«Ich war ja nicht ganz nackt!»
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«Ich war ja nicht ganz nackt!»

650 Fetischfreunde standen nach einer Bombendrohung auf dem «Torture Ship» zwei Stunden lang im Hafen. Isabella Cempulik, 32, ereilte das Schicksal in der Ganzkörperstrumpfhose.

Frau Cempulik, Sie waren am Samstag auf dem «Torture Ship» an der Fetischparty, als das Schiff wegen einer Bombendrohung geräumt werden musste. In welcher Situation steckten Sie da gerade?

Isabella Cempulik: (lacht)Ich habe gerade etwas getrunken und mich mit netten Leuten unterhalten. Dann verliess ich mit meinem Lebensgefährten das Schiff.

...und standen nackt auf der Strasse.

Nein, nein, ich war ja nicht ganz nackt. Ich trug eine Ganzkörper-Netzstrumpfhose und meine Highheels. Aber ich hatte keinen Schmuck an, also keine Halsketten oder Handschellen oder solche Sachen. Trotzdem: die Polizei hat interessiert geguckt, als sie das Schiff räumten, aber sie waren sehr höflich. (lacht).

Wie reagierten die rund 200 anwesenden Schaulustigen?

Einige waren natürlich schon sehr erstaunt. Aber der Anlass auf dem Fetischschiff ist ja mittlerweile bekannt. Wenn wir jeweils aufs Schiff steigen, verfolgen das hunderte von Schaulustigen. Als wir wegen der Bombendrohung das Boot verlassen mussten, hatte es aber nicht mehr so viele Leute. Ich habe aber weder Gelächter noch blöde Kommentare gehört.

Was haben Sie zwei Stunden lang gemacht?

Wir unterhielten uns, warteten. Viel mehr war nicht los - auch kein Sex. Den hat an Land niemand betrieben. Ich habe jedenfalls nichts wahrgenommen. Irgendwann gingen dann viele Leute in das Café am Hafen. Das war dann doch eine sehr skurrile Szene, als sich die Fetischszene im Ausflugslokal trafen. Aber reklamiert hat niemand. Im Gegenteil: Die dürften einen so hohen Absatz gemacht haben, wie noch nie.

Die Veranstaltung auf dem «Torture Ship» fand zum elften Mal statt. Es gibt viele Befürworter, aber auch einige Kritiker der Veranstaltung. Als aussenstehender Beobachter fragt man sich natürlich: Was geht da ab?

In erster Linie ist es eine grosse Party auf zwei Etagen. Es wird viel getanzt und es gibt Räume zum verziehen. Aber ich weiss schon: Die Leute, die das nicht kennen, stellen sich als erstes vor, dass da eine grosse Orgie veranstaltet wird.

Und?

Es gibt natürlich Herren, die sehr stark sexuell besessen sind. Aber auch die müssen immer fragen, wenn sie etwas wollen. Viele Männer fragen zum Beispiel, ob man sie auspeitschen würde oder ob sie die Corsage schnüren dürfen. Da sind Herren dabei, die am Samstag brav ihr Auto waschen. Viele kommen mit dem Partner und geniessen den Abend. Manche geniessen den Abend alleine, bevor sie ihn vielleicht zu zweit im Darkroom noch mehr geniessen (lacht). Und andere geniessen den Abend bis zum Ende alleine. Jeder hat halt so seinen Fetisch, den er auf dem Schiff befriedigen will. Aber das Schiff ist sicher kein Swingerklub.

Das tönt schon fast nach Enthaltsamkeit. Was machen Sie denn auf dem Schiff ausser reden und tanzen?

Ja, also - schon Sex, wilden Sex! Aber nicht so, wie man sich das vielleicht vorstellt, da können dann schon auch Fesseln im Spiel sein. Sicher aber ganz wild!

Sie haben zwei Kinder, zwei und vier Jahre alt. Wissen die von Ihren Neigungen?

Ich renne zu Hause sicher nicht peitschenschwingend durchs Haus. Was dann im Schlafzimmer abgeht, ist für die Kinder tabu. Später werde ich es Ihnen aber sicher erklären. Mein Sohn hat mich mit meiner Mutter schon einmal zum Abfahrtshafen des «Torture Ship» begleitet. Er hat mich also gesehen, als ich kostümiert ins Schiff gestiegen bin. Er hat dabei ziemlich fröhlich geguckt. Einen Schaden hat er jedenfalls nicht davongetragen.

Marius Egger, 20minuten.ch

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