Transfer-Guru Fabrizio Romano im Interview: «Ich werde alle meine Energie in einen möglichen Messi-Transfer stecken»
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Transfer-Guru Fabrizio Romano im Interview«Ich werde alle meine Energie in einen möglichen Messi-Transfer stecken»

Der 27-jährige italienische Journalist Fabrizio Romano ist der Transfer-Guru in den sozialen Medien. Im Interview spricht er über seine Arbeit und welche Schweizer Nati-Stars bald den Club wechseln könnten.

von
Tobias Wedermann
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Fabrizio Romano gehört zu den bekanntesten Transferexperten der Welt. 

Fabrizio Romano gehört zu den bekanntesten Transferexperten der Welt.

Bei Transfers wie Havertz zu Chelsea oder Bruno Fernandes zu ManUtd, war er der Erste, der darüber berichtet hat. 

Bei Transfers wie Havertz zu Chelsea oder Bruno Fernandes zu ManUtd, war er der Erste, der darüber berichtet hat.

Sein Schweizer Lieblingsspieler: Remo Freuler. «Ich liebe ihn! Er gehört zu den besten Mittelfeldspielern der italienischen Liga.» 

Sein Schweizer Lieblingsspieler: Remo Freuler. «Ich liebe ihn! Er gehört zu den besten Mittelfeldspielern der italienischen Liga.»

Darum gehts

  • Journalist Fabrizio Romano kümmert sich ausschliesslich um Fussballtransfers. Für ihn der Traumjob.

  • Bei David Alaba ist er sich sicher, dass er zu Real Madrid geht. Bei Messi ist noch alles offen.

  • Romano hält es für möglich, dass Xhaka Arsenal im Sommer verlässt.

Fabrizio, du bist die Nummer Eins Transferquelle auf Social Media und hast auf Twitter und Instagram total vier Millionen Follower. Was ist dein Erfolgsrezept?

Mein Job ist mein Leben und ich lebe nur für Transfers. Ich vermelde nur Neuigkeiten, die ich auch zu 100 Prozent bestätigt habe und verbreite keine verrückten Gerüchte. Die Fussballfans schätzen das und ich bin sehr glücklich über den Stellenwert, den ich bei den Fans habe.

Wie kommst du an deine Informationen?

In erster Linie über die Agenten und die Spieler selber. Hier geht es um gute Beziehungen, Vertrauen und respektvollen Umgang mit Informationen.

Wir führen dieses Interview um 4 Uhr morgens. Wieso?

Während eines Transferfenster arbeite ich rund um die Uhr, damit ich nichts verpasse und erreichbar bin. Ich schlafe täglich von 5 Uhr morgens bis maximal 10 Uhr. Daher sprechen wir um diese verrückte Uhrzeit.

Ein Privatleben hast du also nicht?

Nein, schon gar nicht während einem Transferfenster. Aber ich habe das Glück meinen Traumjob zu haben. Ich rede den ganzen Tag nur über Fussball und ich spüre die tägliche Zuneigung der Fans.

«ManUtd konnte für Jadon Sancho nur 100 Millionen Euro zahlen.»

Wie hat Corona deine Arbeit und das Transfergeschäft verändert?

Corona hat alles verändert. Die Clubs haben grosse Probleme mit ihrer Bilanz. Sie können nur Spieler kaufen, wenn sie auch welche verkaufen können oder arbeiten mit Tausch- und Leihgeschäften. Im Sommer kamen grosse Transfers wegen Corona nicht zustande. ManUtd wollte Jadon Sancho unbedingt von Borussia Dortmund holen. 100 Millionen Euro hätten sie gezahlt – aber nur wegen der Pandemie, konnten sie die restlichen 20 Millionen nicht zahlen, die Dortmund verlangt hat.

Sprechen wir über Transfers. Welcher grosse Name könnte noch in diesem Winter wechseln?

