Work-Life-Balance: «Ich verpasste meine eigene Geburtstagsfeier»

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Work-Life-Balance«Ich verpasste meine eigene Geburtstagsfeier»

Weil er zu viele Ereignisse im Leben seiner Tochter verpasst hatte, kündigte ein Starinvestor seinen Job. Nicht jeder kann sich das leisten, zeigen die Leser-Reaktionen.

von
laf

Mohamed El Erian hatte genug. Weil er zu viele Ereignisse im Leben seiner Tochter verpasst hatte, kündigte er vergangenes Jahr seinen Job, in dem er um die 100 Millionen Dollar pro Jahr verdiente. Seine Erfahrungen brachte er an die Öffentlichkeit, um die Unternehmenswelt darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig eine gute Work-Life-Balance ist.

Wir haben unsere Leser gefragt, was sie schon alles verpasst haben, weil sie arbeiten mussten.

Die grosse Liebe

Ein grosser Teil ist offenbar der Meinung, dass ihnen die grosse Liebe wegen der Arbeit durch die Lappen ging. «Eine wundervolle Beziehung mit einer süssen Frau» habe er verpasst, so etwa ein anonymer Leser. Weitere Details gibt er aber nicht preis. Andere reden gleich von der versäumten «Liebe des Lebens».

Das Familienleben

Andere hatten nicht genug Zeit für die Familie. «Meine dauernde Verfügbarkeit für die Firma hatte dazu geführt, dass ich meine Frau und meine damals neugeborene Tochter vernachlässigte», berichtet Bruno. Er zog die Notbremse. Aber zu spät. «Wir trennten uns. Daraufhin konzentrierte ich mich darauf, das Verlorene wieder aufzubauen.» Die Versäumnisse in der Familie nahmen bei Senad ziemlich früh ihren Lauf: «Bei mir fing das schon an, als meine Kinder noch im Bauch waren. Bei meiner Tochter war ich beim ersten und zweiten Ultraschall dabei, danach nicht mehr. Bei meinem Sohn war ich nie dabei.»

Lily ist hin- und hergerissen. Sie ist alleinerziehende Mutter und arbeitet Vollzeit. «Und deswegen verpasse ich mehr als die halbe Kindheit meines einzigen Sohnes.» Doch an eine Kündigung denkt sie nicht - dann müsste sie nämlich von Sozialhilfe leben. «Das wäre zwar eine Option», sagt sie. «Aber wäre ich dann immer noch ein Vorbild für meinen Sohn?»

Zeit, das Leben zu geniessen

Viele Leser haben aber auch das Gefühl, wegen der Arbeit nicht richtig gelebt zu haben. «Ich habe als junger Erwachsener schon gearbeitet wie ein Karrieremann», berichtet Leser Meinrad. Daher habe er so vieles verpasst. «Keine richtigen Ferien, keine Reisen ...», zählt er auf. Doch in zwei Jahren laufe sein aktueller Vertrag aus. Dann will er neu beginnen. «Bei der nächsten Stelle werde ich den Fokus auf geregelte Arbeitszeiten und Ferien statt auf den Verdienst legen.»

Auch Martin ist frustriert. «Pulverschneetouren in der einzigen schönen Winterwoche» habe er unter dem Hochnebel im Büro versäumt. Leser Gujokü kann einem richtig leid tun, er verpasste ein ziemlich persönliches Lebensereignis: «Meine Geburtstagsfeier mit 50 eingeladenen Leuten.»

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