Aktualisiert 19.10.2012 12:57

ÖV-Hasser von Kilchberg«Ich werde mich an den SBB rächen»

Ein 70-Jähriger hat der SBB unverhohlen mit der Neuauflage des Leibacher-Attentats gedroht. Dem Strafprozess blieb er unentschuldigt fern.

von
Attila Szenogrady
Ein knapp 70-jähriger Rentner aus Kilchberg hat der SBB mit der Neuauflage des Leibacher-Attentats gedroht. Dem Strafprozess am 18. Oktober blieb er jedoch unentschuldigt fern.

Ein knapp 70-jähriger Rentner aus Kilchberg hat der SBB mit der Neuauflage des Leibacher-Attentats gedroht. Dem Strafprozess am 18. Oktober blieb er jedoch unentschuldigt fern.

Handelt es sich beim beschuldigten Rentner aus Kilchberg bloss um einen harmlosen Kauz oder um einen unberechenbaren Eisenbahn-Hasser, der als gefährliche Zeitbombe zu schlimmen Taten fähig ist? Diese zentrale Fragte stellte sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zürich, das vergeblich auf den vorgeladenen Senior wartete.

Nein, das ist keine Modell-Eisenbahn

Der zur Anklage erhobene Strafbefehl gab jedenfalls wenig Anlass zur Beruhigung. Fest steht, dass der Kilchberger Senior am 11. Juni 2011 kurz nach Mitternacht mit seinem Handy die Transportpolizei der SBB in Olten anrief. Dabei führte er gegenüber einem Beamten aus, dass er sich weitere Durchsuchungen nicht mehr bieten lasse. Er werde sich jetzt an den SBB rächen, fuhr er fort. An jeder ihrer Dreckspersonen, wobei man an ihm bald einen zweiten Leibacher hätte. Dann legte der SBB-Hasser auf.

SBB-Beamtin als «Hure und Saunutte» beschimpft

Über zehn Stunden später rief der Kilchberger Senior erneut die SBB an. Diesmal nahm eine Angestellte den Hörer ab. Sie versuchte, den aufgebrachten Anrufer zu beruhigen. Mit wenig Erfolg. So beschimpfte er die SBB-Beamtin als «Saunutte, Hure und Sauhure». Fest steht, dass die Bahnpolizei die Drohungen ernst nahm und umfassende Untersuchungen einleitete. Sie konnte aufgrund einer Natel-Ortung den unangenehmen Zeitgenossen schon bald ausfindig machen. Er wurde fünf Tage nach den Drohungen von der Polizei festgenommen.

Im letzten August war der Fall für die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl klar. Sie sprach den Eisenbahn-Hasser wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte schuldig. Für die Entgleisung setzte die Anklage eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 30 Franken fest. Zudem sollte der Senior die Kosten von 900 Franken tragen. Ein Urteil, das der Senior anfocht und damit einen Strafprozess vor Gericht erzwang.

Da er aber nun ohne ausreichende Begründung fernblieb, ist der Schuldspruch kaum mehr abwendbar. Damit würde der Strafbefehl in Rechtskraft erwachsen. Der zuständige Einzelrichter führte aus, dass er eine allfällige Dispensation des Beschuldigten noch abklären werde. Da der Senior die Verhandlung unentschuldigt geschwänzt hatte, blieb dennoch ein mulmiges Gefühl zurück.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.