Elisabeth Vetsch nimmt Stellung – «Ich werde mein Covid-Zertifikat als Genesene gar nicht benutzen»
Publiziert

Elisabeth Vetsch nimmt Stellung «Ich werde mein Covid-Zertifikat als Genesene gar nicht benutzen»

Die Massnahmen-Kritikerin Elisabeth Vetsch lag mehrere Tage mit Covid-19 im Spital. Nach ihrer Entlassung ärgerte sie sich über die Medienberichterstattung. Was sie störte und warum, erzählt sie im Gespräch mit 20 Minuten.

von
Karin Leuthold
1 / 3
Elisabeth Vetsch erkrankte Ende November 2021 an Covid-19. Sie kam für fünf Tage ins Spital.

Elisabeth Vetsch erkrankte Ende November 2021 an Covid-19. Sie kam für fünf Tage ins Spital.

Screenshot Youtube/Kuriosum TV
Nach ihrer Entlassung nimmt die 76-Jährige Stellung: Sie sei nie schwer krank gewesen, sagt Vetsch. 

Nach ihrer Entlassung nimmt die 76-Jährige Stellung: Sie sei nie schwer krank gewesen, sagt Vetsch.

Screenshot Youtube/Kuriosum TV
Im Gespräch mit 20 Minuten schildert sie ihre Sicht der Geschehnisse. Und verrät, wie sich ihre Meinung in Bezug zur Pandemie geändert hat.

Im Gespräch mit 20 Minuten schildert sie ihre Sicht der Geschehnisse. Und verrät, wie sich ihre Meinung in Bezug zur Pandemie geändert hat.

Screenshot Youtube/Kuriosum TV

Darum gehts

  • Die Massnahmen-Kritikerin Elisabeth Vetsch (76) musste Ende November wegen des hohen Fiebers während ihrer Covid-19-Erkrankung ins Spital eingeliefert werden.

  • Die St. Gallerin ist dafür bekannt, dass sie an fast jede Corona-Demo geht.

  • Ihr Leben hat sich nach dem Spitalaufenthalt nicht gross verändert – auf die «Freiheit» ihres Covid-Zertifikats will sie verzichten.

  • Die Redaktion stellt faktenwidrige Behauptungen im Interview in einer Box (unten) richtig.

Elisabeth Vetsch ist wieder gesund und zuhause. Die Massnahmen-Kritikerin und ihr Ehemann Guido waren Ende November mit Covid-19 in ein Spital eingeliefert worden. Schlagzeilen machte vor einigen Tagen ihre Geschichte, weil sowohl Vetsch als auch ihr Mann sich entschieden hatten, auf Intensivpflege zu verzichten.

Kurz darauf richtete sich Elisabeth Vetsch via Social Media an die Medien die 76-Jährige ist mit der Berichterstattung über ihre Krankheit nicht erfreut. Mit 20 Minuten sprach sie jetzt darüber. Auch ihr neues Covid-Zertifikat als Genesene sowie ihre Einstellung zu den Corona-Massnahmen des Bundes waren Thema des Gesprächs.

Frau Vetsch, wie geht es Ihnen, sind Sie wieder voll genesen?

Mir geht es gut, danke. Ich bin immer noch ein bisschen müde, aber normalerweise ist man nach einer Grippe nicht voll einsatzfähig. Und in meinem Alter brauche ich wohl etwas länger zum Regenerieren.

Wie lange waren Sie im Spital?

Ich war fünf Tage im Spital, kam am 2. Dezember nach Hause. Mein Mann brauchte etwas länger, er wurde am 4. Dezember entlassen.

Da waren Sie also zum Zeitpunkt unseres Artikels bereits zuhause. Es tut mir leid, dass wir im Präsens über Ihren Spitalaufenthalt berichteten.

Als die ersten Meldungen veröffentlicht wurden, war ich noch im Spital und konnte mich gar nicht wehren. Die Art und Weise, wie darüber berichtet wurde, hat mich aufgeregt. Dass die Tatsache, dass ich im Spital liege, ausgeschlachtet wird, war mir schon klar. Gestört hat mich die Art und Weise, wie man die Nachricht vermarktet hat. Dabei hörte man auch ein bisschen Schadenfreude.

Glauben Sie denn aber nicht, dass man Sie zu Ihrem Schutz ins Spital brachte? Vor allem, damit Sie nach der Covid-19-Erkrankung keine Folgen davontragen?

