Aktualisiert 27.10.2009 11:48

Juanita Castros Memoiren«Ich verriet Fidel nicht, er verriet mich»

Die Memoiren von Juanita Castro enthüllen Details über ihre Zusammenarbeit mit der CIA. Sie beschützte in Kuba tätige Agenten und verlangte, dass sie nicht in gewalttätige Aktionen gegen ihren Bruder Fidel verwickelt wird.

von
pbl

Die unter dem Titel «Fidel und Raúl: Meine Brüder. Die geheime Geschichte» am Montag veröffentlichten Erinnerungen der heute 76-jährigen Juanita Castro werden derzeit mit einer cleveren PR-Kampagne beworben. Für Aufsehen sorgte ihre Enthüllung in einem TV-Interview, sie habe seit 1961 für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet. Amerikanische Medien haben nach der Lektüre des Buches weitere Details veröffentlicht.

In Kontakt mit der CIA kam Juanita Castro demnach durch Virginia Leitao da Cunha, die Frau des brasilianischen Botschafters in Havanna. Die jüngere Schwester von Fidel und Raúl, die ursprünglich die kubanische Revolution unterstützt und sich wegen der Hinrichtung von Regimegegnern davon abgewandt hatte, reiste im Juni 1961 nach Mexiko City unter dem Vorwand, ihre Schwester Emma zu besuchen, die dort verheiratet war. Dort traf sie einen CIA-Agenten, der sich mit dem Decknamen «Enrique» vorstellte.

CIA-Leute beschützen

Das Treffen fand kurz nach der missglückten Invasion in der Schweinebucht statt, die von der CIA unterstützt worden war. «Enrique» fragte Juanita, ob sie bereit wäre, für den Geheimdienst zu arbeiten und in Kuba tätige Agenten zu beschützen. «Die CIA hat Leute in Kuba. Einige könnten entdeckt werden oder wurden es schon. Die Aufgabe ist, sie zu beschützen, von einem Ort zum anderen zu begleiten und ihnen die grösstmögliche Sicherheit zu gewähren», sagte der Agent gemäss den Angaben im Buch.

Juanita Castro sagte zu, unter zwei Bedingungen: Sie wollte kein Geld annehmen und nicht in gewalttätige Aktionen gegen ihre Brüder involviert werden. Dies ist umso brisanter, als der US-Geheimdienst damals an zahlreichen Attentatsversuchen auf Fidel Castro beteiligt war. In den nächsten drei Jahren war Juanita Castro unter dem Decknahmen «Donna» für die CIA tätig. Die Kommunikation erfolgte über ein Kurzwellenradio und Zahlencodes, die sie mit Hilfe eines Handbuchs entschlüsselte, schreibt sie im Buch.

Bruch wegen Nixons Entspannungs-Politik

1964 ging Juanita Castro ins Exil nach Miami. Nachdem ihre Mutter im Vorjahr gestorben war, fühlte sie sich nicht mehr sicher. Die Zusammenarbeit mit der CIA ging jedoch bis 1969 weiter. Zum Bruch kam es mit dem Entspannungskurs der Regierung Nixon gegenüber der Sowjetunion. Man werde die Anti-Castro-Opposition nicht mehr unterstützen, hätten ihr zwei CIA-Agenten gesagt und verlangt, sie solle ihren Einfluss benutzen, um das Gerede über eine kommunistische Bedrohung herunterzuspielen.

Gemäss den Memoiren war es gerade Fidels Abkehr von der versprochenen nationalistisch-demokratischen Revolution und die Hinwendung zum marxistischen Ein-Parteien-Staat «einzig aus Gründen des Machterhalts», die zum Bruch mit dem Bruder geführt habe. Die Arbeit für die CIA verteidigt Juanita Castro: «Fühle ich Reue, weil ich Fidel verraten habe, indem ich mich mit seinen Feinden traf? Nein, aus einem einfachen Grund: Ich verriet ihn nicht, er verriet mich.» Weder die CIA noch die kubanische Regierung wollten sich bislang zu Juanita Castros Buch äussern.

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