Aktualisiert 13.01.2017 10:43

Romy von The xx

«Ich war zu schüchtern, um vor anderen zu singen»

Heute Freitag erscheint mit «I See You» die dritte Platte der Londoner Melancho-Popper The xx. Wir haben mit Gitarristin und Sängerin Romy Madley Croft gesprochen.

von
Schimun Krausz
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Knapp viereinhalb Jahre nach «Coexist» legen The xx ihr drittes Studioalbum «I See You» vor. Bevor sie intensiv daran gearbeitet haben, verbrachten Jamie Smith (28), Romy Madley Croft (27) und Oliver Sim (26), seit Kindertagen beste Freunde, einige Zeit getrennt voneinander. Und nun, da sie wieder zusammen arbeiten, auftreten und touren, haben sich die drei Londoner noch lieber als früher, wie dieses neue Pressefoto zeigt.

Knapp viereinhalb Jahre nach «Coexist» legen The xx ihr drittes Studioalbum «I See You» vor. Bevor sie intensiv daran gearbeitet haben, verbrachten Jamie Smith (28), Romy Madley Croft (27) und Oliver Sim (26), seit Kindertagen beste Freunde, einige Zeit getrennt voneinander. Und nun, da sie wieder zusammen arbeiten, auftreten und touren, haben sich die drei Londoner noch lieber als früher, wie dieses neue Pressefoto zeigt.

Young Turks/XL Recordings
Aber auch, wenn kein professioneller Fotograf, sondern nur jemand mit einer Sofortbildkamera in der Nähe ist, haben sich The xx ganz doll lieb.

Aber auch, wenn kein professioneller Fotograf, sondern nur jemand mit einer Sofortbildkamera in der Nähe ist, haben sich The xx ganz doll lieb.

Instagram/thexx
Der Instagram-Account der drei besteht praktisch ausschliesslich aus Musik- und Kuss-Posts.

Der Instagram-Account der drei besteht praktisch ausschliesslich aus Musik- und Kuss-Posts.

Instagram/thexx

Die Erwartungen ans neue Album sind gross – wie bist du damit umgegangen?

Wir haben rund zweieinhalb Jahre an der neuen Platte gearbeitet und nach etwa zwei Jahren habe ich unser Publikum langsam ausblenden können. Aber es war mir stets klar, dass die Leute dieses Album unbedingt hören wollen.

Ist es wirklich möglich, sich ganz von der Aussenwelt abzukapseln?

Auf dem Papier klingt das verrückt – und klar, man kann sich nicht einfach komplett abnabeln. Aber wir haben so viel Zeit neben der Bühne verbracht, dass ich nicht mehr ausschliesslich innerhalb der Band dachte. Ich hatte wieder ein normales Leben, was mir dabei half, die Erwartungshaltung auszublenden. Denn sonst schreibt man Musik und überlegt sich gleichzeitig, was die Leute wohl hiervon oder davon halten werden – das kann schnell einengend wirken.

Habt ihr in der Band über den Erwartungsdruck gesprochen?

Bei «Coexist» [2012] haben wir uns sehr viele Gedanken darüber gemacht. Wir fühlten uns beobachtet, wie unter einem Mikroskop und fragten uns, was die Leute von uns erwarten. Das ist wohl dieses «schwierige zweite Album», von dem immer gesprochen wird – für uns war das eine ziemliche Herausforderung. Beim neuen Album haben wir damit aufgehört, uns zu viele Sorgen und Gedanken darüber zu machen, was von uns vielleicht erwartet wird. Wir wollten einfach die Musik machen, die uns persönlich gefällt. Und wir haben uns keine Regeln mehr auferlegt. Beim ersten Album [«xx», 2009] galt etwa die Regel, dass jeder Song auch live spielbar sein muss. Das hatte zur Folge, dass die Lieder simpel arrangiert waren, weil ich zum Beispiel noch nicht so versiert an der Gitarre war. Und die Musik wies darum mehr Raum auf, weil wir nicht wussten, wie wir diesen live füllen sollten. Unser Sound damals war also keine Absicht, sondern mehr ein glücklicher Zufall, weil wir es noch nicht anders konnten.

