Sauber-Pilot Charles Leclerc: «Ich werde gegen Vettel definitiv all-in gehen»
Aktualisiert

Sauber-Pilot Charles Leclerc«Ich werde gegen Vettel definitiv all-in gehen»

Erfolgt der Wechsel zu früh? Sauber-Fahrer Charles Leclerc (20) fühlt sich bereit für Ferrari.

von
rha/als
1 / 6
Bereit für eine neue Herausforderung? Der erst 21-jährige Charles Leclerc wechselte auf diese Saison von Sauber zu Ferrari. Jetzt rüttelt er an Vettels Thron.

Bereit für eine neue Herausforderung? Der erst 21-jährige Charles Leclerc wechselte auf diese Saison von Sauber zu Ferrari. Jetzt rüttelt er an Vettels Thron.

EPA/Diego Azubel
Der Wechsel erschien womöglich etwas früh, aber keineswegs überraschend. 2016 wurde der Monegasse ins Förderprogramm von Ferrari aufgenommen und absolvierte Tests für die Scuderia.

Der Wechsel erschien womöglich etwas früh, aber keineswegs überraschend. 2016 wurde der Monegasse ins Förderprogramm von Ferrari aufgenommen und absolvierte Tests für die Scuderia.

Charles Leclerc sammelte 2018 39 WM-Punkte, der junge Monegasse hatte aber auch eine Schrecksekunde zu überstehen: In Spa donnerte Fernando Alonso über seinen Sauber.

Charles Leclerc sammelte 2018 39 WM-Punkte, der junge Monegasse hatte aber auch eine Schrecksekunde zu überstehen: In Spa donnerte Fernando Alonso über seinen Sauber.

AP/Geert Vanden Wijngaert

Charles Leclerc, nach nur einer Saison in der Formel 1 wechseln Sie von Sauber zu Ferrari. Der Unterschied könnte grösser kaum sein. Existieren Gedanken, dass dieser Sprung womöglich zu früh kommt?

Ganz ehrlich: Eine solche Chance bietet sich einem Rennfahrer nur einmal. Und so war meine Antwort eine logische: Ich will unbedingt für dieses Team fahren. Die Aussage, ob es zu früh ist oder nicht, möchte ich lieber nicht kommentieren. Ich werde so hart wie es nur geht arbeiten, und den Zweiflern zu beweisen, dass sie falschliegen.

Bislang haben Sie um Punkte gekämpft, 2019 werden von Ihnen Siege erwartet. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?

Dadurch ändert sich nichts. Es geht auch bei Ferrari darum: Mit dem Auto, das dir zur Verfügung gestellt wird, den bestmöglichen Job zu erledigen. Ich werde alles daransetzen, wie ich es auch bei Sauber gemacht habe. Aber es wird natürlich interessant sein, über ein Auto zu verfügen, das es mir erlaubt, um Spitzenplätze zu kämpfen. Eine Extraportion Motivation ist vorprogrammiert.

Sie sind gerade einmal 20 Jahre alt, wirken aber abgeklärt wie ein Routinier. Woher kommt dieses Selbstverständnis?

Etwas Spezielles steckt nicht dahinter. Ich fahre schon eine lange Zeit Rennen. Zudem zeichnete sich mein Fahrstil schon immer durch die vielen Gedanken, die ich mir während des Fahrens mache, aus. Das lässt mich nach dem Bestmöglichen streben.

Ihr Teamkollege heisst künftig nicht mehr Marcus Ericsson, sondern Sebastian Vettel. Freut man sich auf eine solche Challenge oder lässt einen der Gedanke daran erst einmal leer schlucken?

Nein, darüber bin ich ausserordentlich glücklich. Von einem solchen Champion zu lernen, stellt für mich eine unglaubliche Chance dar. So gesehen, kann ich es nicht abwarten, an der Seite von Seb zu arbeiten.

