08.05.2018 03:47

Viele Absenzen im Job

«Ich war zu oft krank – sie drohten mit Kündigung»

Die Deutsche Post geht gegen Mitarbeiter mit vielen Absenzen vor. Auch 20-Minuten-Leser kriegten ihre Fehltage schon negativ zu spüren.

von
Dominic Benz
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Die Deutsche Post straft befristet angestellte Mitarbeiter ab, wenn sie zu lange krank sind.

Die Deutsche Post straft befristet angestellte Mitarbeiter ab, wenn sie zu lange krank sind.

Michael Gottschalk
Konkret: Wer innert zwei Jahren mehr als 20 Tage krank gewesen ist, bekommt keine feste Anstellung.

Konkret: Wer innert zwei Jahren mehr als 20 Tage krank gewesen ist, bekommt keine feste Anstellung.

Maurizio Gambarini
Zudem dürfen die Brief- und Päckli-Austräger höchstens zwei selbstverschuldete Unfälle mit einem Schaden von maximal 5000 Euro gehabt haben.

Zudem dürfen die Brief- und Päckli-Austräger höchstens zwei selbstverschuldete Unfälle mit einem Schaden von maximal 5000 Euro gehabt haben.

AP/Martin Meissner

Bei der Deutschen Post kriegen befristet angestellte Brief- und Päckli-Verträger nur noch dann einen festen Vertrag, wenn sie innerhalb von zwei Jahren nicht mehr als 20 Tage krank gewesen sind. Das Vorgehen sorgte für Empörung: Es sei «menschenverachtend» und «sittenwidrig», heisst es bei deutschen Arbeitnehmervertretern.

Auch in der Schweiz wäre laut Rechtsanwalt und Personalexperte Bernhard Kolb ein Anstellungskriterium wie bei der Deutschen Post möglich. Zulässig wäre es aber nur bei befristeten Anstellungen. «Bei Verträgen für einen unbefristeten Job wäre es gesetzeswidrig», so Kolb. Die Unternehmen könnten aber frei bestimmen, unter welchen Kriterien sie befristete Mitarbeiter fest anstellen wollen.

Verwarnung und Kündigung

Wegen vieler Krankheitstage machten auch 20-Minuten-Leser schlimme Erfahrungen an ihrem Arbeitsplatz. Veronika Z.* war im letzten Jahr oft erkältet und blieb zu Hause. Obwohl sie jeweils ein Arztzeugnis vorlegte, wurde sie zweimal während der Krankheit vom Büro aufgeboten. «Es wurde an meiner Einsatzfähigkeit gezweifelt und mir wurde nahegelegt, Teilzeit zu beantragen», erzählt sie.

Der Bankangestellte Nicolas M.* arbeitete bei einem kleinen Schweizer Finanzinstitut. Wegen Nierenstein-Operation und einer Lungenentzündung fiel er zwei Monate aus. Dafür kassierte er eine schriftliche Verwarnung. Als er nochmals für eine Woche krank wurde, folgte der Hammer: «Mir wurde gesagt, dass mir gekündigt wird, sobald ich noch einmal krank werde.» Tatsächlich gekündigt wurde 20-Minuten-Leserin Lena G.* Sie fiel wegen Komplikationen bei einer Operation länger aus als gedacht. «Eine Woche nach Wiederaufnahme der Arbeit wurde mir gekündigt. Angeblich wegen Erwartungsdifferenzen.»

Erst verwarnen, dann kündigen

Absenzen sind aber nicht nur für die Angestellten, sondern auch für die Unternehmen ein grosses Problem. Zum einen verursachen die Fehltage hohe Kosten. Zum anderen können Unternehmen nur wenig dagegen machen. «Arbeitgeber sind in diesem Bereich ausgeliefert», sagt Kolb. Vor allem der Umgang mit chronisch Abwesenden sei schwierig.

So können die Unternehmen gegen ein Arztzeugnis nichts machen. Üblich in der Schweiz ist, dass Unternehmen nach zwei oder drei Krankheitstagen ein Arztzeugnis verlangen. Nicht geregelt ist hingegen, wie oft ein Angestellter beispielsweise einen Tag fehlen darf. «Häufen sich solche Absenzen, bleiben den Unternehmen fast nur noch disziplinarische Möglichkeiten übrig», sagt Kolb. Konkret heisst das: Verwarnen oder gar kündigen. «Das ist eine gängige Praxis», so der Experte.

«Nur etwa fünf bis acht Prozent machen blau.»

Für Matthias Mölleney ist die Entlassung eines Mitarbeiters mit vielen Absenzen nicht die beste Lösung. Schliesslich würde die Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters auch hohe Kosten verursachen.

Chris Holzach von der Absenzen-Management-Firma Synaps warnt vor einer Vorverurteilung von Mitarbeitern mit vielen Absenzen. «Nur etwa fünf bis acht Prozent machen blau.» Rund die Hälfte der Absenzen hätte medizinische Gründe. Für gut 30 Prozent seien private Probleme oder mangelnde Motivation wegen Problemen am Arbeitsplatz verantwortlich. Gerade diese Absenzen-Zahl könnten die Unternehmen beeinflussen, sagt Holzach. Er nimmt die Vorgesetzten in die Pflicht. «Chefs sollten ihren Mitarbeitern mehr zuhören und sie unterstützen.»

*Namen der Redaktion bekannt

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