Aha, man kann es auch so sehen, da haben Sie im Prinzip Recht. Es hat mich vor allem geärgert, dass in der Berichterstattung fälschlicherweise behauptet wurde, dass ich mit ernsthaften Gesundheitsproblemen im Spital gelegen sei. Das stimmt nicht. Oder, dass ich meinen Mann tagelang mit homöopathischen Mitteln behandelt hätte, nur weil man auf meinem Tisch einige dieser Mittel entdeckte. Das hatte aber mit Corona gar nichts zu tun. Auch, dass ich mich angeblich bei einer Corona-Demo angesteckt habe, das kann man nicht behaupten. Ich weiss doch nicht, wo ich mich angesteckt habe.

Was waren Ihre Gedanken, als Sie im Spitalbett lagen. Haben Sie gedacht «Hätte ich mich doch impfen lassen»?

Nie! Ich werde mich weiterhin nicht impfen lassen. Ich bin bis heute noch gegen die Massnahmen und gegen die Impfung und ich habe meine Meinung keinen Millimeter geändert. Ich bin immer noch der Meinung, dass jeder in Bezug auf die Impfung seine eigene Entscheidung treffen sollte.

Glauben Sie aber nicht, dass eine flächendeckende Impfung die Pandemie schneller beenden könnte?

Jetzt gibt man Ungeimpften die Schuld, die Pandemie zu verlängern. Aber… egal, das ist ein langes Thema. Es geht doch im Prinzip darum, dass man jedem die Entscheidung überlassen sollte, ob er sich impfen lassen will. Ich habe auch nichts gegen jene, die geimpft sind. Im Gegenteil: Wir müssen ja «zusammenleben». Heute fragt jeder den anderen, ob er geimpft sei. Das geht doch keinen etwas an, das ist Privatsache.

Beim Impfen geht es auch um Solidarität und um das Ziel, die Pandemie schneller zu beenden.

Wer sagt mir aber, dass ich mich nicht anstecken kann, wenn ich geimpft bin? Oder dass ich nicht ins Spital komme trotz Impfung? Wer kann mir das garantieren?

Geimpfte Menschen landen weniger oft im Spital. Damit würde man das Gesundheitssystem entlasten, das ohnehin schon am Anschlag ist.

Ob das so stimmt? Schauen Sie sich die Impfdurchbrüche an! Es sind nicht bloss Ungeimpfte, die auf den Stationen liegen!

Da muss man wohl der Wissenschaft trauen, dass das so ist. Wenn eine gewisse Impfquote erreicht ist, kann die Pandemie kontrolliert werden.

Das kann schon sein. Aber eben, wer sagt mir, dass das stimmt? Dass man unsere Spitäler totgespart hat, das wissen wir alle.

Das stimmt nicht so. Man hat über den Sommer die Anzahl Betten auf den Intensivstationen gekürzt, weil es die nicht gebraucht hat. Inzwischen hat man die Stationen wieder aufgebaut. Ein Problem ist jetzt eher, dass das Personal am Anschlag ist, viele sind selbst krank oder haben gekündigt.

Sie können nicht mehr ausbauen, weil sie kein Personal haben. Das ist mir schon klar. Man hätte aber Personal ausbilden können. Wobei dafür brauchts auch Zeit. Ich kann da aber auch nicht mehr sagen. Mir sagt nur der gesunde Menschenverstand, dass es nicht sein kann, dass man solche Massnahmen einführt für etwas, was man auch so in den Griff bekommen könnte. Mit den Massnahmen hat man noch viel mehr kaputt gemacht als ohne.

Ist unsere Gesundheit nicht wichtiger als Wirtschaft und Sozialleben?

Das ist eine Fangfrage! Was ist wichtiger, die Wirtschaft an die Wand zu fahren und die Gesellschaft zu spalten, alles im Namen der Gesundheit?

Sie selbst verzichten auf eine Behandlung in der Intensivstation. 20 Minuten berichtete danach generell über das Thema Patientenverfügung. Wieso trafen Sie diesen Entscheid?

Die Patientenverfügung besteht nicht wegen des Corona-Virus, die haben wir vor längerer Zeit gemacht. Auch mein Mann verzichtet auf Intensivpflege.

Sie unterstellen den Medien, eine Hexenjagd auf Corona-Skeptiker zu betreiben. Glauben Sie, dass es auch in der Skeptiker-Szene eine Hexenjagd auf die Medien gibt? Dass alles, worüber Medien berichten, gelogen sei?