1 / 8
Er ist 2019 der zweite Stammfahrer bei Sauber: Antonio Giovinazzi, der aus dem Förderprogramm von Ferrari stammt.

Er ist 2019 der zweite Stammfahrer bei Sauber: Antonio Giovinazzi, der aus dem Förderprogramm von Ferrari stammt.

kein Anbieter/Diego Azubel/EPA
Der 24-jährige Italiener wird damit Teamkollege von Altmeister Kimi Räikkönen, der von Ferrari zu Sauber kommt und mit Charles Leclerc das Cockpit tauscht.

Der 24-jährige Italiener wird damit Teamkollege von Altmeister Kimi Räikkönen, der von Ferrari zu Sauber kommt und mit Charles Leclerc das Cockpit tauscht.

kein Anbieter/Vincent Thian/AP
Die Verpflichtung von Giovinazzi bedeutet, dass Marcus Ericsson keine Zukunft mehr hat als Stammfahrer bei Sauber. Der Schwede bleibt aber als Test- und Ersatzfahrer an Bord.

Die Verpflichtung von Giovinazzi bedeutet, dass Marcus Ericsson keine Zukunft mehr hat als Stammfahrer bei Sauber. Der Schwede bleibt aber als Test- und Ersatzfahrer an Bord.

kein Anbieter/Diego Azubel/EPA

Wie muss sich Sebastian Vettel Sie als Teamkollege vorstellen?

Teamkollegen sollten in meinen Augen in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Das empfinde ich als das Wichtigste. Klar, am Ende ist es ein Zusammenspiel aus dem Wettbewerb untereinander und der Zusammenarbeit, die nötig ist, um die Entwicklung des Autos voranzutreiben. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Kompromiss sehr bald finden werden.

Kimi Räikkönen hat sich abgefunden mit seiner Rolle als Nummer 2 bei Ferrari. Welche Rolle möchten Sie 2019 einnehmen? Und wäre es als jüngerer und unerfahrener Fahrer überhaupt angebracht, all-in zu gehen?

Wie ich bereits gesagt habe: Ich werde das Bestmögliche versuchen. Es gibt in jedem Team Regeln. Beispielsweise, wenn zu einem Zeitpunkt der Meisterschaft ein Fahrer um den WM-Titel kämpft und der andere nicht. Sollte ich es sein, der sich in der zweiten Position befindet, werde ich meinem Teamkollegen unterstützen. Aber zu Beginn der Saison werde ich definitiv all-in gehen.

Es gibt Leute, die in Ihnen einen künftigen Weltmeister sehen. Wie reagieren Sie auf solche Aussagen?

Es ist schön, wenn Menschen so über mich denken. Alles, was ich versuchen kann, ist schnell und viel zu lernen, um möglichst bald so kompetitiv wie möglich zu sein und die Leute auf diese Weise stolz zu machen.

Leclerc-Unfall aus Sicht der Onboard-Kamera

Video: Twitter/Formula 1

Schrecksekunde in Spa: Fernando Alonso fliegt über Leclercs Sauber hinweg. (Video: SRF/Tamedia)

Was nehmen Sie aus Ihrem Premierenjahr bei Sauber mit?

Uff, das lässt sich nicht in Worten ausdrücken. Ich durfte unfassbar viel lernen. Es war eine wunderbare Reise, für mich die perfekte Option. Sauber war das richtige Team, um meine Karriere in der Formel 1 zu lancieren. Davon bin ich überzeugt.

Obwohl Sie nur ein Jahr Teil des Teams waren: Wie viel Schweiz steckt in Ihnen?

Zwar bin ich oft in der Schweiz, in der Regel aber nur für irgendwelche Meetings. Es ist ein schöner Ort, aber die Sprache spreche ich nicht.

Was werden Sie vermissen?

Die Menschen bei Sauber ganz bestimmt. Sie sind ausgesprochen nett.

Deine Meinung