Aktualisiert 28.03.2014 16:15

Hublot-Chef Biver«Ich werde die erste iWatch kaufen»

Smartwatches seien in zehn Jahren unbrauchbar, mechanische Uhren für die Ewigkeit, findet Hublot-Chef Jean-Claude Biver. Trotzdem sieht er in intelligenten Uhren eine Chance für die Branche.

von
S. Spaeth

Herr Biver, wann werden Sie die erste Smartwatch in Ihrer Sammlung haben?

Jean-Claude Biver: Sobald mir ein Modell richtig gefällt. Ich kaufe Uhren mit den Augen, aber noch habe ich für die Smartwatches zu wenig Emotionen. Ich werde die erste iWatch kaufen und in meine Sammlung aufnehmen, denn ich vertraue Apple. Der Konzern wird es schaffen, eine sehr attraktive Uhr herzustellen.

Und Samsung vertrauen Sie nicht?

Doch schon, aber die heutige Samsung-Uhr ist einfach nicht genial. Ich bin daher eher der Apple-Fan. Apple wird auch bei den Uhren den richtigen Weg gehen. Der Konzern versucht mit Schweizer Partnern zusammenzuspannen und beispielsweise die Gehäuse in der Schweiz herzustellen.

Dann ist die Smartwatch eine Chance für die Schweizer Uhrenindustrie?

Auf jeden Fall ist es eine Chance, wobei weniger für eine Marke wie Hublot. Eine Smartwatch basiert auf einer Technologie, die in zehn Jahren überholt ist. Dann ist die Uhr unbrauchbar und taugt höchstens noch fürs Museum. Hublot will keine Uhren herstellen, die obsolet werden. Unsere mechanischen Uhren sind so konzipiert, dass sie sich auch in tausend Jahren noch reparieren lassen.

Bisher haben bei smarten Uhren Technologiekonzerne wie Samsung die Nase vorn. Darf man den Asiaten das Feld einfach so überlassen?

Schweizer Uhrenhersteller sind keine grossen Akteure im Bereich der digitalen Technologien. Man müsste das Know-how einkaufen und wäre damit immer ein Schritt zu spät. In der Schweizer Uhrenbranche ist man sich gewohnt, selbst kreativ zu sein. Es ist folglich richtig, dass sich die Schweizer Uhrenmarken nicht selbst in diesen Bereich wagen. Wichtig sind hingegen Partnerschaften.

Sie hätten eine Partnerschaft mit Apple eingehen können …

Ja, aber mit dem Namen Hublot wollte ich es nicht. Die Uhr hätte unserer Botschaft nicht entsprochen und wäre zu günstig geworden. Der Name Hublot hätte gelitten. Wir hätten eventuell eine neue Firma gründen sollen.

Und das wollte Apple nicht?

Nein. Ich habe damals einfach nicht daran gedacht. Zudem habe ich zu viel Freude an den mechanischen Uhren. Ich bin kein Digitaltechnologiefreak.

Wie wird sich der Uhrenmarkt verändern, wenn Apple die iWatch auf den Markt bringt?

Die Uhr wird eine Generation ansprechen, die keine oder nur selten Uhren trägt. Mit der iWatch werden die Jungen lernen, dass man die Zeit vom Handgelenk abliest. Die nächste Stufe nach einer Smartwatch ist eine mechanische Uhr – und wir wären die Profiteure.

Sie sind jetzt erstmals nicht nur als Hublot-Chef, sondern auch als Topmanager des Luxuskonzerns LVMH an der Uhrenmesse Baselworld. Wechseln Sie täglich die Uhren?

Die Uhr zu wechseln wäre ein Trick. Meine Glaubwürdigkeit in der Branche ist gross genug. Die Leute bei den Marken Zenith und Tag Heuer wissen, dass ich wie sie und nicht wie Hublot denke, wenn ich ihre Manufakturen besuche. Es hängt von meiner Haltung ab und nicht von der Uhr, die ich trage.

Zum LMVH-Konzern gehören mehrere Uhrenmarken. Sie sind also Konkurrenten.

Nein, weil wir nicht im selben Preissegment tätig sind. Bei Hublot liegt der Durchschnittspreis im Geschäft bei 25'000 Franken, bei Zenith sind es 9000 und bei TAG Heuer 3000 Franken. Schwierig wäre es, wenn die drei Marken dieselbe Botschaft hätten und damit dieselben Kunden ansprechen würden.

Wie wird das laufende Jahr für die Schweizer Uhrenindustrie?

Der Markt wird 3 bis 5 Prozent wachsen. Die Branche wird ein neues Rekordjahr feiern, weil es der Welt wieder etwas besser geht. Der zuletzt rückläufige chinesische Markt hat sich gefestigt, Japan hat sich erholt und den Schwellenländern geht es besser. Der einzige Wermutstropfen ist Russland. Ich denke aber nicht, dass wir in einen kalten Krieg zurückkommen. Die Lage wird sich entspannen.

Und wie wird es für Hublot?

Wir müssen den Markt schlagen. Ich will immer stärker wachsen als die Branche. Das gibt uns zwar Druck, doch ich brauche das. Druck ist eine Motivation. Es ist gefährlich, wenn sich der Mensch keine Ziele setzt.

Einer Ihrer neuen Markenbotschafter ist Chelsea-Trainer José Mourinho. Wie kam es zur Zusammenarbeit?

Mourinho liebt die Marke. Er hat mehrere Hublot-Uhren gekauft und sie ständig getragen. Wir haben uns gesagt, wenn der beste Fussballtrainer der Welt auf Hublot steht, möchten wir mit ihm zusammenspannen. Zudem endete unsere Partnerschaft mit Manchester United. Nun sind wir mit Chelsea, ohne richtig mit Chelsea zu sein. Das ist der Trick.

Was erwarten Sie jetzt von Mourinho?

Ich hoffe, dass sein Team in der Champions League nicht gegen Bayern München spielen muss, da wir auch Sponsor dieser Mannschaft sind. Käme es im Final oder Halbfinal trotzdem zu dieser Partie, wäre ich für die Bayern.

Leitmesse der Uhre- und Schmuckbranche

Gut eine Woche lang glitzert und tickt es wieder hochkarätig am Rheinknie. Die Baselworld läuft bis am 3. April und ist die weltweite Leitmesse für die Uhren- und Schmuckbranche. Es wird die Rekordzahl von über 150'000 Besucher erwartet. Insgesamt präsentieren rund 1460 Aussteller aus 40 Ländern auf 141'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ihre Prachtstücke. Bundesrat Ueli Maurer beehrte die Messe zur Eröffnung mit einem Besuch und lobte sie als super Werbung für's Land. (sas)

Gefragter Uhrenmanager

Jean-Claude Biver war von 2004 bis Ende 2011 CEO von Hublot und ist aktuell Verwaltungsratspräsident der Nobelmarke. Seit Frühling 2014 ist Biver zusätzlich einer der Topmanager des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH, in dessen Besitz sich auch Hublot befindet. Zu Bivers Sparte gehören neben Hublot die Uhrenmarken TAG Heuer und Zenith. Der 64-Jährige verbrachte die ersten zehn Jahre seines Lebens in Luxemburg. Vor seinem Engagement bei Hublot war der umtriebige Uhrenmanager viele Jahre für die Swatch Group tätig.

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