One-Night-Stands nach der Pandemie-Pause

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One-Night-Stands «Ich warte auf den Sommer, um im Bett richtig durchzustarten!»

Wer einen One-Night-Stand suchte, hatte durch die Pandemie Probleme. Jetzt sind die meisten Corona-Massnahmen gefallen. Erleben Schweizer*innen nun ein sexuelles Comeback? Eine Sexologin und 20-Minuten-Leser erzählen. 

von
Gabriela Graber
Christiane Binder
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Andi Eis (37) hat Frauen bisher immer auf dem Dancefloor kennengelernt, was in der Pandemie kaum möglich war. 

Andi Eis (37) hat Frauen bisher immer auf dem Dancefloor kennengelernt, was in der Pandemie kaum möglich war. 

Privat
Nun trainiert er ein paar Pandemie-Kilos ab und will im Sommer wieder auf die Piste.

Nun trainiert er ein paar Pandemie-Kilos ab und will im Sommer wieder auf die Piste.

Privat 
In Michaels* (25) Bett dagegen ist jetzt schon viel los. Ein bis dreimal pro Woche hat er unverbindlichen Sex mit hauptsächlich Online-Bekanntschaften. (Symbolbild)

In Michaels* (25) Bett dagegen ist jetzt schon viel los. Ein bis dreimal pro Woche hat er unverbindlichen Sex mit hauptsächlich Online-Bekanntschaften. (Symbolbild)

Unsplash

Darum gehts: 

Kontaktbeschränkungen, Schliessung des Nachtlebens und Social Distancing: Die Corona-Pandemie war für Menschen, die auf sexuelle Abenteuer aus waren, eine Spassbremse. Diese Zeiten scheinen nun Geschichte zu sein: Bars und Clubs haben wieder geöffnet, es gibt wieder Konzerte und der Frühling liegt in der Luft. Erleben Singles jetzt eine Art sexuelle Wiedergeburt – oder haben wir in der Pandemie unsere Lust auf den One-Night-Stand verloren? 20-Minuten-Leser*innen gehen unterschiedlich mit dem Thema um. 

Andi Eis, 37 Jahre 
«Ich habe Frauen bisher fast immer auf der Tanzfläche kennengelernt – was ja in den letzten zwei Jahren praktisch unmöglich war. So probierte ich kurz Online-Dating aus. Doch das lange Hin-und-Her-Texten war echt nicht meins. Jetzt warte ich auf den Sommer, um im Bett wieder voll durchzustarten!

In der Pandemie habe ich sieben Kilogramm zugenommen und muss diese erst abtrainieren, um auf der Tanzfläche eine gute Figur zu machen. Dafür gehe ich jeden Tag zwei Stunden joggen. So wenig Sex zu haben, war für mich wider Erwarten gar nicht so schlimm: Da ich erst kurz vor dem Beginn der Pandemie in die Schweiz gezogen war, war ich mit vielen anderen Dingen beschäftigt.»

Michael*, 25 Jahre
«Seit den Öffnungen habe ich häufiger One-Night-Stands – um ehrlich zu sein, mehr als jemals zuvor. Während der Corona-Pandemie habe ich intensiv trainiert und mich in die beste körperliche Form meines Lebens gebracht. Jetzt ernte ich die Früchte davon und habe ein bis gar drei Mal pro Woche sexuelle Abenteuer mit hauptsächlich Online-Bekanntschaften.»

Cyril, 22 Jahre
«Seit dem Ausbruch der Pandemie habe ich grundsätzlich keine One-Night-Stands mehr, insbesondere seit die Impfung kam: Ich bin ungeimpft und möchte keinesfalls mit einer geimpften Frau schlafen – ich befürchte, das könnte negative Auswirkungen auf meine Gesundheit haben. Da in meinem Umfeld oft über den eigenen Impfstatus gelogen wird, verzichte ich lieber auf sexuelle Abenteuer, date Girls über längere Zeit, bis ich sicher bin, dass sie ehrlich zu mir sind und habe dann erst Sex mit ihnen.»

«Viele erleben einen zweiten sexuellen Frühling»

«Viele freuen sich riesig über die neu gewonnene Freiheit, daten, flirten, verführen – sie erleben sozusagen einen zweiten sexuellen Frühling», sagt Sexologin Dania Schiftan. Es gebe aber auch Menschen, denen im Moment alles über den Kopf wachse: Sie fühlten sich überfordert, unsicher und hätten zu wenig Zeit, um sich an die neue Situation anzupassen. Einer dritten Gruppe sei die Aufhebung der Corona-Massnahmen egal: Sie hätten auch in Zeiten von hohen Infektionszahlen wenig Rücksicht auf die Massnahmen genommen und wie gewohnt weitergemacht.

«Längerfristig werden wir in alte Muster zurückfallen»

«Die meisten von uns haben jedoch die eigene Sexualität während der Pandemie anders ausgelebt», so Schiftan. So habe man sich Sex statt bei fremden, potenziell ansteckenden Personen etwa bei Friends with Benefits oder Sexdates geholt. «Viele haben sich exklusiv zum Sex verabredet – und nicht für mehr. Dazu wurden klare Pakte geschlossen.» So sei etwa abgemacht worden, nur mit einer gewissen Anzahl an Personen intim zu sein.

Laut Schiftan werden einige Menschen etwa das Konzept «Freundschaft Plus» beibehalten: «Manche haben in der Pandemie festgestellt, dass sie mehr davon haben, wenn sie immer mit der gleichen Person statt mit wechselnden Personen schlafen», so die Sexologin. Doch würden viele wohl längerfristig in ihre alten Handlungsmuster zurückfallen. «Wir sind ja absolute Gewohnheitstiere. Und wieso sollte man sich etwas, das man immer als schön erlebt hat, nicht zurückwünschen?» 

*Name geändert

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Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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