12.06.2018 14:17

Abfallberge «Ich weiss nicht, ob ich noch im See baden will»

Taucher haben am Sonntag tonnenweise Abfall aus dem Zürichsee gefischt. Besonders auffällig: Viele Stühle vom Sechseläutenplatz und Leihvelos landeten im Wasser.

von
som
1 / 12
Viele Stühle vom Sechseläutenplatz ...

Viele Stühle vom Sechseläutenplatz ...

Leser-Reporter
... und Leihvelos fischten Taucher am 10. Juni aus dem Zürichsee.

... und Leihvelos fischten Taucher am 10. Juni aus dem Zürichsee.

Gabor Szoboszlai/SEA SHEPHERD SWITZERLAND
Einige Stühle lagen schon länger auf Grund.

Einige Stühle lagen schon länger auf Grund.

Gabor Szoboszlai/SEA SHEPHERD SWITZERLAND

Drei Tonnen: So viel wiegt der Güsel, den Taucher am Sonntag während fünf Stunden aus dem Zürichsee fischten. Auf dem Grund zwischen dem Bellevue und der Badi Utoquai lagen Handys, Ausweise, Take-away-Verpackungen, Flaschen und Elektroschrott. «Man findet fast alles», sagt Claudia Eisenlohr.

Die Mitinhaberin der Zürcher Tauchschule und des Shops Scuba Viva organisiert den Clean-up-Day mit ihrem Mann schon seit über 20 Jahren: «Der Abfall hat hat in dieser Zeit enorm zugenommen, extrem ist das vor allem beim Plastikgeschirr.»

Stühle vom Sechseläutenplatz und Leihvelos

Etwas war dieses Jahr besonders auffällig: «Wir haben über 20 O-Bikes oder Limebikes aus dem Wasser gefischt.» Sie glaubt, dass die Leute diese Leihvelos aus Protest in den See warfen. Keine Erklärung hat sie jedoch dafür, warum etwa 16 Stühle vom Sechseläutenplatz auf Grund lagen – teilweise waren sie aneinandergekettet: «Um die Stühle in den See zu schmeissen, muss man sie sogar über die Strasse tragen. Ich verstehe nicht, warum da niemand etwas sagt.»

«Stadt unterstützt uns zu wenig»

Sandra Rossmann, die dieses Jahr zum ersten Mal beim Anlass mitgeholfen hat, ist schockiert: «Es ist eklig, was alles im See liegt. Ich weiss nicht, ob ich dort noch baden will.»

Eisenlohr taucht hingegen nach wie vor häufig im See. Trotzdem findet sie es inakzeptabel, was in der «sauberen Schweiz» alles im Wasser landet: «Gerade in Zürich unternimmt die Stadt viel zu wenig und unterstützt uns kaum.» So arbeiten gegen 100 Leute unentgeltlich für den Clean-up-Day und Scuba Viva zahlt 1000 Franken für die Verpflegung aus eigener Tasche, so Eisenlohr: «Die Stadt verlangt sogar eine Bewilligungsgebühr für den Anlass von 80 Franken.»

Stadt sieht das anders

Beim Stadtzürcher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement heisst es auf Anfrage, dass die Reinigungseinsätze privater Tauchschulen eine geschätzte Unterstützung sind zu den Reinigungen, die die Wasserschutzpolizei, ERZ und freiwillige Taucher der Stadt zweimal jährlich am Seeufer, in der Limmat und im Schanzengraben durchführen.

Sprecher Mike Sgier: «Wir unterstützen die Tauchschulen, indem wir gratis die Entsorgungsmulden stellen und den gesammelten Abfall fachgerecht entsorgen und recyceln.» Die Bewilligungsgebühr von 80 Franken werde von der Verwaltungspolizei bei jedem Anlass erhoben.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.