Der erste Live-TV-Auftritt mit dem neuen Material: The xx Ende November in der Sendung «Saturday Night Live». (Quelle: ThexxVEVO)

Heute bist du nicht nur versierter an der Gitarre, sondern scheinst auch selbstsicherer – bei eurer «Saturday Night Live»-Performance hast du gar getanzt! (siehe Video oben)

Ja! Ich wollte zeigen, dass ich nicht mehr so schüchtern bin. Heute klingt die Vorstellung vom Tanzen für mich nicht mehr komplett verrückt; früher fand ich das sehr schwierig.

Geniesst du Live-Auftritte auch mehr als früher?

Ich glaube schon. Es fühlt sich auch wieder neu an, weil wir so lange nicht mehr wirklich live aufgetreten waren. Und in dieser Zeit habe ich mich abseits der Bühne besser kennen gelernt. Ich bin erwachsen geworden. Ich meine: Ich war 22, als wir «Coexist» gemacht haben und jetzt, bei «I See You», bin ich 27. Das kann glaube ich jeder nachvollziehen: Mit 22 und 27 befindet man sich an ziemlich unterschiedlichen Punkten im Leben.

Was hast du in dieser Zeit eigentlich so getrieben? Also abgesehen von der Arbeit am Album.

Als Jamie [Smith] an seiner Soloplatte [«In Colour, 2015] werkelte, hatten Oliver [Sim] und ich viel mehr Zeit für uns. Es war hart für mich, nicht ständig um Jamie herum zu sein, doch rückblickend gesehen war es eine gute Erfahrung, weil sie dazu geführt hat, dass wir uns gegenseitig vermisst haben – die Jahre davor waren wir schliesslich ständig zusammen. So konnten wir anders und selbstständiger an unserer Musik arbeiten und uns auch wieder ein Privatleben aufbauen, unser eigenes Ding machen. Ich hab meine Faszination für Popmusik entdeckt und wollte lernen, wie die grossen Pop-Hits entstehen. Darum bin ich nach L.A. gegangen und habe dort an einigen Sessions teilgenommen, bei denen ich viel gelernt habe.

«On Hold», die erste Single-Auskopplung aus dem neuen Album «I See You». (Quelle: Youtube/The xx)

Diese Pop-Affinität hört man den neuen Songs durchaus an.

Ich bin jedoch nicht für The xx nach L.A. gegangen, sondern für mich. Aber ich habe dort eine Menge gelernt und einen Teil davon in unsere gemeinsame Musik einfliessen lassen. Früher war ich zu schüchtern, um vor Oliver und Jamie singen zu können, wenn wir zusammen Musik machten – darum haben wir uns Ideen und Song-Parts jeweils per E-Mail geschickt, das war mir damals lieber. Und das Erste, was ich in L.A. machen musste, war, vor all diesen fremden Menschen zu singen. Das war zunächst sehr einschüchternd für mich, schliesslich musste ich aus meiner Komfortzone ausbrechen – aber genau das wollte ich unbedingt schaffen.

Hat diese vorübergehende Trennung dazu geführt, dass ihr einander heute noch näher seid als früher?

Wir waren schon immer beste Freunde; Oliver und ich, seit wir drei Jahre alt waren, und Jamie und ich, seit wir elf waren. Wir haben seither so ziemlich jeden Tag miteinander verbracht; wir gingen zusammen zur Schule, spielten zusammen in Bands und gingen gemeinsam auf Tour. Dadurch sehnten wir uns, glaube ich, tatsächlich danach, mal Zeit ohne einander zu verbringen. Aber diese Zeit dauerte dann zu lange. Ich begann mir vorzustellen, dass sich Oliver vielleicht stark verändert hat und wir nicht mehr zueinander finden würden – das hat mich sehr traurig gestimmt. Als wir dann aber wieder Zeit miteinander verbracht haben ausserhalb der Arbeit mit der Band und einfach mit anderen Freunden abgehangen sind, merkte ich sehr schnell, dass sich zwischen uns nichts verändert hat. Das ist uns beiden bewusst geworden und nun schätzen wir uns glaube ich noch mehr. Sich auch mal zu vermissen, ist für jede Beziehung sehr gesund und wichtig.

Das neue Album «I See You» (Young Turks/Musikvertrieb) ist jetzt erhältlich.

The xx spielen am 18. Februar eine exklusive Schweizer Show in der Basler St. Jakobshalle – Karten dafür sind bei Starticket erhältlich.

Bei Spotify gibt es «I See You» komplett im Stream:

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