Philipp Degen: «Ich war für alles der Sündenbock»
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Philipp Degen«Ich war für alles der Sündenbock»

Philipp Degen gab nach der Euro überraschend seinen Wechsel zum englischen Spitzenklub FC Liverpool bekannt. Bei Borussia Dortmund war der Schweizer Nationalspieler in Ungnade gefallen. In einem Interview holte Degen jetzt zum Rundumschlag gegen seinen früheren Arbeitgeber aus.

Für Philipp Degen wurde mit dem Wechsel nach Liverpool ein Traum war. An der Anfield Road, der Heimat des FC Liverpool, versucht der lange verletzte Degen nun den Neuanfang. «Ich bin sehr stolz. Es ist für mich das Nonplusultra, mit diesem Verein in der zurzeit stärksten Liga der Welt spielen zu dürfen», freut sich Degen auf die neue Saison. Er hofft, dass er in Liverpool von Trainer Rafael Benitez endlich wieder das Vertrauen erhält, das er braucht, um gut Fussball spielen zu können.

In Dortmund, wo er von 2005 bis 2008 seine ersten Jahre im Ausland absolvierte, hatte der 25-jährige Defensivspieler sein Glück nie richtig gefunden. Seine Tendenz zum Risiko und seine sehr offensive Interpretation der Position des rechten Aussenverteidigers brachte ihm in der Öffentlichkeit und auch vom Trainer oft heftige Kritik ein. Den Entscheid zu einem Wechsel fiel gemäss Degen in der Winterpause: «Als ich nach meiner Operation am Knöchel im Krankenhaus von Biel lag, erfuhr ich aus der Zeitung, dass der BVB mit Andreas Hinkel einen Rechtsverteidiger holen wollte. Das war der Knackpunkt.» Das Vertrauensverhältnis zur sportlichen Führung war von da an schwer belastet. «Für mich war jedenfalls klar: Der Klub glaubt nicht mehr an mich.»

Besonders schlimm für Degen war die Zeit unter Bert van Marwijk, der die Dortmunder von 2004 bis im Dezember 2006 trainierte. Oft sass der Schweizer Internationale nur auf der Bank. «Diese eineinhalb Jahre unter van Marwijk werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Er hat mir alle Steine, die er finden konnte, in den Weg gelegt», beklagt sich Degen im Interview mit der deutschen Sportzeitschrift «Sport Bild». «Für alles war ich immer der Sündenbock, sogar wenn es in Dortmund geregnet hat, war Degen Schuld. Jeder hat nur immer auf den nächsten Fehler von mir gewartet.»

(pre)

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