich nachdenklich»

Der Mann arbeite derzeit auch im Homeoffice. «Ich habe gesehen, wie die Polizistin gerade versuchte, mein Auto zu büssen, konnte dies aber mit Verweis auf die Corona-Krise gerade noch abwenden», so der Berner zu 20 Minuten. Später habe er realisiert, dass F. dagegen eine Busse bekommen habe. «Das fand ich nicht gerecht. Die Pflegerin hatte viel den besseren Grund, nicht gebüsst zu werden.» Darum habe er auch ein Foto davon geschossen, und in den sozialen Medien veröffentlicht.

Die Pflegefachfrau ist der Polizistin nicht böse: «Aber es stimmt mich nachdenklich, dass genau die vorhin angesprochene Solidarität bei der Polizei offenbar nicht vorhanden ist.» Das Pflegepersonal sei genau so betroffen von der aktuellen Situation wie die Polizei. «Darum verstehe ich diese Parkbussen-Politik, die gerade ums Inselspital herrscht, nicht.»

Spital schaltet sich ein

Mittlerweile muss sich die Angestellte nicht mehr um die Busse kümmern. Die Leitung des Inselspitals hat sich der Sache bereits angenommen. Man sei bereits mit der Stadt Bern und der Kapo in Kontakt, sagt Alex Josty, Sprecher des Inselspitals. «Die Situation für die Mitarbeitenden soll verbessert werden.» Er sei davon überzeugt, dass man mit den Behörden zu einer gütlichen Lösung komme. «Und sonst mache ich das Angebot auch noch: Bevor unsere Pflegefachkraft die Busse zahlen muss, mache ich das.»

Polizei entschuldigt und bedankt sich

Die Kapo Bern hat auf Twitter bereits auf den Fall reagiert. «Hier wäre mehr Augenmass gefragt gewesen», entschuldigt sie sich. So Es würden bereits Parkplatz-Lösungen für Spitalmitarbeitende gesucht. «Unabhängig davon: Grossen Dank unseren Kolleginnen und Kollegen, die im Spital und bei den Rettungsdiensten viel Wertvolles leisten!»

*Name der Redaktion bekannt

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