16.03.2020 15:06

Eltern ohne Homeoffice

«Ich war komplett verzweifelt»

In die Schule können Kinder nicht mehr. Eltern, die auswärts arbeiten müssen, suchen dringend nach Betreuungsangeboten.

von
B. Zanni
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«Als der Bundesrat verkündete, dass die Schulen geschlossen werden, war ich komplett verzweifelt. Ich wusste gar nicht, wie ich so kurzfristig eine Betreuung für meine Tochter organisieren sollte», sagt Michaela Hofer aus Bern.

«Als der Bundesrat verkündete, dass die Schulen geschlossen werden, war ich komplett verzweifelt. Ich wusste gar nicht, wie ich so kurzfristig eine Betreuung für meine Tochter organisieren sollte», sagt Michaela Hofer aus Bern.

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Als Dentalassistentin sei sie zur Arbeit ausser Haus gezwungen, so Hofer. «Ich bin von frühmorgens bis abends weg.» Bis anhin sei ihre fünfjährige Tochter in der Tagesschule betreut worden.

Als Dentalassistentin sei sie zur Arbeit ausser Haus gezwungen, so Hofer. «Ich bin von frühmorgens bis abends weg.» Bis anhin sei ihre fünfjährige Tochter in der Tagesschule betreut worden.

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Auch die Berner Hauswartin E. C.* macht sich Sorgen um ihre fünf- und siebenjährigen Töchter. «Mein Mann und ich sind beide Hauswarte in auswärtigen Liegenschaften und können nicht von zu Hause aus arbeiten», sagt die 31-Jährige.

Auch die Berner Hauswartin E. C.* macht sich Sorgen um ihre fünf- und siebenjährigen Töchter. «Mein Mann und ich sind beide Hauswarte in auswärtigen Liegenschaften und können nicht von zu Hause aus arbeiten», sagt die 31-Jährige.

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Unzählige Eltern versuchen zurzeit Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen. Wegen des Coronavirus sind die Schulen bis zum 4. April geschlossen. Grosseltern als Betreuungsalternative fallen weg. Mütter und Väter, die wegen ihres Jobs das Zuhause verlassen müssen, fühlen sich verloren.

«Als der Bundesrat verkündete, dass die Schulen geschlossen werden, war ich komplett verzweifelt. Ich wusste gar nicht, wie ich so kurzfristig eine Betreuung für meine Tochter organisieren sollte», sagt Michaela Hofer aus Bern. Als Dentalassistentin sei sie zur Arbeit ausser Haus gezwungen. «Ich bin von frühmorgens bis abends weg.» Bis anhin sei ihre fünfjährige Tochter in der Tagesschule betreut worden.

«Heute Montag könne ich noch zu Hause bleiben, sagte meine Chefin», so Hofer. Die restlichen Tage könne sie ihre Tochter Eltern anderer Kindergärtler abgeben. «Auf die Dauer geht das aber nicht.»

«Nachbarn wird es irgendwann zu viel»

Auch die Berner Hauswartin E. C.* macht sich Sorgen um ihre fünf- und siebenjährigen Töchter. «Mein Mann und ich sind beide Hauswarte in auswärtigen Liegenschaften und können nicht von zu Hause aus arbeiten», sagt die 31-Jährige. Im Kindergarten ihrer siebenjährigen Tochter habe es geheissen, dass es eventuell ein Betreuungsangebot geben werde. «Gleichzeitig sagten sie, dass man sich aber besser mit den Nachbarn organisieren solle.»

In dieser Woche könnten sie und ihr Mann trotz des Wegfalls der Schwiegereltern die Betreuungslücke noch schliessen, sagt C. «Mein Mann macht Spätschicht und ich Frühschicht. Aber er wird auch nicht immer Spätschicht machen können.» Auch die Nachbarn hätten ihre Hilfe angeboten. «Irgendwann wird es den Nachbarn aber auch zu viel werden. Sie müssen ja schon die eigenen Kinder betreuen.»

Auch die Leserin C. K.* ist verzweifelt. «Wir sind in der schlechten Lage, dass beide Elternteile arbeiten müssen», sagt sie. Unter Eltern hätten sie die Betreuung der Kinder aufgeteilt. «Nun kam ein Mail von der Schule, dass wir Kinder nicht in grösseren Gruppen betreuen sollten.» Einen Betreuungsplatz in der Schule bekämen nur Kinder von Eltern, die im Gesundheitswesen, bei der Feuerwehr oder der Polizei arbeiteten, kritisiert K. «Zudem kostet dieser extra! Kitas aber sind offen!»

«Die Schule betreut unbetreute Kinder»

Franziska Peterhans, Zentralsekretärin des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH), versichert: «Die Schule betreut die schulpflichtigen Kinder, die sonst unbetreut sind.» Dies geschehe ohne Beschränkungen. Die Schule müsse sich auf die Situation einstellen, die sie vorfinde. Es gebe Eltern, die beispielsweise in Gesundheitsberufen arbeiteten und jetzt gefordert seien. «Bleiben sie der Arbeit fern, leidet die ganze Gesellschaft darunter. Deren Kinder müssen betreut sein.»

Es sei möglich, dass die Betreuung in einzelnen Kantonen noch nicht aufgegleist worden sei, so Peterhans. «Ab morgen Dienstag oder Mittwoch werden aber die meisten Kantone soweit sein.»

Private Lösungen vorgezogen

Wichtig ist laut Peterhans, dass bei den Angeboten die Regeln des BAG eingehalten werden. «Je weniger Kinder in der Schule betreut werden müssen, desto besser gelingt das auch. Wir appellieren an die Solidarität: Wer privat eine Lösung finden kann, soll diese wählen. Und wo das nicht geht, ist die Schule da.»

Die Eltern, die sich selbst oder mit anderen Familien organisieren können, helfen laut Peterhans, die schwierige Situation zu entschärfen. «Wichtig ist, dass die Kinder nicht von den Grosseltern betreut werden, wenn diese bereit über 65 Jahre alt sind oder zur Risikogruppe gehören, weil sie eine Vorerkrankung haben.»

*Name der Redaktion bekannt.

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