Aktualisiert 06.01.2020 09:19

Journalistin erzählt«An 5 von 7 Abenden war ich am Trinken»

Eine Theorie der Journalistin Ruby Warrington (42) will unsere Trinkgewohnheiten untersuchen – und im besten Fall reduzieren.

von
Geraldine Schläpfer
6.1.2020
Schwanger oder trockener Alkoholiker? Wer nicht trinkt, muss sich oft rechtfertigen.

Schwanger oder trockener Alkoholiker? Wer nicht trinkt, muss sich oft rechtfertigen.

Gregory_lee
Das Cüpli oder den Glühwein in der Gruppe abzulehnen, passt einfach nicht zu einer Gesellschaft, in der Alkohol in vielen Ritualen verwurzelt ist.

Das Cüpli oder den Glühwein in der Gruppe abzulehnen, passt einfach nicht zu einer Gesellschaft, in der Alkohol in vielen Ritualen verwurzelt ist.

Svetikd
Viele Wellnessfreunde, die lieber einen klaren Kopf als den ganzen Tag eine leichte Scheibe haben, stehen dem ständigen Anstossen aber zunehmend kritisch gegenüber und wollen mehr als bloss einen alkoholfreien Monat einlegen.

Viele Wellnessfreunde, die lieber einen klaren Kopf als den ganzen Tag eine leichte Scheibe haben, stehen dem ständigen Anstossen aber zunehmend kritisch gegenüber und wollen mehr als bloss einen alkoholfreien Monat einlegen.

Milos Dimic

In der Ära des Selbstoptimierungswahns macht Alkohol nüchtern betrachtet zwar wenig Sinn. Dennoch ist er allgegenwärtig, wie die letzte Bastion des Genusses, die stillschweigend und verschwörerisch aufrechterhalten wird. Dabei beeinflusst schon eine kleine Menge Alkohol Aufmerksamkeit, Motivation und Emotionen, wie wissenschaftlich längst bestätigt ist.

Wieso trinkst du eigentlich?

Alkohol gehört zum Feiern, zum gesellschaftlichen Abschalten und zum Freitagabend einfach dazu. Es hilft beim Abschalten, Spass, Small Talk, Einschlafen. Es macht fröhlich und entspannt. Doch wenn Alkohol irgendein Gefühl auslösen soll, muss man sich

dann nicht fragen, ob es dazu wirklich ein Nervengift braucht? Im Netz kursiert derzeit der Begriff «sober curious» (auf Deutsch: Neugierig darauf, nüchtern zu sein). Geprägt hat den Begriff Ruby Warrington, eine britische Autorin, die dem Trend ein eigenes Buch gewidmet hat. Das Konzept ist einfach: Anstatt einen alkoholfreien Januar einzulegen, um dann das restliche Jahr wieder zu trinken, geht es bei «sober curious» darum, sich nach der Motivation zu fragen, wieso man überhaupt zu Drinks greift, ohne sich diese zu verbieten.

Kein Verbot, aber eine andere Denkweise

So rät die Autorin beispielsweise, an Events, an denen man normalerweise als Erstes zum Weisswein greifen würde, in sich zu gehen und sich zu überlegen, ob und wieso man dieses Glas nun wirklich braucht. Ist es Gruppendruck, Angespanntheit, Stress, das Erleichtern eines Gesprächs? Nach diesem Scan des Trinkantriebs wird entschieden, ob sich Alkohol und seine Folgen am nächsten Tag in diesem Fall wirklich lohnen. Um dies auszuprobieren, muss man nicht ehemaliges Mitglied der Anonymen Alkoholiker sein, sondern einfach interessiert daran sein, einen klaren Kopf zu haben und im Einklang mit sich und seinen Gedanken zu sein. Ganz im Sinne von «mindfulness», dem Zustand, den wir sonst mit Yoga, Meditation und dem Schreiben von Journals anstreben.

Warrington, die früher gemäss eigenen Angaben an 5 von 7 Abenden pro Woche mindestens ein alkoholisches Getränk zu sich nahm, hat dem Alkohol übrigens fast ganz abgeschworen. Das, ohne sich selber komplett einzuschränken. So trinkt sie an Hochzeiten immer noch ein Glas Champagner oder geniesst hin und wieder am Strand ein Bier. Ganz verzichten wollen wir Millennials eben doch nicht, aber wenn schon Alkohol, dann bitte mit Bewusst-Etikett drauf. Das ist nur konsequent – und einen Versuch wert. Denn die allermeisten Drinks sind in einer simplen Erklärung begründet: Gewohnheit.

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