Aktualisiert 19.04.2019 06:50

Aberkanntes EVZ-Tor«Ich verstehe, wenn Zug sich betrogen fühlt»

Eine umstrittener Schiri-Entscheid sorgt im Finalspiel 4 für Wirbel. Alle Experten sprechen von einem Fehlentscheid. Ausser Ex-Ref Nadir Mandioni.

von
Marcel Allemann

Das 1:1 des EVZ wird aberkannt. (Video: SRF)

Der SC Bern hat die Partie gegen den EV Zug am Donnerstagabend 3:1 gewonnen, führt mit demselben Resultat in der Finalserie und kann am Ostersamstag vor Heimpublikum zum 16. Mal in seiner Vereinsgeschichte Schweizer Meister werden. So sieht die Faktenlage aus.

Zu Stande kam diese, oder zumindest der dritte Berner Sieg in Zug aber auch wegen einem höchst umstrittenen Schiedsrichter-Entscheid. So verwehrten die Unparteiischen Mark Lemelin und Micha Hebeisen dem 1:1 von Garrett Roe in der 31. Minute die Anerkennung. Die EVZ-Fans verstanden die Welt nicht mehr und Zug-Trainer Dan Tangnes sprach hinterher von einem «fürchterlichen Entscheid».

Goalie-Behinderung oder doch nicht?

Lemelins direkter Befund auf dem Eis war «kein Tor», da er beim Schuss von Roe eine Torhüter-Behinderung gesehen hatte. Zugs Dennis Everberg kam im Torraum mit SCB-Goalie Leonardo Genoni in Berührung und Genoni hatte auch seinen Stock nicht mehr in der Hand, als Roes Geschoss bei ihm einschlug. Nur: Everberg war nicht freiwillig mit Genoni in Berührung gekommen, sondern von Berns Beat Gerber in den Torraum geschubst worden.

Natürlich begaben sich Lemelin und Hebeisen in den Video-Raum, um sich die heikle Szene nochmals anzusehen. Doch sie blieben bei ihrem ursprünglichen, auf dem Eis gefällten Entscheid. Allen Regeln (hier geht es um Nummer 150 und 183 aus dem Regelbuch) zum Trotz gibt es im Eishockey bei gewissen Aktionen einen Spielraum bei der Betrachtungsweise. Und ein solcher liegt hier definitiv vor, denn auch die Experten sind sich nicht einig.

«Ein grober Fehlentscheid»

Der während der Live-Übertragung zugeschaltete Ex-Ref Nadir Mandioni stützte auf MySports den Kein-Tor-Entscheid der Schiedsrichter (noch bevor diese anhand der Videobilder definitiv entschieden) und begründete dies damit, dass Everberg nach Gerbers Schubser genügend Spielraum gehabt hätte, den Torraum wieder zu verlassen und so Genoni nicht zu behindern. Da Everberg dies nicht tat, sei es kein korrektes Tor.

Im MySports-Studio war die graue Experten-Eminenz Simon Schenk dann jedoch komplett anderer Ansicht. «Genoni macht die Bewegung auf Everberg, als dieser weg will, und deshalb kommt es zur Berührung. Ich habe vollstes Verständnis, wenn die Zuger jetzt lamentieren und sich betrogen fühlen. Für mich ist das ein grober Fehlentscheid in einem spielentscheidenden Moment», ereiferte sich Schenk.

Support erhielt Schenk dabei von Sven Helfenstein und Gerd Zenhäusern, seinen Kollegen am MySports-Experten-Tisch, die ebenfalls fanden, dass dieses Tor hätte zählen müssen. Derselben Meinung war auch Experte Christian Weber im Studio von SRF: «Für mich ist das keine Torhüter-Behinderung. Everberg wollte aus dem Torraum weg, aber er kann sich nicht in Luft auflösen.»

Nichts sagten übrigens Ledelin und Hebeisen. Die Schiedsrichter haben die Weisung, ihre Entscheide während dem Playoff gegenüber den Medien nicht zu kommentieren.

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