04.11.2020 19:29

3 mit Sex«Ich weiss, dass du einen Orgasmus hattest»

Wenn ein Mann einer Frau weismachen will, dass sie soeben einen Orgasmus hatte, dann ist das an Absurdität schwer zu überbieten.

von
Ella
Zora Schaad
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Da wollte ein Typ Ella doch tatsächlich weismachen, dass sie beim gemeinsamen Sex gekommen sei. «Er war ein Mansplainer, wie er im Buche steht.» 

Da wollte ein Typ Ella doch tatsächlich weismachen, dass sie beim gemeinsamen Sex gekommen sei. «Er war ein Mansplainer, wie er im Buche steht.»

Illu: Anna Deér
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, im und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér
Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Déer

Darum gehts

  • Ella hat im Ausgang einen Typen namens Collins kennen gelernt.

  • Schon sehr bald ging es zwischen den beiden heiss her.

  • Alles perfekt, gäbe es da nicht ein Problem: «Collins ist super heiss, aber von seinen zitierten Lebensweisheiten kriege ich auf der Stelle eitrige Pusteln!»

Nennen wir ihn Collins. Ich hatte ihn im Ausgang kennen gelernt, wo wir schon sehr bald sehr intim wurden. Ich erinnere mich dumpf, wie wir auf dem schmuddeligen Sofa eines Clubs schmuddelige Sachen taten und ich sehr, sehr feucht war. Es war aber auch sehr, sehr heiss, von der Temperatur her.

Collins war ziemlich gross und muskulös, und ich fand ihn hot, keine Frage. Aber er war mir um Längen lieber, wenn er nicht zu viel sprach. Nicht nur wegen seines Dialekts, sondern auch, weil er gerne Lebensweisheiten von sich gab wie:

«Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume.»

Collins.

Dagegen bin ich so allergisch, dass ich entweder auf der Stelle eitrige Pusteln kriege oder aber ihm meine Zunge so tief in den Hals stecken muss, dass er ganz sicher nichts mehr sagen kann. Doch lange zürnen durfte er mir nicht, weil:

«Wer nachtragend ist, hat viel zu schleppen.»

Collins.

Nun kann ich mich nicht mehr an besonders viel erinnern an diesem Abend, was einerseits an einer grossen Menge Alkohol lag, andererseits habe ich es vielleicht auch einfach verdrängt, denn:

«Loslassen ist Freiheit.»

Collins.

Jedenfalls hatten wir dann irgendwo noch Sex, der so durchschnittlich war, dass ich nicht mal ganz sicher bin, ob er überhaupt stattgefunden hat. Ich befürchte es und habe Collins vorsichtshalber auf meiner Fuckboy-Liste eingetragen.

Danach hatten wir eine Weile keinen Kontakt. Collins schrieb ab und zu, meistens kurze Nachrichten mit vielen Auberginen- und Aprikosen-Emojis, auf die ich meistens mit einem Gürkli oder Fröschli antwortete, um seinen Fruchtsalat ein bisschen anzureichern. Manchmal ergaben sich daraus lustige Dialoge, und dann fand ich ihn für einen Augenblick recht okay, aber doch nie so, dass ich gesagt hätte:

«Geniesse den Augenblick, denn der Augenblick ist dein Leben.»

Collins.

Jedenfalls fand er eine Freundin, seine Nachrichten blieben weg, was sehr in Ordnung war. Nach einem Jahr hatte wohl auch die Freundin genug von den nachdenklichen Sprüchen mit Auberginen-Garnitur und gab ihm den Schuh.

Ich kürze jetzt ein wenig ab. Wir trafen uns also wieder und sprachen über unser erstes feuchtes Club-Date, und Collins sagte mit glänzenden Augen und geschwellter Brust: «Ich vergesse nie, wie du gespritzt hast, als du gekommen bist.» Und ich so: «Äh, nei, ich bin gar nicht gekommen, und ich squirte auch nicht.» Er so: «Oh, doch! Ich weiss, dass du einen Orgasmus hattest!» Ich so: «Oh, nein! Es war heiss, ich war feucht, der Rest, in your dreams, Darling!» Und so weiter, und so fort.

Wir beharrten beide weiter auf unseren Meinungen. Ich hörte Collins zu, wie er die Welt erklärte, ein Mansplainer wie aus dem Bilderbuch. Heimlich sendete ich ein paar Tonaufnahmen seiner Ergüsse in unseren WG-Chat, dann lehnte ich mich zurück und genoss seine absurde One-Man-Show. Denn:

«Sprächen die Menschen nur von Dingen, von denen sie etwas verstehen, die Stille wäre unerträglich.»

Ella.

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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