Attentat in Nizza: «Ich war bereit zu sterben»

Aktualisiert

Attentat in Nizza«Ich war bereit zu sterben»

Ein französischer Familienvater wollte den Attentäter von Nizza aufhalten und verfolgte den LKW mit seinem Roller.

von
sep / ij
1 / 55
Ermittlungen ausgeweitet: In Frankreich sind acht Männer aus dem Bekanntenkreis des Attentäters verhaftet worden.

Ermittlungen ausgeweitet: In Frankreich sind acht Männer aus dem Bekanntenkreis des Attentäters verhaftet worden.

Keystone/Ian Langsdon
Zuvor waren im Rahmen der Ermittlungen bereits fünf Verdächtige der Justiz vorgeführt worden: Die französische Polizei empfängt die Angehörigen der Opfer bei der Trauerfeier. (17. Juli 2016)

Zuvor waren im Rahmen der Ermittlungen bereits fünf Verdächtige der Justiz vorgeführt worden: Die französische Polizei empfängt die Angehörigen der Opfer bei der Trauerfeier. (17. Juli 2016)

Keystone/Francois Mori
Trauer: Tausende Menschen trauern an der Strandpromenade in Nizza um die mindestens 82 Todesopfer des Anschlags (18. Juli 2016)

Trauer: Tausende Menschen trauern an der Strandpromenade in Nizza um die mindestens 82 Todesopfer des Anschlags (18. Juli 2016)

Keystone/AP/Luca Bruno

Ein Franzose wurde nicht nur Augenzeuge des Attentats in Nizza, bei dem 84 Menschen ihr Leben verloren, er war auch einer derjenigen, die versuchten, den Täter auf seiner Amokfahrt mit dem LKW zu stoppen. «Ich war bereit zu sterben», erzählt Franck, wie «Nice Matin» den Familienvater nennt.

Franck und seine Frau fuhren mit dem Motorroller die Strandpromenade entlang, um noch einen Blick auf das Feuerwerk anlässlich des Nationalfeiertages zu erhaschen. «Ich war mit meiner Frau mit etwa 60 km/h unterwegs. Wir blieben in der Mitte, es hatte nur wenig Autos.» Plötzlich seien Menschen angerannt gekommen, da hätten sie bemerkt, dass etwas nicht in Ordnung sei.

«Dann sah ich, wie der LKW aufs Trottoir fuhr. In meinem Kopf habe ich immer noch die Bilder von Menschen, die in alle Richtungen flogen. Ich verstand sofort», erzählt Franck. Seine Frau habe ihn am Arm gezogen und gefragt, wohin er fahre. Er habe angehalten und ihr gesagt, sie solle sich in Sicherheit bringen. «Dann gab ich Vollgas.»

«Ich habe den Tod angeschrien»

Er versuchte den LKW einzuholen, musste dafür aber um rennende und am Boden liegende Menschen Slalom fahren. «Ich erinnere mich sogar, dass ich in den Helm geschrien habe. Ich habe den Tod angeschrien. Ich sah nichts ausser die Rückseite des LKWs. Ich war bereit, bis zum Äussersten zu gehen.»

Als er auf der Höhe des Lastwagens gewesen sei, habe er sich gefragt, was er denn mit seinem Roller schon machen könne, sagt Franck der Zeitung. Wie im Video des ARD-Journalisten Richard Gutjahr zu sehen ist, schleudert er sein Gefährt schliesslich gegen den LKW und rennt zu Fuss weiter. Dabei fällt er hin, steht wieder auf, rennt weiter. «Ich weiss nicht mehr, was ich genau gemacht habe», so Franck.

Letztendlich gelingt es ihm, sich an die Fahrerkabine zu hängen. Er schlägt durch das Fenster auf den Fahrer ein. Doch dieser versetzt seinem Angreifer mit einer Pistole einen Schlag auf den Kopf und bringt ihn zu Fall. Wie durch ein Wunder wird Franck nur leicht verletzt. Doch die schrecklichen Bilder, die er an diesem Abend in Nizza zu sehen bekommen habe, suchten ihn immer noch in seinen Träumen heim, sagt er.

Deine Meinung