Iouri Podladtchikov: «Ich war sehr böse auf die Welt»
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Iouri Podladtchikov«Ich war sehr böse auf die Welt»

Schonungslos ehrlich spricht Iouri Podladtchikov nach seinem Olympia-Out über seine Wut, aber auch über seine Dankbarkeit.

von
Marcel Allemann
Pyeongchang

Das sagt Iouri Podladtchikov zu seinem Olympia-Aus. (Video: Fabian Sangines)

Es war der Schock im Schweizer Lager unmittelbar vor der Eröffnungsfeier. Snowboard-Star Iouri Podladtchikov ist nach seiner an den X-Games in Aspen erlittenen Hirnblutung nicht in der Lage, an den Olympischen Spielen in Pyeongchang in der Halfpipe seine Titelverteidigung anzutreten. Am Samstag wird der Zürcher, der direkt aus den USA nach Südkorea gereist war, in die Schweiz zurückkehren und sich der Rehabilitation widmen.

«Es fällt mir schwer, auf die Olympischen Spiele zu verzichten. Andererseits hatte ich auch grosses Glück und bin froh, dass ich heute überhaupt hier sitzen kann», erklärte Podladtchikov gegenüber den Medien. Die Ärzte geben gute Prognosen ab, dass der Sportstar keine bleibenden Schäden davontragen wird. «Im Zentrum steht für mich nun, wieder zu 100 Prozent gesund zu werden.» Der 29-Jährige geht davon aus, dass es zwischen drei und sechs Monate dauern wird, bis er wieder total fit ist, und diese Zeit will er sich nun auch geben.

«Es ist nicht mal annähernd vorbei mit meiner Karriere»

Für Podladtchikov ist klar, dass er in die Halfpipe zurückkehren wird: «Das war es noch nicht mit meiner Karriere als Sportler, nicht mal annähernd.» Doch allmählich genug hat er vor den vielen Verletzungen, die er in den letzten Jahren erlitten hat. «Unser Sport fordert uns immer mehr heraus. Ich muss einen Weg finden, dies so managen zu können, dass ich mich nicht dauernd verletze.»

Er habe in den Tagen nach seinem schweren Sturz starke emotionale Schwankungen durchlebt, gestand Podladtchikov und sagte schonungslos ehrlich: «Ich war sehr böse auf die Welt.» In der Halfpipe von Aspen hatte sich der Schweizer schon vor seinem verhängnisvollen Sturz nicht wirklich wohlgefühlt. Er dachte gar ernsthaft daran, abzureisen, weil die Trainingsbedingungen in der Schweiz viel besser seien. «Als ich dann im Krankenwagen lag, habe ich mich als Erstes gefragt, warum ich es nicht getan habe.»

Hablützel leidet, gibt aber noch nicht auf

Wenig vielversprechend sieht auch die Ausgangslage für den zweiten verletzten Schweizer Halfpipe-Crack David Hablützel aus, der sich bei einem Horrorsturz in Laax eine Hirnerschütterung und Rückenblessuren zugezogen hatte. «Es geht mir zwar täglich besser, aber der Moment, um darüber zu befinden, ob ich hier an den Start gehen werde, ist noch nicht gekommen», erklärte der 21-jährige Zürcher.

Im Training sei es zwar gut gegangen, aber er habe lediglich Basissprünge gemacht, «mein Bewegungsapparat ist wegen des Rückens schon noch stark eingeschränkt». Hablützel wird wohl bis zum letztmöglichen Moment zuwarten, ehe er entscheiden wird, ob ein Start in der Qualifikation vom Dienstag Sinn ergibt.

Der Fokus geht auf Pat Burgener und Jan Scherrer

Die Umstände im Schweizer Halfpipe-Teams erinnern stark an jene der Schweizer Tennis-Equipe 2016 an den Sommerspielen in Rio, als sich nacheinander Roger Federer, Stan Wawrinka und Belinda Bencic verletzt abmeldeten. In die Hauptrollen schlüpfen bei den Snowboardern nun in Pyeongchang statt der ursprünglich vorgesehenen Podlatchikov und Hablützel die gesunden Pat Burgener und Jan Scherrer.

Vor allem Burgener sprühte bei der Medienpräsentation vor Energie und Vorfreude. «Ich bin so glücklich, hier zu sein, und ich weiss, dass ich die Sprünge habe, die mir die Möglichkeit geben, eine Medaille zu holen», so der Walliser. Sein Enthusiasmus tut in diesen schwierigen Stunden dem Schweizer Snowboardsport richtig gut. Als Ersatz für Podladtchikov wird nun übrigens Elias Allenspach in der Halfpipe-Qualifikation an den Start gehen.

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