«Ich verstecke meine Weiblichkeit nicht»

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«Ich verstecke meine Weiblichkeit nicht»

Während in der CSU Ratlosigkeit über den weiteren Umgang mit Gabriele Pauli herrscht, stichelt die Fürther Landrätin munter gegen ihre Partei. «Stoiber und all die anderen sollen sich beruhigen», sagte Pauli dem «Stern»über die Kritik an ihren Magazin-Fotos.

Die CSU-Politikerin wehrt sich zwar juristisch gegen die Veröffentlichung der Bilder, verteidigte die Fotos jedoch erneut. «Ich verstecke meine Weiblichkeit nicht. Ich habe dazu keinen Grund», sagte die 49-Jährige. Ihr umstrittener Auftritt als Fotomodell mit Latexhandschuhen in der Zeitschrift «Park Avenue» sei für sie ein Versuch gewesen, sich menschlich zu präsentieren.

Sie wolle sich nicht, «wie es bis zum Abwinken üblich ist, hinter der Maske des Politikprofis verstecken», erklärte Pauli. Die Aufregung halte sie für übertrieben: «Schwarze Handschuhe, ich fahre Motorrad - sind das Gründe, um eine Partei zu verlassen? Leben wir im Mittelalter?»

Wie über sie geredet werde, finde sie allerdings «wenig spassig». Sie habe gemerkt, «dass viele, die oben in der Politik mitmischen, einfach gestrickt sind», erklärte Pauli. Der Politik fehlten gute Leute. Sie sei für höhere Aufgaben bereit und in der Lage, der CSU neue Impulse zu geben. Auf die Frage, ob sie sich einen Kabinettsposten vorstellen könne, sagte Pauli: «Ja, warum auch nicht?»

Sie kündigte an, für das Amt als Partei-Vize am nächsten Parteitag der CSU im September kandidieren zu wollen. «Ich setze darauf, dass die CSU-Oberen mir gegenüber eine Kehrtwende hinkriegen. Sie sollten wissen: Wenn sie mich ausgrenzen, dienen sie der Partei nicht. Sie schaden ihr», warnte Pauli die CSU-Führung.

Die Landrätin schloss auch nicht aus, für die Freien Wähler in den nächsten Wahlkampf zu gehen. Mit Hubert Aiwanger, dem Chef der Freien Wähler, habe sie ein interessantes Gespräch geführt: «Er sprach von einem Pauli-Faktor. Er glaubt, mit mir kämen die Freien Wähler über die Fünf-Prozent-Hürde», erzählte Pauli.

Aiwanger dagegen verpasste Paulis Plänen einen Dämpfer: «Derzeit rollen wir Frau Pauli sicher nicht den Roten Teppich aus», sagte der Politiker der Berliner Zeitung «B.Z.»: Ihre Fotos seien «einer Zusammenarbeit mit uns nicht dienlich, sondern mit Sicherheit kontraproduktiv» gewesen.

Auch in der CSU wird über den weiteren Umgang mit Pauli diskutiert. «Frau Pauli ist nur noch peinlich und wird in der CSU keinerlei verantwortliche Aufgabe mehr erhalten», erklärte der Europa-Abgeordnete Markus Ferber in der «Passauer Neuen Presse». Forderungen, Pauli aus der CSU auszuschliessen, erteilte Ferber nun eine Absage: «Wir werden kein Parteiausschlussverfahren eröffnen. Dafür sind die Hürden sehr hoch», sagte der Politiker.

Paulis Mutter nimmt Tochter in Schutz

Die CSU-Politikerin Barbara Lanzinger warf der Fürther Landrätin in der «Netzeitung» vor, sie gebe «inhaltlich überhaupt nichts von sich». Paulis Mutter meldete sich ebenfalls zu Wort: «Meine Tochter hat sich parteilich nichts zu Schulden kommen lassen, ganz im Gegenteil», sagte Ursula Pauli der Berliner Tageszeitung «B.Z.».

Am 23. April will Gabriele Pauli in München ein Spottbuch über Stoiber mit dem Titel «Äh....dmund Stoibär» vorstellen. «Karikaturen sind Kunst», erklärte sie. «Man muss doch über den Dingen stehen können, auch mal lachen können - über sich, dieses ganze Theater.» (dapd)

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