Ölpest: «Ich will, dass BP dafür bezahlt»
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Ölpest«Ich will, dass BP dafür bezahlt»

Obama kocht vor Zorn: Der US-Präsident stellte im Krisengebiet fest, dass die Ölfirma BP Milliarden Dollar für ihr ramponiertes Image und für Aktionäre ausgibt, bei den geschädigten Fischern aber geizen könnte.

US-Präsident Barack Obama hat vor zu grossen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Ölpest im Golf von Mexiko gewarnt. Der Ölkonzern BP habe zwar am Freitag Fortschritte gemacht, einen Auffangbehälter über der sprudelnden Ölquelle in 1500 Meter Tiefe zu platzieren, sagte er am Freitag in New Orleans (Louisiana).

Auch werde mittlerweile Öl in ein Schiff an der Meeresoberfläche geleitet. Aber «es ist viel zu früh, um optimistisch zu sein». Die Menschen in der Region hätten Angst, vielleicht noch Jahre mit den Folgen der Katastrophe kämpfen zu müssen, sagte der Präsident.

Lebendig begraben im Öl

Obama reiste zum dritten Mal in das Krisengebiet, zuletzt war er am Freitag vor einer Woche dort. Er traf sich mit seinem Einsatzleiter Thad Allen sowie mit Lokalpolitikern und Fischern.

«Moralische und rechtliche Verpflichtung»

Obama warnte den BP-Konzern davor, die Geschädigten der Ölkatastrophe finanziell im Stich zu lassen. «Sie sollen wissen, dass sie hier am Golf moralische und rechtliche Verpflichtungen haben», sagte ein sichtlich verärgerter Obama am Freitag in Kenner in der Nähe von New Orleans an den Ölkonzern gerichtet.

«Es gibt Informationen, wonach BP 10,5 Milliarden - ich wiederhole: Milliarden - an Dividende ausschütten wird», sagte der US-Präsident.

Er habe kein Problem damit, wenn der Konzern seinen Verpflichtungen gegenüber seinen Aktionären nachkomme, aber er wolle nicht, dass sich BP gegenüber den von der Ölpest geschädigten Fischern und Kleinunternehmern als geizig erweise.

Er wolle nicht, dass jemand anderes die Kosten für die Risiken übernehme, die BP eingegangen sei, erklärte Obama. «Ich will sicherstellen, dass sie dafür bezahlen.» BP erklärte am Freitag, es werde eine zweite Runde von Zahlungen an Bewohner und Geschäftsleute an der Golfküste vorbereitet, die wegen der Ölpest Verluste erlitten hätten. Wenn das Geld ausgezahlt sei, seien insgesamt rund 84 Millionen Dollar an die Menschen in Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida gegangen.

Der US-Präsident verwies ferner darauf, dass BP bereits 50 Millionen Dollar für TV-Spots ausgegeben habe, um sein Ansehen zu retten.

Obama steht wegen er Krise selbst immer mehr unter Druck: Um im eigenen Land präsent zu sein, sagte er seine Asienreise ab. Er wollte im Juni nach Indonesien und Australien fliegen. Zusätzlich will er Donnerstag die Familien der elf Arbeiter, die bei dem Untergang der Bohrinsel «Deepwater Horizon» vor mehr als sechs Wochen getötet wurden, im Weissen Haus empfangen.

Täglich strömen 3400 Tonnen Öl ins Meer

Nach Angaben des Einsatzleiters der US-Regierung, Thad Allen, könnte es Tage dauern, bis sich herausstellt, ob die Operation «Top Cap» die schlimmste Ölpest in der US-Geschichte zumindest eindämmen kann.

Er sagte, der Behälter fange zunächst knapp 160 Tonnen pro Tag auf. Das wäre nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich ausströmt. Forscher der US-Geologiebehörde schätzen, dass jeden Tag bis zu 3400 Tonnen Öl ins Meerwasser fliessen.

Die Ölpest im Golf von Mexiko verdreckt seit Freitag auch Touristenstrände Floridas. Erste Teerklumpen seien am beliebten Badeort Pensacola an Land geschwemmt, sagte Bürgermeister Mike Wiggins.

Ausserdem habe sich ein Ölfilm der Küste bis auf wenige Kilometer genähert. Allen sagte, dass die Helfer eine «riesengrosse» Fläche von Öl reinigen müssten, die sich von Louisiana bis Pensacola erstrecke.

(sda/dapd)

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