01.04.2020 17:08

Frauen über Penisbilder

«Ich verwandle die Dickpics in Prinzessinnen»

Viele Frauen erhalten derzeit über Social Media ungefragt Penisbilder. Leserinnen erzählen, wie sie mit den Fotos umgehen und was sie davon halten.

von
juu/mim
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20 Minuten-Leserinnen haben derzeit mit Penisbildern zu kämpfen.

20 Minuten-Leserinnen haben derzeit mit Penisbildern zu kämpfen.

privat
So sagt etwa die 19-jährige Lorena, dass sie seit zwei Wochen über Instagram vermehrt Nacktfotos zugeschickt bekommt: «Die Dickpics kommen von Männern, die ich nicht kenne. Auch die Profile sind meist fake und existieren noch nicht lang.»

So sagt etwa die 19-jährige Lorena, dass sie seit zwei Wochen über Instagram vermehrt Nacktfotos zugeschickt bekommt: «Die Dickpics kommen von Männern, die ich nicht kenne. Auch die Profile sind meist fake und existieren noch nicht lang.»

iStock/Björn Forenius
«Ich bin dann immer leicht überfordert und versuche, sie sofort zu löschen. Doch es werden immer mehr und es ist echt mühsam. Erregend ist daran gar nichts. Es ist abstossend», so die 19-Jährige.

«Ich bin dann immer leicht überfordert und versuche, sie sofort zu löschen. Doch es werden immer mehr und es ist echt mühsam. Erregend ist daran gar nichts. Es ist abstossend», so die 19-Jährige.

iStock/Erikona

Der Bundesrat hat Mitte März den Lockdown verhängt und das öffentliche Leben in der Schweiz weitestgehend stillgelegt. Das wirkt sich auch auf die Sexualität aus. Da Bars, Restaurants und Kinos bis auf weiteres geschlossen haben, ist es derzeit schwierig, neue Leute kennen zu lernen. Wie Dating-Plattformen wie TheCasualLounge.ch mitteilen, soll das Online-Dating derzeit boomen.

Doch manchen reichen die Chats über die Dating-Portale anscheinend nicht. Viele Männer weichen auf Social-Media-Plattformen wie Snapchat oder Instagram aus, um dort Sexting zu betreiben. Die Folge: eine Flut an Nacktbildern, sogenannten Dickpics, während der Corona-Krise. Doch die Empfängerinnen sind längst nicht immer einverstanden und so landen die Penisbilder oft auch ungefragt und ungewollt in den Postfächern einiger Frauen.

Das denken Leserinnen über die Nacktbilder

Auch 20 Minuten-Leserinnen haben derzeit mit den Penisbildern zu kämpfen. So sagt etwa die 19-jährige Lorena, dass sie seit zwei Wochen über Instagram vermehrt Nacktfotos zugeschickt bekommt: «Die Dickpics kommen von Männern, die ich nicht kenne. Auch die Profile sind meist fake und existieren noch nicht lang. Das heisst, ich hab noch nicht mal ihr Gesicht gesehen, aber weiss schon, wie die untenrum aussehen. Ich bin dann immer leicht überfordert und versuche, sie sofort zu löschen. Doch es werden immer mehr und es ist echt mühsam. Erregend ist daran gar nichts. Es ist abstossend.»

Ähnlich sieht es auch die 21-Jährige Toni: «Bekomme ich ein solches Foto, bin ich jedes Mal aufs Neue erstaunt, dass Leute sowas wagen. Meistens bekomme ich derartige Fotos via Snapchat. Da ich dann die Nachricht öffne, sehe ich das Foto gleich. Ich antworte den Leuten, dass sie das unterlassen sollen. Weil ich mich ekle und bedrängt fühle, blockiere ich die Person auch umgehend und melde sie gleich.»

«Ich schicke ein anderes Penisbild zurück»

Eine andere Strategie verfolgt Leserin Conny. Sie schreibt, dass sie die Fotos jeweils speichert und sich extra einen Ordner mit männlichen Geschlechtsteilen angelegt hat. «Wenn ich dann solche Bilder bekomme, schicke ich ein anderes zurück. Problem gelöst», so die 24-Jährige. Meistens seien es dann gar die Männer, die sie von sich aus blockieren würden.

Auch die 19-jährige Selina weiss sich auf ihre Art zu helfen: «Wenn ich ungefragt ein Dickpic in meinen Nachrichten finde, verschönere ich es. So verwandle ich es etwa in eine Prinzessin oder verziere es mit Emojis. Bei Videos mache ich eine Bildschirmaufnahme und unterlege sie mit peinlicher Musik. Die fertigen Sachen schicke ich dann immer den Absendern zurück. Es ist zwar etwas Arbeit, aber dafür wird man danach in Ruhe gelassen.»

«Penisbilder können strafbar sein»

Frau Hobi*, warum verschicken Jugendliche und Erwachsene derzeit so viele Penisbilder?

«Es hat sicher damit zu tun, dass viele Jugendliche aktuell ihre Zeit zu Hause verbringen müssen und so Langeweile aufkommt. Man kann die Kollegen nicht treffen und die Eltern sind zu Hause selber im Homeoffice beschäftigt – und dadurch wissen viele nichts mit sich anzufangen, was zum Beispiel auch der Grund ist, wieso der Pornokonsum derzeit überdurchschnittlich hoch ist. Das betrifft auch Erwachsene. Viele Männer betrachten das ungefragte Verschicken von Penisbildern als eine Art Ventil für ihre Langeweile.»

Warum verschicken Männer überhaupt über Social Media ungefragt Nacktbilder?

«Wir leben nach wie vor in einer männlich geprägten Gesellschaft. Für die Männer ist das Verschicken von Nacktfotos eine Art, sich zu beweisen und zu zeigen: "Ich traue mich etwas". Gerade wenn man die Bilder an eine unbekannte Person schickt, ist es auch eine Machtdemonstration. Man drängt sich einer Person auf – und wartet nicht auf ihr Einverständnis.»

Sind Nacktbilder strafbar?

«Das kommt darauf an. Wenn man pornografisches Material an unter 16-Jährige verschickt, dann ja. Was viele nicht wissen: Jugendliche unter 18 machen sich ebenfalls strafbar, wenn sie Nacktaufnahmen von sich im Netz verbreiten. Einzige Ausnahme: 16 und 17-Jährige bleiben straflos, wenn sie einander im Einvernehmen Nacktfotos zuschicken oder herstellen. Mit dieser Ausnahme soll verhindert werden, dass Jugendliche für ihr normales Sexualverhalten kriminalisiert werden.

Aber auch Penisbilder können mitunter strafbar sein. Wenn die Betroffene dem Absender beispielsweise klarmacht, dass sie sich belästigt fühlt und solche Bilder nicht mehr erhalten möchte – und der Täter trotzdem weiter Bilder schickt – gilt das als sexuelle Belästigung. In diesem Fall kann der Absender angezeigt werden.»

Wie kann man als Frau auf solche Bilder reagieren?

«Entweder man ignoriert die Bilder – oder kontert mit einer Gegenaussage, die den Absender blossstellt. Dazu finden sich im Internet zahlreiche humorvolle Antworten. Der Klassiker ist wohl: "Jöö, ist der klein." Ich rate jungen Menschen aber generell: Besser man ignoriert und blockiert den Dickpic-Absender, denn alles andere führt meistens zu nichts. »

*Nina Hobi ist Projektleiterin bei der nationalen Plattform Jugend und Medien des Bundesamtes für Sozialversicherungen

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