Kind in Auto gelassen : «Ich war auf dem Weg, die Scheibe einzuschlagen»
Aktualisiert

Kind in Auto gelassen «Ich war auf dem Weg, die Scheibe einzuschlagen»

Eine Mutter liess in Kreuzlingen TG ihr Kind allein im überhitzten Auto zurück. Dank aufmerksamen Gästen eines Cafés konnte das Mädchen befreit werden.

von
juu
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Am Mittwochnachmittag (24.7.2019) bemerkten Gäste eines Kreuzlinger Cafés vor dem Einkaufszentrum Karussell ein in einem Auto eingesperrtes Mädchen (Symbolbild).

Am Mittwochnachmittag (24.7.2019) bemerkten Gäste eines Kreuzlinger Cafés vor dem Einkaufszentrum Karussell ein in einem Auto eingesperrtes Mädchen (Symbolbild).

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Das Auto war in der prallen Sonne parkiert und das Kind konnte nicht hinaus. Daraufhin verständigten die Gäste die Polizei.

Das Auto war in der prallen Sonne parkiert und das Kind konnte nicht hinaus. Daraufhin verständigten die Gäste die Polizei.

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Wie die Kantonspolizei Thurgau auf Anfrage sagt, habe man die Mutter erst 20 Minuten nach Meldungseingang angetroffen und die Personalien aufgenommen.

Wie die Kantonspolizei Thurgau auf Anfrage sagt, habe man die Mutter erst 20 Minuten nach Meldungseingang angetroffen und die Personalien aufgenommen.

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«So etwas geht doch nicht», schimpft J. L.*. Der Kreuzlinger sass am frühen Mittwochnachmittag mit seinem Arbeitskollegen in einem Lokal an der Sonnenstrasse, um den freien Nachmittag zu geniessen. Gegen 13.30 Uhr vernahmen die Männer die immer wieder aufheulende Alarmanlage eines Autos. «Zwei Frauen am Nachbartisch fiel dann auf, dass sich im Inneren des Autos etwas bewegte. Also gingen sie nachschauen», so L. Darauf sei eine der Frauen geschockt zurückgekommen und habe geschildert, dass sich in dem in der prallen Sonne parkierten Auto ein kleines Kind befinde.

«Sie fragte uns, was sie machen solle, und wir entschieden uns, die Polizei zu informieren.» Dort soll die Frau allerdings vertröstet worden sein und man habe empfohlen, noch einige Minuten zu warten. Doch das Kind liess den Gästen keine Ruhe: «Wir waren mittlerweile seit 30 Minuten in dem Lokal und mindestens so lange war das Kind schon eingesperrt», erzählt der Augenzeuge. Nachdem es dem eingesperrten Mädchen trotz Hilfe nicht gelungen war, die Tür zu öffnen, verständigten die Gäste erneut die Polizei.

«Die Mutter rügte das Mädchen noch»

«Dann ging alles ziemlich schnell», erinnert sich L. Gerade als er auf dem Weg gewesen sei, die Scheibe einzuschlagen und das kleine Kind befreien, habe er die Polizei gehört, die mit Blaulicht und Sirenen anrückte. Zwei Sicherheitsleute und die Polizisten hätten daraufhin versucht, die Tür des Autos zu öffnen – aber keine Chance. Erst nachdem die Mutter im nahegelegenen Coop ausgerufen worden sei, habe sie sich zu ihrem Fahrzeug begeben und dieses aus Entfernung geöffnet.

«Das Kind war völlig verängstigt und die Mutter in keiner Weise einsichtig», so L. sauer. Die Polizei habe Fotos angefertigt und die Personalien aufgenommen. «Als die Polizei ihr Gespräch mit der Mutter beendet hatte, zog diese das Mädchen genervt am Arm zurück ins Geschäft», so der Kreuzlinger entsetzt. Mehr noch: «Sie rügte es zu allem Überfluss.»

«Nach wenigen Minuten lebensgefährlich»

Da die Situation immer noch an den Helfern nagte, beschlossen L. und sein Kollege zu warten, bis die Mutter ihre Shoppingtour beendet hatte. «Wir kamen um 13.30 Uhr ins Lokal und die Frau verliess erst um 16 Uhr den Parkplatz. Wollte sie das arme Kind etwa so lange im Auto lassen?» Die beiden entschieden sich also, die Mutter erneut auf ihr fehlbares Verhalten anzusprechen. Diese habe davon allerdings nichts wissen wollen. «Sie entgegnete uns nur, dass man total übertrieben und Panik um nichts gemacht habe. Schliesslich würde es ihrem Kind ja gut gehen.» Ob sie das Kind wirklich lange Zeit allein gelassen hätte, bleibt offen.

Die Kantonspolizei Thurgau bestätigt auf Anfrage von 20 Minuten den Einsatz. Laut Mediensprecher Matthias Graf haben die ausgerückten Polizisten zuerst versucht, das 7-jährige Mädchen dazu zu bringen, ein Fenster oder eine Tür zu öffnen. Dies sei aber nicht möglich gewesen. Erst 20 Minuten nach Meldungseingang habe man die Mutter angetroffen und die Personalien aufgenommen.

Da der vorliegende Fall strafrechtlich nicht relevant sei, habe es keine Konsequenzen für die Frau. «Dennoch haben wir sie darauf aufmerksam gemacht, dass die Hitze im Auto bereits nach wenigen Minuten lebensgefährlich sein kann», so Graf. Die Kantonspolizei rät generell, bei diesem Wetter keine Personen oder Tiere im Auto zu lassen.

*Name der Redaktion bekannt

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