Wegen Corona verschobene OPs - «Ich warte seit 14 Monaten auf meine Magen-Operation»
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Wegen Corona verschobene OPs«Ich warte seit 14 Monaten auf meine Magen-Operation»

Seit dem ersten Corona-Lockdown werden in der Schweiz Tausende Eingriffe verschoben. Es sei eine sehr belastende Situation, sagt ein Betroffener.

von
Noah Knüsel
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30’000 Operationen mussten 2020 wegen Corona verschoben werden. Diese werden immer noch nachgeholt, sagt Tobias Bär von der Gesundheitsdirektorenkonferenz.

30’000 Operationen mussten 2020 wegen Corona verschoben werden. Diese werden immer noch nachgeholt, sagt Tobias Bär von der Gesundheitsdirektorenkonferenz.

20min/François Melillo
Einer der Betroffenen ist S.K. aus Luzern: «Ich warte seit 14 Monaten auf meine Operation zur Magenverkleinerung.» Schon drei Mal habe diese verschoben werden müssen, sagt der 33-Jährige: «Die Situation ist sehr belastend.» Wegen einer Hormonstörung ist er übergewichtig. Darum habe er sich für eine Operation zur Magenverkleinerung entschieden, wie er erzählt.

Einer der Betroffenen ist S.K. aus Luzern: «Ich warte seit 14 Monaten auf meine Operation zur Magenverkleinerung.» Schon drei Mal habe diese verschoben werden müssen, sagt der 33-Jährige: «Die Situation ist sehr belastend.» Wegen einer Hormonstörung ist er übergewichtig. Darum habe er sich für eine Operation zur Magenverkleinerung entschieden, wie er erzählt.

20min/François Melillo
Im Juni 2020 wäre es so weit gewesen – doch wegen des Corona-Lockdowns musste die Operation verschoben werden. Insgesamt vier mal wurde der Termin neu angesetzt, nun soll der Eingriff im März 2022 stattfinden.

Im Juni 2020 wäre es so weit gewesen – doch wegen des Corona-Lockdowns musste die Operation verschoben werden. Insgesamt vier mal wurde der Termin neu angesetzt, nun soll der Eingriff im März 2022 stattfinden.

Tio/ 20 minuti

Darum gehts

  • Seit dem ersten Lockdown wartet S.K. auf seine Magenoperation.

  • Schon viermal habe diese verschoben werden müssen, sagt der 33-Jährige: «Die Situation ist sehr belastend.»

  • Beim Spitalverband H+ heisst es, das Verschieben von Eingriffen diene der Aufrechterhaltung der Behandlungskapazität.

Weil die Zahl der Spitaleinweisungen wegen Corona steigt, müssen mancherorts bereits wieder dringende Operationen verschoben werden. Im Unispital Zürich müssen Eingriffe am Herzen, Hirn oder die Entfernung von Tumoren warten. Auch das Kantonsspital Aargau muss gemäss dem «Tagblatt» bereits zum dritten Mal in dieser Krise Eingriffe verschieben, dasselbe Bild im Universitätsspital Basel. Im Thurgau müssen aufgrund fehlender Intensivplätze Patienten in andere Kantone verlegt werden.

Dabei sind noch längst nicht alle Eingriffe durchgeführt, die 2020 nicht gemacht werden konnten: «Die Spitäler sind immer noch daran, diese 30'000 Operationen nachzuholen», sagt Tobias Bär von der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren.

Einer der Betroffenen ist S.K.* aus Luzern: «Ich warte seit 14 Monaten auf meine Operation zur Magenverkleinerung.» Schon drei Mal habe diese verschoben werden müssen, sagt der 33-Jährige: «Die Situation ist sehr belastend.»

Vorbeugender Eingriff

K. leidet an einer angeborenen Hormonstörung: «Das führt dazu, dass ich übergewichtig bin.» Er habe auf verschiedenen Wegen versucht, Gewicht zu verlieren: «Ich mache deutlich mehr Sport und achte sehr auf meine Ernährung», sagt K. «Aber nichts hilft. Das zehrt an den Nerven.»

