Aktualisiert 04.06.2015 11:44

Streithähne

«Ich will, dass der Güggel verboten wird»

Ein krähender Hahn beschäftigt im Thurgau die Polizei, den Gemeinderat, den Friedensrichter, die Staatsanwaltschaft und nun das Gericht.

Das Bezirksgericht in Weinfelden.

Das Bezirksgericht in Weinfelden.

Posse um zwei Streithähne vor dem Bezirksgericht Weinfelden: Ein Pensionär nervt sich ab dem krähenden Hahn des Nachbarn. Der Rentner beschwert sich, dass der Güggel nicht nur am Morgen früh kräht, sondern auch tagsüber. «Ich bin ein älterer Herr und mache auch mal einen Mittagsschlaf», brachte der Pensionär vor Gericht vor. Der Hühnerhalter hält dagegen: «Zu einer Hühnerschar gehört auch ein stolzer Hahn», berichtet das «St. Galler Tagblatt»am Donnerstag.

Schallisolation und Zeitschaltuhr für Hühnerstall

Die beiden Streithähne beschäftigen seit längerem diverse Behörden: Der Gemeinderat einer Landgemeinde im Thurgau sowie ein Friedensrichter und die Staatsanwaltschaft beschäftigte der Fall. Der Pensionär verlangte bei der Gemeinde, dass das Halten des Hahns verboten werde. Die Gemeinde lehnte ab, die Hennen samt Hahn seien zonenkonform. Aber: die Gemeinde verfügte, dass der Hühnerstall schallisoliert wurde und eine Zeitschaltuhr am Stall angebracht wurde, die dem Hahn von 22 bis 7 Uhr den Gang ins Freie verwehrt.

Mehrfacher Ungehorsam

Die Polizei kontrollierte darauf an sieben Tagen, ob die Auflagen erfüllt werden. An fünf Tagen war das nicht der Fall, der Güggel war ausserhalb des Stalls und krähte. Oder die Fenster des Stalls waren schräg gestellt, so dass die Schallisolation nichts nützte.

Die Behörden kamen deshalb zum Schluss, dass sich der Kleintierhalter nicht an die Auflagen halte. Im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft wurde der Halter wegen mehrfachem Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen schuldig gesprochen und mit einer Busse bestraft. Der Pensionär verlangte zudem Schadenersatz, was ihm die Staatsanwaltschaft aber verweigerte.

Rentner will Geld sehen

Beide Parteien waren damit nicht einverstanden und erhoben Einspruch, weshalb sich das Bezirksgericht dem Fall annehmen musste. Auf den Nachbarschaftsstreit ging das Gericht nicht ein, sondern nur darauf, wieso der Pensionär mit der Verfügung nicht einverstanden sei. Dieser nannte laut dem «St. Galler Tagblatt» zwei Punkte: «Ich will mein Geld, und ich will, dass der Güggel verboten wird.»

Erfolg hatte er damit nicht: Das Gericht trat auf die Einsprache gar nicht erst ein, mit der Begründung, der Pensionär sei gar nicht berechtigt gewesen, Einsprache zu erheben.

Ansprüche für Schadensersatz könne er zu diesem Zeitpunkt und vor diesem Gericht keine Stellen, da hierüber der Staatsanwalt nicht entscheiden dürfe und der Pensionäre gegen den Entscheid des Staatsanwaltes Einspruch erhoben hatte. Wenn er Schadenersatz wolle, sei das eine zivilrechtliche Angelegenheit und auf anderem Wege zu klären. (20 Minuten)

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