Prügelstrafe: «Ich weiss, dass ich gesündigt habe»
Aktualisiert

Prügelstrafe«Ich weiss, dass ich gesündigt habe»

Drei Frauen in Malaysia hatten vorehelichen Sex und wurden schwanger. Dafür züchtigte sie der Arm des Gesetzes mit einem Rohrstock. Zudem erhielten sie Haftstrafen aufgebrummt. Angeblich empfanden sie die Pein aber nicht als Strafe, sondern als Gelegenheit, Busse zu tun.

von
Julia Zappei
AP
Die drei mit Prügelstrafe belegten Frauen (mit dem Rücken zur Kamera) sprechen zu Medienvertreterinnen, 18. Februar 2010.

Die drei mit Prügelstrafe belegten Frauen (mit dem Rücken zur Kamera) sprechen zu Medienvertreterinnen, 18. Februar 2010.

«Ich weiss, dass ich gesündigt habe und bestraft werden muss.» Mit diesen Worten zitierte die malaysische Zeitung «The Star» am Freitag eine der ersten drei Frauen im Land, an denen am Dienstag vergangener Woche die Prügelstrafe vollstreckt wurde. Der Grund: Sie hatten vorehelichen Sex und wurden schwanger. Die Frauen im Alter von 17 bis 25 Jahren hätten sich schuldig gefühlt und selbst den Behörden gestellt, schrieben «The Star» und die «New Straits Times» am Dienstag vergangener Woche.

«Merkwürdigerweise habe ich die Stockhiebe nicht als Strafe empfunden. Sie waren für mich vielmehr eine Gelegenheit, Busse zu tun und auf den rechten Weg zurückzukehren», wurde die 17-Jährige zitiert. Sie hatte eine Frühgeburt erlitten, das Kind starb. Derzeit verbüsst sie eine sechsmonatige Haftstrafe. Ihren Freund hat sie inzwischen geheiratet, auch er erhielt Stockhiebe und eine Gefängnisstrafe. Die anderen beiden Frauen wollen den jeweiligen Vater ihres Kindes nach ihrer Haftentlassung heiraten.

Bei einer Pressekonferenz vor regierungsnahen Medien im Frauengefängnis am Rand der Hauptstadt Kuala Lumpur appellierten die drei an ihre Mitbürger, nicht denselben Fehler zu machen und vor der Ehe enthaltsam zu leben. Ob sich die Frauen freiwillig äusserten, blieb zunächst unklar.

Die Gefängnisbehörden hatten die jungen Frauen am 9. Februar mit dem Rohrstock gezüchtigt, nachdem ein islamisches Scharia-Gericht die Strafe verhängt hatte. Menschenrechtsorganisationen reagierten empört. Die Strafe sei erniedrigend und diskriminiere Musliminnen, denn das malaysische Zivilstrafrecht, das für Nicht-Muslime gilt, verbiete die Prügelstrafe für Frauen. Ausserdem wurden Befürchtungen laut, dass konservative Islamisten, die für eine harte Bestrafung eintreten, im Land an Einfluss gewinnen.

Regierung verteidigt Form der Bestrafung

Der stellvertretende Ministerpräsident Muhyiddin Yassin verteidigte die Prügelstrafe am Freitag. Sie sei «wesentlich milder», als manche dächten, sagte er. Ausserdem entspreche sie den Rechtsnormen, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Bernama. Die Frauen waren bei ihrer Bestrafung vollständig bekleidet und sassen auf einem Hocker. Sie erhielten vier bis sechs Hiebe mit einem dünnen Rattanstock. Die Prügelstrafe für Männer ist in Malaysia für Verbrechen wie Vergewaltigung, Drogenschmuggel und illegalen Aufenthalts im Land weit verbreitet. Sie wird mit einem dicken Rattanstock auf das nackte Gesäss vollstreckt.

Im vergangenen Jahr wurde gegen ein malaysisches Model wegen Biertrinkens die Prügelstrafe verhängt. Kartika Sari Dewi Shukarno wäre die erste Frau in Malaysia gewesen, bei der die Prügelstrafe angewendet worden wäre. Nachdem der Fall international Aufsehen erregt hatte, wurde die Vollstreckung der Strafe jedoch auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

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