Rheineck SG: «Ich wäre durchgedreht, wäre er weg gewesen»
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Rheineck SG«Ich wäre durchgedreht, wäre er weg gewesen»

Eine Frau in Rheineck SG glaubt, Unbekannte haben es auf ihren Hund abgesehen. Ein Vorfall am Dienstagnachmittag bringt sie dazu, andere Hündeler zu warnen. Experten ordnen ein.

von
Adriel Monostori
Tabea Waser
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Die Französische Bulldogge Adonis im Garten der Besitzerin in Rheineck SG. 

Die Französische Bulldogge Adonis im Garten der Besitzerin in Rheineck SG.

privat
Wenn sie drinnen putze, binde sie die Hunde oft draussen an. 

Wenn sie drinnen putze, binde sie die Hunde oft draussen an.

privat
Mit einer langen Leine können sie laut Besitzerin friedlich draussen sein. 

Mit einer langen Leine können sie laut Besitzerin friedlich draussen sein.

privat

Darum gehts

  • Auf Social Media warnt eine Frau, man solle auf die eigenen Hunde aufpassen.

  • Bei ihr selbst habe man es auf die Französische Bulldogge abgesehen.

  • Die Sache ging für die Besitzerin gut aus.

  • Laut Experten haben es Hundediebe oft auf Französische Doggen abgesehen.

  • Damit lasse sich Geld machen.

«Bitte passt auf eure Hunde auf», warnt eine Frau in einer Rheintaler Facebook-Gruppe. Sie berichtet in der Folge von einem Vorfall, der sich am Dienstagnachmittag in Rheineck SG ereignete. Ein Unbekannter habe ihre Französische Bulldogge aus dem Garten stehlen wollen, ist sie sich sicher. Sie habe ihre beiden Hunde draussen an einem Baum angeleint, beide mit rund 15 Meter Auslauf.

«Ich habe das schon öfters so gemacht, wenn ich drinnen am Putzen bin», erzählt die Frau gegenüber 20 Minuten. Sie wohne Parterre, so sei es für alle kein Stress und die Hunde können in Ruhe draussen die Sonne geniessen. So sei es am Dienstag gewesen, doch dann sei die Französische Bulldogge, Adonis, auf einmal zu ihr reingerannt und habe sie angesprungen und sei wieder nach draussen gerannt. Der Mops sei nach wie vor angeleint gewesen. «Der Karabiner der Leine von Adonis war an der Leine des Mops angemacht.» Das könne ein Hund ja schlecht selbst, deshalb ist sie sich sicher, dass jemand das Tier stehlen wollte. Adonis konnte aber zum Glück schnell wegrennen. Neben dem Baum sei zudem ein Stock gelegen.

Hunde sind ihre Fellkinder

«Ich wäre durchgedreht, wenn er weg gewesen wäre», so die Besitzerin. Ihre Hunde seien ihre Fellkinder und wer selbst welche wolle, solle sie kaufen. Wer es auf ihren Hund abgesehen hat, weiss sie nicht. «Es gab nie Probleme. Meine Hunde sind keine Kläffer und die Nachbarn lieben sie.» Als sie das Tier vor fünf Jahren gekauft habe, habe sie 3500 Franken dafür bezahlt. «Immer wieder werde ich auf den Hund angesprochen, weil er so ein schönes Tier ist.» Aus Angst, dass es beim nächsten Mal nicht so glimpflich ausgeht, will sie ihre Tiere in Zukunft nicht mehr unbeaufsichtigt lassen.

In den Kommentaren zum Post berichtet eine Frau, dass ebenfalls am Dienstag eine junge Frau bei ihr in Rüthi SG auf das Grundstück gelaufen sei. Sie habe aus der Handtasche verschiedene Beutel geholt, darunter einen mit Katzenfutter. «Dann sah ich auch schon unsere Katze, die die Frau anlocken wollte», berichtet sie weiter. Sie sei dann aber direkt dazwischen.

Wie es auf Anfrage bei der Kantonspolizei St. Gallen heisst, sind in diesem Jahr noch keine Fälle gemeldet worden, bei denen Haustiere gestohlen wurden. Sollte es zu einem Fall kommen, auch bloss zum Versuch, rät Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation, Anzeige zu erstatten. Die Besitzerin der Französischen Bulldogge will dies nun machen.

Begehrte Rasse

Laut Lucia Oeschger vom Schweizer Tierschutz STS sind Französische Bulldoggen oder Zwergspitze beliebte Hunde, wenn es ums Stehlen geht. «Für die bekommt man auch am meisten Geld, wenn man sie verkauft.» Genaue Zahlen zu Hundediebstählen habe sie jedoch nicht. Es sei aber auffällig, dass es vermehrt dubiose Angebote im Internet gebe, bei denen solche Hunde verkauft werden.

Gemäss Gaby Heimann, Präsidentin des Schweizerischen Klub für Französische Bulldoggen, kommt es in Grenzregionen öfter zu Hundediebstählen. Das sei für die Täter einfacher, um die Tiere aus der Schweiz zu schaffen. Bei ihren Mitgliedern gab es aber noch keine bekannten Vorfälle. «Die Französische Bulldogge ist als Rasse sehr beliebt, quasi ein Modehund, dadurch gibt es auch eine Knappheit an gesund gezüchteten Tieren», so Heimann. Zudem gebe es viele Fehlzüchtungen. Sie selbst erhalte momentan mehrere Anfragen täglich, ob sie Welpen habe. Dabei sei sie gar keine Züchterin. Das zeige, wie begehrt die Tiere sind. Deshalb könne sie sich auch gut vorstellen, warum jemand solch einen Hund stehlen will. Handele es sich um eine gute Züchtung, könne damit ziemlich viel Geld gemacht werden.

Im Ausland werden Hündinnen laut Heimann oft als Gebärmaschinen missbraucht. Die Welpen können die Besitzer dann teuer verkaufen. Muttertiere, die nicht mehr liefern, werden abgeschoben und landen unter Umständen im Tierschutz. Wenn man sich selbst eine Französische Bulldogge zulegen wolle, empfiehlt die Präsidentin des Klubs genau darauf zu achten, woher der Hund kommt. Man soll sich mit dem Züchter treffen können und die Aufzucht betrachten können sowie den Mutterhund sehen. Ein guter Züchter sei auch nach dem Kauf noch für die neuen Besitzer da, falls Fragen oder Probleme auftauchen.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

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