Angriff auf russische Krim-Basis: «Ich vermute, ukrainische Special Forces haben Sprengsätze mit Timern angebracht»

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Angriff auf russische Krim-Basis«Ich vermute, ukrainische Special Forces haben Sprengsätze mit Timern angebracht»

Nach schweren Explosionen auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt Saki hüllen sich sowohl die Ukraine als auch Russland in Schweigen darüber, was geschehen ist. Ein früherer Soldat der britischen SAS-Spezialeinheit legt auf 20 Minuten seine Vermutungen dar.

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Die Explosionen auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim haben nach Ansicht britischer Geheimdienstexperten die Marineflieger der russischen Schwarzmeerflotte deutlich geschwächt. 

Die Explosionen auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim haben nach Ansicht britischer Geheimdienstexperten die Marineflieger der russischen Schwarzmeerflotte deutlich geschwächt. 

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Mindestens acht Flugzeuge auf dem Militärflugplatz Saki sollen dabei zerstört oder beschädigt worden sein. 

Mindestens acht Flugzeuge auf dem Militärflugplatz Saki sollen dabei zerstört oder beschädigt worden sein. 

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Moskau zufolge war es einmal mehr ein «Unfall aus Unachtsamkeit» – die «weggeworfenen russischen Zigaretten» sind in der Ukraine seit dem Angriff auf die russische «Moskwa» ein geläufiger Witz, zumal Russland auch dies als «Unfall» deklarierte. 

Moskau zufolge war es einmal mehr ein «Unfall aus Unachtsamkeit» – die «weggeworfenen russischen Zigaretten» sind in der Ukraine seit dem Angriff auf die russische «Moskwa» ein geläufiger Witz, zumal Russland auch dies als «Unfall» deklarierte. 

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Darum gehts

Auch Tage nach den Explosionen auf einem Luftwaffenstützpunkt auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim ist immer noch unklar, was tatsächlich geschehen ist. Kiew hüllt sich in bedeutungsvolles Schweigen, Moskau redet wie schon bei der Versenkung seines Schwarz-Meer-Flaggschiffs Moskwa von einem «Unfall».

Sicherheitsexperten zufolge weisen Satellitenfotos und vor Ort aufgenommene Videos aber auf einen Angriff hin. Die Rede ist von bis zu neun zerstörten Kampfjets und massenhaft vernichteter Munition – die Basis Saki hat eine zentrale Bedeutung für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der ganze Schaden liess sich erahnen, als russische Behörden bestätigten, dass es einen Toten und mehrere Verletzte gab – sowie über 80 durch die Explosionen beschädigte Gebäude. 

Alte Sowjetraketen aufgemotzt?

Die USA haben schon abgewunken: Von ihnen habe die Ukraine kein Waffensystem erhalten, das Angriffe aus ukrainischem Gebiet bis weit in russisch besetztes Gebiet ermöglichen würde. Was also hat den russischen Stützpunkt so verheerend getroffen? 

Analysten zufolge sind die ukrainischen Streitkräfte nicht in der Lage, Geschosse über die 120 Meilen abzufeuern, die nötig sind, um den Luftwaffenstützpunkt Saki vom ukrainisch kontrollierten Gebiet aus zu treffen. Gleichwohl sind Spekulationen aufgekommen, wonach die Ukraine ihr eigenes Langstreckenwaffenprogramm beschleunigt hat.

Ukrainische Spezialeinheiten à la SAS? 

«The War Zone» zufolge hat die Ukraine möglicherweise ältere Waffen aus der Sowjetära angepasst, die das von Moskau gehaltene Gebiet treffen könnten. Die Militäranalyse-Seite hält fest, dass auch die russische Moskwa mit eigenen, in der Ukraine hergestellten Neptun-Raketen versenkt worden war – eine Aktion, die viele Beobachter der Ukraine damals nicht zugetraut hätten. 

Die Explosionen auf dem Krim-Stützpunkt könnten aber auch auf eine Geheimoperation ukrainischer Spezialeinheiten zurückgehen. «Sie wurden seit 2014 von der Nato und speziell von Grossbritannien ausgebildet – und diese Art von Mission ist seit dem Zweiten Weltkrieg und dem Falklandkrieg 1982 eine absolute Spezialität der britischen SAS-Einheiten», sagt ein ehemaliges SAS-Mitglied zu 20 Minuten.

«Ich vermute, sie haben Sprengsätze mit Timern angebracht»

«Ich vermute, dass sie auf dem Stützpunkt unbemerkt Sprengsätze mit Timern angebracht haben. Möglicherweise sind sie dabei vom nahegelegenen Meer her gekommen und zogen sich auf dem gleichen Weg wieder zurück, bevor sie alles in die Luft jagten.»

Dass mehrere Kampfjets zerstört worden seien, sei jedenfalls bemerkenswert, so der Ex-SAS-Soldat, der namentlich nicht genannt werden will. «Auf Stützpunkten stehen diese Jets in separaten Boxen, damit das Feuer im Fall eines Brandes oder einer Explosion nicht auf die anderen Maschinen übergehen kann. Doch wenn heimlich Sprengsätze montiert werden, hilft das natürlich nichts.»

«Die Ukrainer können nun grosse Teile der Krim in Gefahr bringen»

Beobachter sind sich einig: Der explosive «Vorfall» wird zwar an der russischen Präsenz auf der Krim nichts ändern, zumal Russland noch fünf weitere Luftwaffenstützpunkte auf der Halbinsel unterhält. Dennoch sei das, was auf dem Luftwaffenstützpunkt Saki inmitten der Touristen-Sommerhochsaison geschah, ein Rückschlag für Moskau, militärisch wie psychologisch.

«Die Ukrainer können nun eindeutig grosse Teile der Krim in Gefahr bringen. Und nicht nur die Luftstützpunkte. Die Schwarzmeerflotte, ihr Treibstoff, ihre Munition, ihre Reparaturwerften und ihre Infrastruktur sind jetzt gefährdet», twittert Mick Ryan, Generalmajor a.D. der australischen Armee und Mitarbeiter des Zentrums für strategische und internationale Studien in Washington.

Gegenoffensive um Cherson 

Derzeit bereitet sich Kiew auf eine Gegenoffensive in den Gebieten nördlich der Krim vor, womit unter anderem die Stadt Cherson zurückerobert werden soll.

«Die Tatsache, dass die Ukraine wichtige Ziele auf der Krim zerstören kann, macht es für Russland schwieriger, die Halbinsel zur Unterstützung seiner Besatzungstruppen in der Südukraine zu nutzen», so Robert Person von der US-Militärakademie West Point.

«Cruel Summer»

«Wenn die Ukraine Russland auf der Krim logistischen Schaden zufügen kann, könnte dies die Bemühungen der Ukraine, Cherson zurückzuerobern, erheblich erleichtern.»

Was – oder wer – auch immer die Explosionen auf der Krim und den Flächenbrand ausgelöst hat – Ukrainer und Ukrainerinnen machen das Beste daraus und zelebrieren den «Unfall» mit hämischen Social-Media-Posts.

Auch das ukrainische Verteidigungsministerium, das auf seinem offiziellen Twitter-Kanal weinende russische Touristen auf der Krim verspottet – zur Melodie des 1980er-Pop-Hits «Cruel Summer».

(gux)

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