Hilfspfleger vor Gericht: «Ich war hypersexuell»

Aktualisiert

Hilfspfleger vor Gericht«Ich war hypersexuell»

Ein Hilfspfleger, der sich im Spital Wattwil an drei Patientinnen vergangen haben soll, wehrt sich gegen eine unbedingte Freiheitsstrafe.

Ein Hilfspfleger soll im Spital Wattwil drei Patientinnen sexuell missbraucht haben.

Ein Hilfspfleger soll im Spital Wattwil drei Patientinnen sexuell missbraucht haben.

Er verzichte heute auf Sexualität, sagte der 62-jährige Schweizer am Dienstag vor dem Kantonsgericht St. Gallen.

Der Hilfspfleger soll drei Frauen dazu gedrängt haben, ihn mit der Hand zu befriedigen. Der diplomierte Sozialpädagoge arbeitete zwischen 2007 und 2010 im Spital Wattwil. Er war hauptsächlich im Nachtdienst auf einer medizinischen Bettenstation oder in der Geriatrie tätig.

Nachdem die ersten Vorfälle bekannt worden waren, wurde der Pfleger von der Spitalleitung verwarnt und unter Beobachtung gestellt. Trotzdem soll es 2010 zu weiteren Übergriffen gekommen sein. Das Spital erstattete Anzeige, der Mitarbeiter wurde sofort freigestellt.

Im April 2013 wurde der Mann wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Anstaltspfleglingen vom Kreisgericht Toggenburg zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und Schändung sprach ihn das Gericht frei.

Triebhemmende Medikamente helfen

Gegen das Urteil reichte der Beschuldigte Berufung ein. Sein Verteidiger forderte am Dienstag vor Kantonsgericht St. Gallen eine bedingte Geldstrafe von 270 Tagessätzen à 10 Franken mit einer Probezeit von fünf Jahren. Der Beschuldigte habe weder Gewalt angewendet noch den Frauen gedroht. Seit fünf Jahren sei es zu keinen weiteren Vorfällen gekommen.

«Ich habe schon als Jugendlicher gemerkt, dass mit meiner Sexualität etwas nicht in Ordnung ist», sagt der heute 62-Jährige, der bereits wegen Exhibitionismus gebüsst wurde. Er sei zum Zeitpunkt der Vorfälle im Spital Wattwil hypersexuell gewesen. Er habe die Frauen aber nie unter Druck gesetzt.

«Heute habe ich das Problem nicht mehr, weil ich auf Sexualität verzichte», sagte der Beschuldigte, der sich in einer ambulanten Therapie befindet und triebhemmende Medikamente nimmt.

Gefängnis und Berufsverbot gefordert

Der Staatsanwalt, der Anschlussberufung erhoben hatte, forderte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Ausserdem verlangte er ein Berufsverbot von fünf Jahren und die öffentliche Publikation des Urteils. Die erste Instanz sei den beschönigenden Schilderungen des Beschuldigten gefolgt statt den Aussagen der Opfer.

Man dürfe die Taten nicht verharmlosen. Die pflegebedürftigen Patientinnen hätten sich in einer Zwangssituation befunden und seien unter Druck gesetzt worden. «Einem Opfer hat er sogar noch ein Schweigegebot auferlegt», sagte der Staatsanwalt. Dem Beschuldigten werde keine günstige Prognose ausgestellt. «Er ist behandlungsresistent», sagte der Staatsanwalt. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

(sda)

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