Raubüberfall auf Familie: «Ich vermute, dass das Haus gezielt ausgewählt wurde»

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Raubüberfall auf Familie«Ich vermute, dass das Haus gezielt ausgewählt wurde»

In einem Haus in Jonen kam es letzte Woche zu einem Überfall auf eine Familie. Ein Kriminologe ordnet die Tat für 20 Minuten ein.

von
Monira Djurdjevic
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Die Polizei sucht nach zwei Männern, die in Jonen AG eine Familie überfallen haben.

Die Polizei sucht nach zwei Männern, die in Jonen AG eine Familie überfallen haben.

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Erst kürzlich haben unbekannte und maskierte Männer in Oberengstringen ZH eine Familie überfallen und ausgeraubt.

Erst kürzlich haben unbekannte und maskierte Männer in Oberengstringen ZH eine Familie überfallen und ausgeraubt.

20min/amu
Bei dem Rauüberfall im Oktober 2021 wurde eine Person verletzt. 

Bei dem Rauüberfall im Oktober 2021 wurde eine Person verletzt. 

20min/News-Scout

Zwei Männer haben letzte Woche eine Familie in einem Haus in Jonen AG überfallen und die Bewohnenden gefesselt, darunter einen 26-jährigen Mann sowie seine Grossmutter (73) und Cousine (20). Einer der Täter war laut der Kantonspolizei Aargau mit einer Pistole bewaffnet. Als es an der Haustür klingelte, flüchteten die Männer. Die Männer dürften etwas Schmuck und wenig Geld erbeutet haben. Dirk Baier, Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), erklärt, wie es zu einer solchen Tat kommen kann.

Herr Baier, was sagen Sie zum Vorfall? 

Im Oktober vergangenen Jahres gab es schonmal einen ähnlichen Fall. Dass sich jetzt wieder solch ein Raub ereignet hat, ist bemerkenswert. Generell haben wir pro Jahr in der Schweiz mehrere Tausend Einbrüche. Normalerweise versuchen die Täter aber, den Kontakt mit den Bewohnern zu vermeiden. Insofern ist dies ein besonderer,  aussergewöhnlicher Fall.

Wurde das Haus der Familie gezielt ausgewählt?

Ich vermute, dass das Haus gezielt ausgewählt wurde. Ich kann nicht sagen, ob dies der Fall war, weil die Täter wussten, dass es hier etwas zu holen gibt. Ob Schmuck, Geld oder andere Wertgegenstände in einem Haushalt sind, kann man nicht ohne weiteres in Erfahrung bringen. Die Auswahl des Hauses bezog sich aber sicher darauf, dass die Täter davon ausgingen, hier einfach eindringen zu können, nicht gestört zu werden und mit den Bewohnern leichtes Spiel zu haben. Einbrüche in Wohnungen und Häuser sind kein zufälliges Ereignis, die Täter kundschaften in der Regel vorher ihre Ziele aus.

Stellen Sie eine Zunahme solcher Fälle fest?

Das lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen, weil es sich bei dieser Form des Wohnungseinbruchs bzw. Raubs um ein sehr seltenes Phänomen handelt. Generell sinken seit Jahren die Wohnungseinbrüche in der Schweiz, weil die Polizei einen Arbeitsschwerpunkt in der Bekämpfung des Wohnungseinbruchs hat, weil die Bewohner zunehmend Schutzmassnahmen ergreifen und weil sie während der Pandemie häufiger zu Hause geblieben sind. Ich vermute aber, dass in den kommenden Jahren der Wohnungseinbruch und auch solche speziellen Formen zunehmen könnten, unter anderem deshalb, weil für Banden aus dem Ausland die Schweiz ein attraktives Land ist.

Die Polizei sucht Zeugen und Zeuginnen

Personen, die Angaben zum Vorfall machen können, werden gebeten, sich mit der Zentralen Ermittlung (Tel. 062 835 81 81) in Verbindung zu setzen. Einer der Täter war 172 bis 175 Zentimeter gross, circa 25 Jahre alt. Er hatte dunkle Haare, auffällig buschige Augenbrauen, grüne oder blaue Augen und war mit einem blauen Langarmhemd, kurzen Jeans und weissen, halbhohen Schuhen gekleidet. Er trug ausserdem eine Sturmmaske, einen kleinen Rucksack und sprach Englisch. Der zweite Täter war circa 190 Zentimeter gross und rund 45 Jahre alt. Er hat kurze helle Haare, eine festere Statur, braune Augen und sprach gebrochen Deutsch. Ausserdem hatte er ein Muttermal unter der Lippe und war unmaskiert.  Zum Tatzeitpunkt trug er ein graues T-Shirt, helle Jeans und schwarze Schuhe. Die Kantonspolizei Aargau hat die Ermittlungen aufgenommen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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