20.06.2019 02:44

St.Gallen

«Ich vermisse eine bequeme WC-Schüssel»

Im Rahmen des «Gallus Experiment» hat Matthias Wenk seine Sachen gepackt und versucht, 20 Tage alleine im Wald zu leben. Neun Tage ist er nun schon dort und hat einiges erlebt.

von
viv
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Matthias Wenk nimmt am «Gallus Experiment» teil und versucht 20 Tage alleine in der Natur zurechtzukommen.

Matthias Wenk nimmt am «Gallus Experiment» teil und versucht 20 Tage alleine in der Natur zurechtzukommen.

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Gemeinsam mit Hündin Eni machte er sich am 11. Juni 2019 auf zum Rütibach im Quartier St. Georgen St. Gallen.

Gemeinsam mit Hündin Eni machte er sich am 11. Juni 2019 auf zum Rütibach im Quartier St. Georgen St. Gallen.

viv
Der 42-Jährige liess sich bei seinem Experiment von der Lebensgestaltung des heiligen Gallus inspirieren.

Der 42-Jährige liess sich bei seinem Experiment von der Lebensgestaltung des heiligen Gallus inspirieren.

viv

Er schläft unter einer Plane zwischen Bäumen mitten im Wald, seine Küche ist das Lagerfeuer und die Dusche ein Bach: Matthias Wenk nimmt am «Gallus Experiment» teil und versucht, 20 Tage alleine in der Natur zurechtzukommen. Es ist ein Projekt der Cityseelsorge in St. Gallen. Das Motto: Leben wie der heilige Gallus vor 1400 Jahren im Wald lebte – einfach, spirituell, naturverbunden.

Seit neun Tagen im Wald

Begonnen hat das Experiment am 11. Juni. Wenk, Angestellter der katholischen Kirche im Lebensraum St. Gallen, baute sich neben einem etwas abgelegenen Waldweg in St. Georgen oberhalb der Stadt St. Gallen am Rütibach eine Hängematte unter einer Plane auf, wo er schläft. Auch ein Zelt ist mit dabei, doch dort werden nur Mitbringsel verstaut, damit sie nicht nass werden. Eingepackt hat er unter anderem Kochgeschirr, ein Feuerzeug, eine Axt und Kleider. «Ich habe versucht, nur das Nötigste mitzunehmen», sagt er.

«Ich vermisse eine bequeme WC-Schüssel»

Im Rahmen des «Gallus Experiment» hat Matthias Wenk seine Sachen gepackt und versucht, 20 Tage alleine im Wald zu leben. Neun Tage ist er nun schon dort und hat einiges erlebt.

Hier spricht Matthias Wenk über seine bisherigen Erfahrungen. (Video: viv)

Neun Tage sind seit seiner Ankunft im Wald nun vergangen. Der 42-Jährige ist während dieser Zeit meist alleine, nur seine Hündin Eni ist durchgehend an seiner Seite. Ab und an bekommt er Besuch von Leuten, die von ihm gehört haben. Und sie kommen nicht mit leeren Händen: «Viele bringen mir Essen, vom Rhabarberkuchen, zu Würsten und Brot – es war schon vieles dabei.» Es sei äusserst schön, die Solidarität der Menschen zu spüren. Obwohl er sich um die Nahrung keine Gedanken machen muss, merke er, dass die Hose langsam rutsche und er den Gürtel ein Löchlein enger schnallen könne.

Zehn Stunden Dauerregen

Gedanken muss sich Wenk über das Wetter machen: «Ich habe ja keine Wetter-App dabei, also muss ich mich am Pfeifen der Vögel orientieren.» Regen bereitete dem 42-Jährigen in den vergangen Tagen reichlich Probleme: «Ich habe an einem Tag zehn Stunden Dauerregen überlebt», sagt er. In dieser Zeit habe er sich zu seiner Hündin unter die Hängematte gekuschelt und gebetet, dass es bald aufhört.

Und was macht man den ganzen Tag in der Natur? «Ich habe nur zwei fixe Tagespunkte: Ein Gebet um 12 Uhr und eines um 19 Uhr, bei denen ich meditiere», sagt er. Ansonsten beobachte er die Natur oder koche. Am meisten vermisse er seine Frau und die Tochter. Es sind aber auch die Kleinigkeiten des Alltags: «Manchmal denke ich mir, dass eine bequeme WC-Schüssel doch etwas wunderbares wäre. Das vermisse ich schon.»

Angst vor Gefahren

Alleine in der Natur kann es aber durchaus auch gefährlich werden, wie Wenk einmal beim Spazierengehen erfahren musste: «In der Nähe lebt ein Dachs, der mir einmal ganz klar zu verstehen gegeben hat, wo sein Revier ist.» Danach sei der 42-Jährige nicht mehr in das Gebiet gegangen. «Man hat schon Angst vor der Dunkelheit, den Tieren hier und auch vor den Geräuschen, die man nicht deuten kann», sagt er. Doch genau das ist auch eines seiner Ziele, die er sich im Rahmen des Experiments setzte: mit Gefühlen von Angst umgehen und vertrauen lernen.

Alles in allem ist Wenk bisher aber sehr zufrieden mit dem Experiment: «Es läuft bis jetzt wirklich gut. Ich habe schon einiges Erlebt und muss sagen, dass es aushalsbar ist.» Er fühle sich wohl in dem Waldstück und schaut schon mal voraus: «Wenn ich sowas wiedermal mache, dann nehme ich weniger Sachen mit – ich habe zu viele Socken und Unterhosen eingepackt.»

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