Aktualisiert 11.01.2010 13:26

Blutbad auf Campingplatz

«Ich war wie im Rausch»

Zu Beginn des Prozesses um die Tötung von zwei jungen Frauen auf einem Cuxhavener Campingplatz hat der Ex-Freund des einen Opfers ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Der wegen Mordes und Totschlags auf einem Cuxhavener Campingplatz angeklagte 30-Jährige aus Peine hat zum Prozessauftakt am Montag ein umfassendes Geständnis abgelegt. Danach erstach er seine Ex-Freundin Nadine T. und deren Freundin Anne G. während ihrer Urlaubsreise am 26. August 2009. Er habe aus Wut und wie im Rausch gehandelt, sagte Thomas H. zitternd und unter Tränen.

Laut Anklage tötete der aus Dresden stammende Mann seine Ex-Freundin gegen 4.30 Uhr mit 18 Stichen in Lunge und Brusthöhle in ihrem Wohnwagen. Anne G. konnte ins Freie fliehen, doch er holte sie nach etwa 60 Metern ein. Sie starb an 15 Stichen. Die Staatsanwaltschaft wertet den tödlichen Angriff auf Nadine T. als Totschlag, den auf Anne G. als Mord zur Verdeckung einer Straftat.

«Ich bedaure und bereue das zutiefst», sagte Thomas H. Er hätte sich Hilfe suchen sollen, um über die Trennung von der Frau hinwegzukommen. Sie hatte sich Anfang Juli von ihm getrennt und lebte wie ihre Freundin in Winsen/Aller.

Schilderung der Tat in allen Einzelheiten

In seinem rund zweistündigen Geständnis schilderte H. die Tat mit stockender Stimme in allen Einzelheiten. Am Tatabend habe er knapp einen Liter Bier getrunken und sei dann von seinem Wohnort Peine zu dem Campingplatz gefahren. Er habe dort die Reifen des Autos seiner Ex-Freundin zerstechen wollen. Seine Hoffnung sei gewesen, dass sie ihn dann anrufe und um Hilfe bitte.

Für seinen Plan habe er sich dunkle Kleidung angezogen und ein Küchenmesser eingesteckt. Vor Ort habe er sich Handschuhe übergezogen, um keine Fingerabdrücke auf dem Auto zu hinterlassen. Dann habe er sich jedoch entschieden, in den Wohnwagen zu gehen. Etwa eine Stunde habe er vor dem Bett von Nadine T. gehockt, auf ihre Schlafgeräusche gehört und an die früheren Zeiten gedacht. Als er sich aus dem Wagen schleichen wollte, habe Nadine T. ihn bemerkt.

«Du blöder Ossi»

Er habe ihr gesagt, dass er sie liebe und Sehnsucht nach ihr habe. Darauf habe sie gesagt: «Du blöder Ossi glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich zurücknehme und ich meine Höhepunkte vortäuschen muss.» Er sei wütend gewesen und habe am ganzen Körper gezittert, sagte H. Dann habe er das Messer genommen. Als Nadine T. zu schreien begann, habe er auf sie eingestochen.

In diesem Moment sei Anne G. wach geworden. «Ich war wie im Rausch, unfähig nachzudenken, aufzuhören.» Er habe zugestochen, ohne zu wissen, auf wen und wie oft. Danach sei er geflohen. Zu Hause habe er seine Kleidung fortgeworfen und beschlossen, sich zu stellen. Am folgenden Morgen sei er verhaftet worden.

Nach seiner Schilderung hatte er Nadine T. im August 2008 über das Internet kennengelernt. Seit Januar 2009 waren H. und Nadine T. ein ständiges Paar. Im April, Mai aber habe sie die Beziehung wieder offen halten wollen, weil sie sich eingeengt gefühlt habe. Er wurde eifersüchtig und begann, ihre Internetaktivitäten zu überwachen und sie anonym anzurufen. Die Hoffnung auf eine Fortsetzung der Beziehung habe er jedoch nicht aufgegeben. (dapd)

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