Raphael Wicky: «Ich werde meine Art und Weise nicht ändern»
Aktualisiert

Raphael Wicky«Ich werde meine Art und Weise nicht ändern»

Der FCB verliert in der Liga erstmals seit 1997 zwei Heimspiele in Serie. Trainer Raphael Wicky beklagt fehlende Klarheit und Formtiefs bei einigen Spielern.

von
E. Tedesco
Basel

FCB-Trainer Raphael Wicky regt sich über den neuerlichen Tiefschlag auf, äussert sich aber auch kämpferisch. (Video: 20 Minuten)

Ein YB-Sieg am Sonntag gegen Thun käme fast einer Vorentscheidung im Titelrennen gleich. Der Vorsprung auf den FCB würde nach 22 Runden auf acht Punkte anwachsen. Die Basler könnten nicht mehr aus eigener Kraft Meister werden. Ans Aufgeben denkt FCB-Trainer Raphael Wicky aber noch lange nicht.

Raphael Wicky, wie erklären Sie sich dieses 0:2 zu Hause gegen ein St. Gallen, das nach zwei Niederlagen nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzte?

Es ist eine unerklärliche Geschichte. Wir haben eigentlich genügend klare Chancen gehabt, unser Spiel aber nicht so aufgezogen, wie wir uns das vorgenommen hatten. Wir haben nicht die Klarheit gefunden, die wir noch im Herbst hatten. Es war wie verhext. Das Ergebnis ist sehr enttäuschend. Wir hatten gegen Lugano und St. Gallen sechs Punkte budgetiert – jetzt sind es null Punkte. Zwei Heimspiele zu verlieren, ist nicht unser Anspruch. Das ist unbefriedigend.

Was verstehen Sie unter Klarheit?

Dass wir, wenn wir den Ball haben, die Spieleröffnung machen und versuchen, den Ball in die gegnerische Hälfte zu bringen, ein klares Passspiel haben und eine klare Raumaufteilung da ist. Das war gegen St. Gallen zum Teil der Fall, und wir würden wahrscheinlich mit einem anderen Resultat dastehen, wenn wir den Penalty verwandeln. Aber es ist noch nicht die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit da, sich nach vorne zu kombinieren, wie wir das im Spätherbst hatten.

Sie haben gehofft, den Schwung aus dem Herbst mitnehmen zu können. Das ist definitiv nicht der Fall. Wie kann das sein?

Wir haben gehofft, den Schwung nach der Winterpause mitnehmen zu können. Jetzt muss jeder selbstkritisch sein. Staff und Spieler. Aber wir werden versuchen, intern ruhig zu bleiben. Es gibt Spieler, die nicht in Bestform sind, aber wir müssen uns rauskämpfen aus dem Loch.

Das allein ist aber noch kein Grund bei einem 25-Mann-Kader.

Es ist auch für mich schwierig, das zu erklären, ohne irgendwelche Alibis zu liefern und ohne Ausreden zu suchen. Wir hatten ein paar kleine Wechsel in der Winterpause, aber ich will jetzt nicht sagen, dass das nur wegen den Neuen so ist. Fakt ist, dass wir noch nicht die Selbstverständlichkeit haben und ein, zwei Spieler nicht in der Form vom Herbst sind. Es geht nicht darum, Gründe zu suchen, sondern hart weiterzuarbeiten, sich selbst zu hinterfragen, sich tagtäglich zu verbessern und so schnell wie möglich wieder ein Erfolgserlebnis zu schaffen.

Positive Resultate kann man nicht herzaubern. Wie gehen Sie gegen den negativen Trend an?

Ich habe meine Art und Weise, wie ich bin, wie ich arbeite, und das werde ich auch nicht ändern. Ich werde jetzt sicher nicht in die Kabine laufen und jeden Spieler anbrüllen. Wir werden das mit den Spielern analysieren und versuchen, ihnen Vertrauen zuzusprechen.

Sie haben die Niederlage gegen Lugano als schmerzhaft empfunden. Schmerzt diese nächste Pleite doppelt?

Die Niederlage gegen St. Gallen tut extrem weh, weil sie unnötig ist. Weil wir alles in den eigenen Händen hatten, dieses Spiel klar für uns zu entscheiden. Und, weil wir unsere Ziele, die wir uns vorgenommen hatten, in den ersten drei Spielen nicht erreicht haben. Wir wollten natürlich näher dran sein an YB und nicht weiter weg.

Wenn YB am Sonntag gewinnt, kann der FCB den Titel nicht mehr aus eigener Kraft erfolgreich verteidigen. Das ist Rotblau seit Jahren nicht passiert. War das bereits eine Vorentscheidung?

Wir werden weiterkämpfen, wir werden aufstehen und nicht aufgeben. Die Saison ist noch lang. Es bringt nichts, so weit nach vorne zu schauen. Wir müssen unser nächstes Spiel gewinnen, alles andere können wir nicht beeinflussen.

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