Ich behaupte nicht, es sei alles gelogen. Denn wie soll ich denn alles nachprüfen? Da sagt oft mein gesunder Menschenverstand, dass an gewissen Schlagzeilen etwas nicht stimmt. Dass die Massenmedien gleichgeschaltet sind, ist schon mal klar.

Als Genesene gehören Sie nun zur 2G-Gruppe.

Tatsächlich! (lacht) Irgendwo liegt da bei mir ein Covid-Zertifikat herum. Aber das brauche ich gar nicht.

Sie werden also diese «neue Freiheit», die Sie haben, nicht geniessen?

Absolut nicht. Mein Mann könnte auch so ein Zertifikat bekommen, aber wir wollen das gar nicht, weil wir das System nicht unterstützen.

Würden Sie sich nicht auf einen Restaurantbesuch freuen?

Wir gehen nicht mehr in Restaurants. Wenn es ein Zertifikat braucht, gehe ich gar nicht erst hinein. Ganz einfach.

Inwiefern haben die Massnahmen Ihr Leben verändert?

Früher gingen wir schon ab und zu ins Restaurant. Jetzt bleiben wir zuhause und treffen uns so mit Kollegen daheim. Dazu brauchen wir keine Beiz.

Werden Sie weiterhin gegen die Massnahmen des Bundes demonstrieren gehen?

Sobald ich wieder fit bin, gehe ich auf jeden Fall wieder.

Anmerkung der Redaktion

Die Antworten im Interview entsprechen der persönlichen Meinung von Elisabeth Vetsch. Die deckt sich jedoch nicht immer mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft und den tatsächlichen Begebenheiten.

  • Covid-19 und die Grippe sind nicht miteinander vergleichbar. Die von Sars-CoV-2 ausgelöste Erkrankung ist gefährlicher und auch tödlicher als die Influenza, wie etwa eine Schweizer Studie zeigte. Auch die möglichen Folgen fallen unterschiedlich aus: Während sie bei der Grippe vor allem die Lunge betreffen, sind bei Covid-19 mehrere Organe betroffen. Die Folgen sind entsprechend vielfältiger, wie auch die zahlreichen Long-Covid-Fälle zeigen.

  • Dass Ungeimpfte mitunter als «Pandemieverlängerer» bezeichnet werden, gründet auf wissenschaftlichen Fakten: Ungeimpfte haben ein höheres Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren und es zu übertragen. Geimpfte können im Infektionsfall zwar eine ähnlich hohe Viruslast in sich tragen wie Ungeimpfte. Dafür bekämpfen sie das Virus schneller und sind dadurch weniger lang ansteckend.

  • Niemand kann garantieren, dass eine geimpfte Person nicht wegen Covid-19 ins Spital muss. Kein Impfstoff ist zu 100 Prozent wirksam. Allerdings sinkt das Risiko hospitalisiert zu werden durch die Impfungen deutlich. Das zeigt auch ein Blick auf die Daten aus Schweizer Spitälern.

  • Die Personalnot an Schweizer Spitälern ist real, vor allem auf den derzeit besonders beanspruchten Intensivstationen. Doch die Ausbildung von Personal braucht Zeit – die zum diplomierten Experten beziehungsweise zur diplomierten Expertin für Intensivpflege findet berufsbegleitend statt und dauert zwei Jahre.

  • Dass die Massnahmen schädlicher seien als das Virus selbst, ist eine Behauptung, die Fachleute nicht teilen. Expertinnen und Experten der Gesellschaft für Virologie lehnen eine Aufhebung der Massnahmen «entschieden ab.» Man sei überzeugt, «dass die Schäden, die uns im Falle einer unkontrollierten Durchseuchung unmittelbar, aber auch mittelbar drohen, diese Belastungen um ein Vielfaches überträfen und in eine humanitäre und wirtschaftliche Katastrophe münden können.» (siehe Faktencheck-Ticker vom 10.12.2021)

  • Auch der Unterstellung, die Massenmedien seien gleichgeschaltet, muss widersprochen werden. Sie agieren selbständig. Dass viele grosse Medien ähnlich über die Pandemie schreiben, ist darauf zurückzuführen, dass sie sich in der Berichterstattung auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen. (20 Minuten)

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

548 Kommentare