Der englische Nationalspieler Dele Alli ist sicher ein heisser Kandidat. Ein grossartiger Spieler, er ist nicht glücklich bei Tottenham und will mehr Spielzeit. Wer einen Wechsel aber schwierig gestalten könnte, ist der Besitzer von Tottenham. Daniel Levy ist ein knallharter Verhandlungspartner.

Mit Messi, Alaba, Sergio Ramos, Aguero, Donnarumma oder Wijnaldum gibt es gleich mehrere Top-Stars, die ihre Clubs ablösefrei verlassen könnten im Sommer. Was glaubst du, was passieren wird?

Gianluigi Donnarumma wird aus meiner Sicht bei der AC Milan bleiben. Bei den restlichen Spielern ist es nicht so einfach: Während der Pandemiezeit sind ablösefreie Topspieler natürlich besonders interessant für die Vereine. Alaba wird die Bayern in Richtung Real Madrid verlassen gemäss meinen Informationen. Messi hat sich noch nicht entschieden, will die Wahl des neuen Präsidenten, dessen Pläne und einen möglichen Trainerwechsel erst abwarten.

«Bei Granit Xhaka ist es aus meiner Sicht möglich, dass er Arsenal im Sommer verlässt.»

Wie sieht es mit Schweizer Spielern aus?

Ich liebe Remo Freuler von Atalanta Bergamo. Ein sehr unterbewerteter Spieler. Freuler ist fantastisch und einer der besten Mittelfeldspieler, die wir in Italien haben. Sein Name wird sicher früher oder später auf dem Markt gehandelt. Ob es im Sommer schon zu einem Wechsel kommt, werden wir sehen.

Bei Shaqiri wird auch immer wieder über einen Wechsel spekuliert.

Es ist ein guter Ersatzspieler für Liverpool. Natürlich gibt es andere Optionen für ihn, falls er mit dieser Rolle nicht glücklich ist. Auch bei Granit Xhaka ist es aus meiner Sicht möglich, dass er Arsenal im Sommer verlässt.

Die Schweiz hat aber auch vielversprechende Talente.

Ja, ich würde auf jeden Fall die Entwicklung von Becir Omeragic beim FC Zürich verfolgen. Er ist jung, ein grosses Talent und ich weiss, dass ihn mehrere Clubs auf dem Radar haben. So hat ihn etwa die AC Milan gescoutet.

«Ein Messi-Transfer wäre historisch.»

Bei welchem Transfer wärst du gerne der erste Journalist, der die Meldung veröffentlicht?

Ein Messi-Transfer wäre historisch, da er noch nie für einen anderen Club gespielt hat. Daher klar Lionel Messi. Ich werde im Frühling meine ganze Energie investieren, um mich mit den Geschehnissen in Barcelona auseinandersetzen zu können.

Gibt es einen Transfer, den du fälschlicherweise als fix vermeldet hast?

Natürlich. Das Transfergeschäft ist verrückt. Im letzten Sommer habe ich beispielsweise vermeldet, dass Sead Kolašinac (inzwischen bei Schalke 04) zu Bayer Leverkusen wechselt. Sein damaliger Club Arsenal und Leverkusen waren sich einig – der Deal stand zu 100 Prozent. Doch dann änderte der Spieler kurzfristig seine Meinung. Fast immer haben solche kurzfristigen Änderungen einen privaten oder familiären Hintergrund.

Feierst du, wenn du einen grossen Transfer als erste Person vermeldest?

Ich sehe es nicht als Rennen. Aber wenn ich einen grossen Transfer vermelde und auch noch die erste Person bin, feiere ich schon mal mit meinen Freunden. Für mich ist das, als würde ich ein Tor in einem Champions-League-Spiel schiessen.

Verträge mit mehreren Medien

Der 27-jährige Italiener ist in Neapel geboren und lebt nun in Mailand. Roman verkündet die Transfers nicht nur auf seinen Social-Media-Kanälen, er besitzt ausserdem Verträge als Journalist mit dem Guardian in England, CBS Sports in den USA oder Sky Sport in Italien. (wed)

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