Aktualisiert 01.04.2014 07:29

Brasilianerinnen

«Ich verdiene es nicht, vergewaltigt zu werden»

Eine Studie sorgt in Brasilien für Aufruhr. Laut der Befragung glaubt die Mehrheit der Bevölkerung, Frauen seien selber schuld, wenn sie missbraucht werden.

von
cho/ale

Das WM-Gastgeberland ist bekannt für Samba, schöne Strände, leichte Kleidung und heisse Sommer. Besonders die brasilianischen Frauen gelten als sexy und körperbewusst.

Doch es ist nicht alles Sonne, Sommer, Sonnenschein in Brasilien. Besonders als Frau lebt es sich in dem Land mit der grössten katholischen Bevölkerung der Welt gefährlich. Offizielle Stellen schätzen, dass jährlich eine halbe Million Frauen vergewaltigt werden. Damit nicht genug: Eine Studie des brasilianischen Institute for Applied Economic Research (IPEA) zeigt, dass das Problem schon in den Köpfen der Brasilianer beginnt. 61,5 Prozent der Bevölkerung glaubt laut der Umfrage, dass «Frauen, die sich provokant anziehen, es verdienen, attackiert und vergewaltigt zu werden». Ausserdem fanden 58,5 Prozent der Teilnehmer, dass «es weniger Vergewaltigungen geben würde, wenn Frauen wüssten, wie sie sich zu verhalten haben». Besonders gravierend an der Studie: 66,5 Prozent der Befragten waren Frauen.

Sturm der Entrüstung

Frauen im ganzen Land laufen nun Sturm gegen das Ergebnis der Studie. Unter dem Motto «Ich verdiene es nicht, vergewaltigt zu werden» machen die Frauen auf sozialen Medien ihrem Ärger Luft. Auf Facebook und Twitter posten die Latinas freizügige, provokative Fotos und halten dabei dem Betrachter nicht selten den Mittelfingern entgegen. Die Botschaft ist klar: Sie kämpfen gegen Sexismus und Vorurteile.

Die Aktion verbreitet sich mittlerweile viral, Zeitungen weltweit berichten darüber: Allein auf Twitter werden unter dem Hashtag #NãoMereçoSerEstuprada (auf Deutsch: Ich verdiene es nicht, vergewaltigt zu werden) unzählige Fotos und Statements hochgeladen. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff äusserte sich auf Twitter zu der Studie: «Brasiliens Gesellschaft hat noch einen weiten Weg vor sich.» Regierung und Gesellschaft müssten zusammenarbeiten, um Gewalt gegen Frauen in und ausserhalb der Heimat zu bekämpfen.

Laut «Die Welt» wurde die Aktion von der brasilianischen Journalistin Nana Queiroz ins Leben gerufen. Die 28-Jährige legte den Grundstein der Kampagne auf Facebook und forderte dort auch weitere Frauen dazu auf, Bilder von sich zu posten. Ihr sei wichtig gewesen zu zeigen, «dass niemand anderes ein Verfügungsrecht über ihren Körper hat, als die Frau selbst». Seit dem Beginn der Aktion habe sie bereits mehrere anonyme Drohungen erhalten – etwa, dass man sie vergewaltigen wolle.

Fehler gefunden?Jetzt melden.