Nach langem Überlegen habe er sich darum im Frühjahr 2018 entschieden, eine Magenbypass-Operation zu machen: «Das war ein grosser Schritt für mich», so K. Er wolle vor allem den Folgen seines Übergewichts wie Diabetes, Gelenkproblemen oder einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko vorbeugen: «Das kommt schlussendlich auch dem Gesundheitswesen zugute.»

Massiver Einschnitt ins Leben

Bis die Finanzierung durch die Krankenkasse gesichert war, dauerte es weitere zwei Jahre, wie K. erzählt. Im Juni 2020 wäre es endlich so weit gewesen – doch kurz davor kam der Corona-Lockdown: «Der Eingriff wurde zunächst in den Herbst 2020 verschoben.» Diese Zeit sei für ihn selbst aber wegen des Antritts einer neuen Stelle ungünstig gewesen, so K.: «Darum verschob sich die OP zunächst in den Juli 2021, dann in den Herbst und jetzt erneut, wann sie durchgeführt werden kann, ist noch ungewiss.»

Mindestens bis dahin hängt K. in der Luft: «Die Situation hat für mich vor allem psychische Auswirkungen», sagt er. Denn: «Die Operation bedeutet eine massive Veränderung in meinem Leben.» Abgesehen davon, dass er einen Monat lang nicht arbeiten könne, werde sich sein Alltag auch längerfristig massiv verändern: «Weil mein Magen dann nur noch so gross wie eine Espressotasse ist, muss ich einen strikten Essensplan einhalten», so K.

Zudem müsse er viele Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen und habe etliche Termine für Nachkontrollen: «Es dauert mindestens zwei Jahre, bis sich mein Magen vollständig erholt hat.» Auf dieses neue Leben müsse er sich mental und organisatorisch vorbereiten, sagt der Luzerner: «Das ist aber nicht möglich ohne einen fixen Operationstermin.»

«Bin froh, wenn es vorbei ist»

«Dass die Operation immer weiter verschoben wird, ist für K. zwar nachvollziehbar, aber belastend. «Ich möchte schliesslich nicht aufgrund einer möglichen OP-Komplikation auf der Intensivstation landen, die voll von Covid-19-Patienten ist. Der Aufwand wäre für alle Beteiligten kleiner, wenn der Eingriff möglichst bald gemacht würde», so K.

Neben dem Stress, der für ihn persönlich entstehe, müssten Voruntersuchungen erneut durchgeführt werden. Und: «Das Spital verzichtet so auf über 25'000 Franken für die Operation.» Ob die Operation nach den vielen Verschiebungen wirklich im März stattfinden wird, bezweifelt K. noch. Für ihn ist aber klar: «Ich bin froh, wenn der Eingriff endlich vorbei ist.»

*Name der Redaktion bekannt

Darum müssen Spitäler Wahleingriffe verschieben

Beim Verschieben der Operationen gehe es darum, genügend Intensivbetten frei zu halten, sagt Anne Bütikofer, Direktorin des Spitalverbands H+: «Je nach epidemiologischer Lage müssen mehr oder weniger Eingriffe verschoben werden.» Die zweite Welle wäre ohne diese Massnahme nicht zu bewältigen gewesen, so Bütikofer weiter: «Und auch jetzt verschieben Spitäler und Kliniken wieder Wahleingriffe, um genügend Kapazitäten zu haben.» Dieser Trend werde sich fortsetzen, wenn sich die epidemiologische Lage weiter zuspitze.

Das Wort «Wahleingriffe» könne dabei irreführend sein, sagt Bütikofer: «Das können auch Operationen am Herzen, Magen oder einem Tumor sein.» Diese zu verschieben, sei für viele Betroffene belastend: «Das kann mit viel Leid verbunden sein, etwa starken und andauernden Schmerzen.»

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