16.03.2017 04:48

St. Margrethen SG

«Ich verkaufe an Sammler, nicht an Fanatiker»

Angelo Rutz alias Angel hat im Rheintal einen Raritäten- und Military-Store eröffnet. Im Sortiment hat er neben Waffen auch zahlreiche Nazi-Memorabilia.

von
gts

Angelo Rutz im Interview. (Video: gts)

«Ich sammle schon seit über 40 Jahren», erzählt der 60-jährige Angel. Geweihe, Gewehre aus dem 17. Jahrhundert, eiserne Kreuze, Uniformen oder Spielzeugeisenbahnen: Das alles findet man in seinem Antiquitätenladen, den er vergangenes Wochenende von Au nach St. Margrethen SG gezügelt hat.

Sein Spezialgebiet sind antike Militärartikel. So stehen in seinem Laden nebst Gegenständen aus der Schweizer Armee auch Erinnerungstücke aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Dies reicht vom Hitler-Jugend-Hemd über Orden bis hin zu Büsten des «Führers». Angel erklärt: «Mir geht es dabei um den historischen Wert.» Er sei definitiv kein Nazi und es gehe auch nicht um eine Verherrlichung des Dritten Reichs. Viele der Stücke, besonders die der Luftwaffe, finde er aber optisch schön.

«Für mich ist es wie eine Jagd»

Wie er an die Gegenstände kommt ist unterschiedlich: «Manchmal über Kollegen, manchmal über andere Sammler.» Vor kurzem habe jemand angerufen, dass er noch eine Kanone im Schuppen habe – da sei er natürlich sofort hin. Gekauft hat er sie dann für ein paar tausend Franken. «Für mich ist das wie eine Jagd», beschreibt Angel sein Hobby. Dementsprechend bezeichnet er sich selber als «Jäger und Sammler».

1 / 20
Angel verkauft in seinem Antiquitäten & Military Store verschiedenste Gegenstände.

Angel verkauft in seinem Antiquitäten & Military Store verschiedenste Gegenstände.

gts
In dieser Ecke finden sich Objekte aus der Zeit des Dritten Reichs.

In dieser Ecke finden sich Objekte aus der Zeit des Dritten Reichs.

gts
Dies sind Steinschlosspistolen aus dem Jahr 1770.

Dies sind Steinschlosspistolen aus dem Jahr 1770.

gts

Seine Kundschaft komme aus allen Bevölkerungsschichten und aus der ganzen Welt, da er eine der grössten Sammlungen in Europa besitzt. «Ich hatte bereits Kunden aus Amerika und China, die sich meine Stücke anschauen wollten.» Auch Anwälte und Richter würden bei ihm ein und aus gehen, so Angel, der wegen Waffenschieberei auch schon Ärger mit der Justiz hatte. Nazis gehörten aber nicht zu seinen Kunden. Er würde auch nicht jedem alles verkaufen: «Ich verkaufe an Sammler und Museen, nicht an Fanatiker.»

Dennoch würden die Stücke aus dem Zweiten Weltkrieg am besten laufen – auch, deren Wert stetig steige: «Das ist ein besseres Investment als Gold.» Für Angel bleibt das Ganze aber ein Hobby und keine Methode reich zu werden. «Das Ergattern eines schönen Stückes macht mich für mehrere Wochen glücklich.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.