Männerdessous: «Ich will einen Mann, keine Freundin!»
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Männerdessous«Ich will einen Mann, keine Freundin!»

Dass Dessous für Männer nicht jedermanns Geschmack treffen, dachten wir uns. Doch die Leser-Kommentare dazu wollen kein Ende mehr nehmen. Ein Stimmungsbild.

von
oku

Eine australische Unterwäschefirma sorgt für reichlich Diskussionsstoff. Kein Wunder, denn Männer-BHs, Rüschen-Höschen, Strapsen oder süsse Pyjamas sind alles andere als alltäglich. Ob sie aber auch sexy sind, darüber lässt sich natürlich vorzüglich streiten. Eine klare Meinung dazu hat Leserin Pia K.: «Wer denkt sich denn solche Wäsche aus? Geht ja gar nicht. Würde mein Mann damit ankommen, ich glaub ich würde einen Lachkrampf kriegen.» Auch für Mirjam geht die feminine Kollektion für Männer zu weit: «Sorry das geht gar nicht. Wenn ein Mann so was anzieht, würde ich nie mehr Sex haben wollen. Ist total unsexy. Dann mach ich es lieber mit einer Frau.» Für Heidi allerdings ist das kein Massstab: «Wenn es beim Sex nur darauf ankommt, was er oder sie drunter trägt, dann wäre die Menschheit wohl schon längst ausgestorben.»

Dennoch ist sie mit dieser Ansicht in der Minderheit, die Ablehnungs-Koalition ist gross und wortgewaltig. So auch Leser Camillo Ordell: «Und da sage noch einer der Islamismus bedrohe die Welt - wenn ich diese Bilder sehe, dann ist es der Feminismus.» Allerdings geht es wohl kaum um Feminismus dabei. So steht für Userin «T_T» fest: «Ich will einen Mann, keine Freundin!» Und Leserin «Richtige Frau» würde Typen mit solcher Unterwäsche sofort von der Bettkante stossen: «Da wäre meine ganze Lust ganz schnell dahin und dieser Mann hätte sein letztes Date mit mir gehabt. Ich will doch einen richtigen Mann und keine Tussie.» Schnell aber verlagert sich die gesamte Diskussion um das passende Textil auf eine ganz andere Ebene.

«Kommt endlich zur Vernunft»

Auslöser der Metaebene war ein Beitrag von «N.» Er fragt sich und die gesamte Leserschaft: «Ist das die komplette Verweiblichung der Männer?» Userin «Junge Frau» legt nach und fragt provokant: «Wieso versucht die Gesellschaft die Männer so zu verschwulen?» Dies führte zu einem wahren Aufschrei. So empört sich Mona stellvertretend für viele andere Kommentarschreiber: «Das hat nichts mit schwul zu tun. Es gibt so viele Männer, die heimlich auf Frauenkleidung stehen, es aber genau wegen solchen Äusserungen ihrer Partnerin nicht sagen können. Wirklich schlimm diese Intolleranz.»

Eine deutliche Replik hat auch Nina T. zur Hand: «Zugegeben, ich finde es auch nicht unbedingt attraktiv. Es käme mir aber niemals in den Sinn abwertende Worte dafür zu verwenden. Soll doch jeder das anziehen, worin er sich wohl fühlt. Warum muss man gleich den Untergang der Welt hineindeuten, wenn etwas nicht den eigenen Gewohnheiten oder dem eigenen Weltbild entspricht? Etwas mehr Flexibilität und Toleranz würden diese Welt insgesamt sicher angenehmer machen.» Mahmud. H. schiebt nach: «Falls auf dieser Erde jemals Frieden herrschen sollte, sollten wir dringend toleranter werden. Damenwäsche was solls? Kommt bitte endlich zur Vernunft!»

Kommen bald die Bauarbeiter in Stöckelschuhen?

Sein Aufruf hat gewirkt, denn im Anschluss werden auch wieder sachlichere Argumente ausgetauscht - zumindest kurzfristig. So gibt S.Chade zu: «Ich bin hetero, trotzdem stehe ich auf Frauenkleider. Das habe mir weder gewünscht noch ausgesucht, ich muss mit diesem Fetisch leben. Der grösste Teil der Schreiber hier hat wohl das Gefühl ach so normal zu sein und alles was er nicht kennt sofort als abnormal zu verpönen.» Monika begrüsst diese Haltung. «Ich finde das cool. Ein Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Gleichstellung.»

Doch mit dieser Äusserung sticht sie in ein Wespennest. Und sofort schallt es zurück: «Ich glaube Sie verwechseln Gleichberechtigung mit Gleichschaltung. Die gleichen Rechte zu haben ist erstrebenswert, alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern einzuebnen oder zu verleugnen wohl eher nicht.» Damit ist der Schlagabtausch in Sachen «Wann ist ein Mann ein Mann» richtig entfacht. Agon echauffiert sich: «Diese Männer tragen Make-Up, Leggins, stehen zwei Stunden im Bad, um die Haare zu machen und jetzt auch noch das. Bald gibts auf dieser Welt nur Frauen.» Leser «Der Mann» zeigt auf, wie kurz das gedacht ist: «Klar, Mann ist nur dann ein Mann, wenn er das richtige trägt, genau so wie Frau in Hose ja auch keine Frau mehr ist.» Mike hingegen fragt kritisch nach: «Hast du dir jemals darüber Gedanken gemacht, wie du dich selber gibst und kleidest, nur weil du glaubst, dass andere das so für richtig halten?»

Abschliessende Antwort auf diese gesellschaftlichen Fragen gibt es nicht. Dafür aber eine konkrete eines anonymen Lesers auf die kritische Anmerkung von «Noname», was denn als nächstes komme nach den Dessous für Männer: «Stöckelschuhe für Bauarbeiter!»

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