Katar 2022 boykottieren oder nicht? Das denkt die Community

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Katar 2022«Ich verfolge diese verlogene WM nicht»

WM schauen oder wegschauen? Viele Fussballfans stehen aktuell vor einem Dilemma. Auch die 20-Minuten-Community ist sich nicht einig darüber, wie man mit dem Anlass in Katar umgehen soll.

von
Gabriela Graber
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Kurz vor der WM wird die Durchführung in Katar weltweit heftig kritisiert: Ein Beispiel aus dem Bundesliga-Spiel zwischen Freiburg und Union Berlin vom 13. November, wo Fans zum Boykott aufrufen.

Kurz vor der WM wird die Durchführung in Katar weltweit heftig kritisiert: Ein Beispiel aus dem Bundesliga-Spiel zwischen Freiburg und Union Berlin vom 13. November, wo Fans zum Boykott aufrufen.

IMAGO/Sportfoto Rudel
Am selben Tag kam es auch in Nürnberg zu Fan-Protesten.

Am selben Tag kam es auch in Nürnberg zu Fan-Protesten.

IMAGO/Zink
Kritisiert werden vor allem die Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den womöglich gestorbenen Gastarbeitern auf den katarischen Grossbaustellen.

Kritisiert werden vor allem die Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den womöglich gestorbenen Gastarbeitern auf den katarischen Grossbaustellen.

IMAGO/Pixsell

Darum gehts 

Fernseher einschalten und mitfiebern – oder etwa doch nicht? Die am Wochenende beginnende Katar-WM führt zu Verwirrung unter Fussballfans. Während einige sich das Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen wollen, entscheiden sich andere dafür, das umstrittene Turnier komplett zu boykottieren. Die Liste der Gründe dafür ist lang: Katar werden Menschenrechtsverletzungen, Ausbeutung von Gastarbeitenden sowie die Unterdrückung von Frauen und Homosexuellen vorgeworfen. 

Thomas Beschorner, Direktor des Instituts für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen findet, dass die Kritik zu spät komme und «scheinheilig» sei. «Mündige Bürger sollten verantwortungsvoll und nachhaltig konsumieren und deshalb auf den Konsum der WM verzichten. Das ist zwar nicht nichts – aber eben auch nicht viel und vor allem nicht das Richtige, weil so Verantwortungsfragen nach unten verschoben werden. Die Organisatoren der Veranstaltung werden damit schleichend aus der Verantwortung genommen», so Beschorner.

«Diese Wohlfühl-Proteste sind reine Lippenbekenntnisse»

Seit Wochen herrschen auch in der 20-Minuten-Community angeregte Diskussionen zum Thema. Während zahlreiche Leserinnen und Leser angeben, den Anlass im Wüstenstaat komplett zu vermeiden, schliessen sich etliche der Meinung des Ethikexperten an. 

«Thomas Beschorner hat zu hundert Prozent recht. Diese Wohlfühl-Proteste sind reine Lippenbekenntnisse», kommentiert User Heuwender. «Boykotte sind scheinheilig. Bei Russland und China gab es keinen solchen Aufschrei. Und die behandeln ihre Bürger meines Erachtens keinen Deut besser», findet DrMedDenRasen. 

Mäxle2.0 schreibt: «Wenn wir alle Länder von Aktivitäten ausschliessen würden, die nicht gemäss unseren Moralvorstellungen regiert werden, dürfte es schwierig werden, ein Land zu finden.» Mehrere Mitglieder der Community werfen ein, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten ständig auf gewisse Weise scheinheilig verhalten würden. «Wie viele der Menschen, die jetzt ‹Boykott› schreien, sind wohl schon mit Qatar Airways geflogen?», fragt CaMau. Und SamHaus findet: «Die meisten von uns kaufen Fast Fashion – im vollen Wissen darüber, wie Billigkleidung hergestellt wird. Interessiert es uns? Nein! Und jetzt springen viele auf den Empörungszug auf.»

«Die Kritik von Fans, Verbänden und NGOs gibt es bereits seit Jahren»

Derweil kündigt ein grosser Teil der 20-Minuten-Leserschaft an, ihre Fernseher für WM-Spiele bewusst ausgeschaltet zu lassen. «Wer sich die WM anschaut, unterstützt die Korruption» und «Ich verfolge diese verlogene WM nicht» schreiben die User peche11 und Ichduwiralle. Auch User Samas will den Grossanlass im Wüstenstaat boykottieren: «Genauso wie ich das Anfang Jahr mit der Olympiade in China gemacht habe!»

Wie Thomas Beschorner erachtet User W.nussvonbümpliz die Kritik als zu spät. «Aber ein Zeichen setzen sollte man trotzdem», behauptet er. User f,meier findet dagegen: «Die Kritik von Fans, Verbänden und NGOs gibt es bereits seit Jahren. Dass sie nun kurz vor dem Turnier wieder aufflammt und mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt, ist nur logisch.»

«Die Reformation des Islams liegt nicht an uns!»

Hiboris schreibt: «Andere Länder, andere Sitten. Klar ist es nicht okay, was in Katar passiert,  aber jahrhundertealte Traditionen können nicht wegen einer WM über den Haufen geworfen werden.» – Rony95 entgegnet darauf: «Aber zu Katars Traditionenen gehören die Unterstützung des Terrorismus, die Auspeitschung von Frauen, Korruption und Skalverei!»  Und Sola1 schreibt: «Man wusste von Anfang an über die konservative, islamische Ausrichtung dieses Landes. Doch die Reformation des Islams liegt nicht an uns!»


«Wer das eigene Gewissen beruhigen will, soll sie boykottieren oder ein anderes Zeichen setzen. Doch diese WM bleibt ein Dilemma», kommentiert DocHartmann. Die entscheidenden Fehler seien bereits vor Jahren auf höherer Ebene gemacht worden. «In Zukunft muss man viel früher die Reissleine ziehen», so DocHartmann.

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