18.01.2017 04:45

Mimiks rappt im Camp

«Ich will Alltagstrott der Flüchtlinge aufbrechen»

Der Rapper Mimiks besuchte ein Flüchtlingscamp in Griechenland. Er wolle den Bewohnern etwas Spass in den eintönigen Alltag bringen, sagt der Luzerner.

von
Martin Fischer

Mimiks (24) steht in einer kühl ausgeleuchteten Lagerhalle und schwenkt seine Handykamera einmal im Kreis um sich herum. Zu sehen sind Menschen, die rumstehen und eine Handvoll Plastikzelte. «Hinter mir wird gerade eine Bühne aufgestellt», sagt er in die Kamera, «hier wird heute Abend eine kleine Party steigen.»

Aufgenommen hat der Luzerner Nummer-eins-Rapper das Video in Frakapor in Griechenland, etwas ausserhalb der Hafenstadt Thessaloniki. Dort befindet sich seit Sommer 2016 ein Camp für Flüchtlinge. Rund 300 Menschen, mehrheitlich aus Syrien, haben dort zurzeit temporär Unterschlupf gefunden, erzählt Mimiks.

«Es herrscht ein grauer Flüchtlingscampalltag»

Die angekündigte kleine Party bedeutet: Ein Konzert für die Flüchtlinge. Mimiks will den Menschen im Camp etwas Auflockerung und Unterhaltung bringen. «Es herrscht ein grauer Flüchtlingscampalltag hier.»

Die Bewohner würden hier vor allem eines tun: warten. Auf den Bescheid, in welches Land sie weiterreisen dürfen. «Was wir in einem kleinen Rahmen bewirken können: Diese Routine und den Alltagstrott zu durchbrechen, wenn auch nur für einen Abend», sagt Mimiks gegenüber 20 Minuten.

Die Videoaufnahmen vom Konzert am Abend zeigen: Vorhaben erfüllt. Ein paar Dutzend Menschen haben sich vor der Bühne versammelt, sie werfen die Hände in die Luft, tanzen, filmen mit ihren Handys. Ein Bewohner des Camps legt sogar noch eine Breakdance-Einlage hin, während Mimiks Berufskollege Knackeboul, der ebenfalls mitgereist ist, auf der Bühne beatboxt.

Drei Tage verbrachte Mimiks im Camp. Wie ist er überhaupt dazu gekommen, für ein Konzert nach Griechenland zu reisen? Er interessiere sich schon lange für das Thema Flüchtlinge in Europa.

«Meine Einstellung ist: Es ist besser, wenn man sich selber ein Bild macht, wenigstens ansatzweise. Damit man nachher weiss, worüber man spricht.»

Auf seinen Social-Media-Profilen hat er seine Erlebnisse festgehalten und auch auf die Hilfsorganisation verlinkt, die vor Ort ist. Er wolle andere motivieren, auch aktiv zu werden. «Wer helfen will, kann sich bei Swisscross melden.» Seine Freundin, Fitnessmodel Anja Zeidler (23), kommentiert eines von Mimiks Instagram-Bildern: «Ich bin stolz!»

Im Video sehen Sie einige Eindrücke aus dem Camp. Mimiks unterhält sich etwa mit einem Jungen namens Hassan, dessen Mutter und Schwester bereits in Zürich sind. Wann er sie wiedersehen werde, fragt Mimiks. «Ich weiss es nicht», sagt Hassan. Da verschlägt es auch dem High-Speed-Rapper für einen Moment die Sprache.

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