Aktualisiert 03.11.2009 06:46

Marco Schällibaum«Ich will jetzt keine Schlammschlacht»

Auch einen Tag nach seinem Rücktritt war Marco Schällibaum noch sehr aufgewühlt. Doch der Trainer will nach dem Knall in Bellinzona im Interview mit
20 Minuten keine Schuldzuweisungen machen.

von
Andy Huber

Marco Schällibaum, unmittelbar nach der 0:5-Pleite gegen St. Gallen warfen Sie am Sonntag in Bellinzona den Bettel hin. War das im Nachhinein nicht eine Kurzschlusshandlung?

Marco Schällibaum: (Zögert) Natürlich habe ich diesen Entschluss in einem sehr emotionalen Moment gefällt. Doch so konnte es nicht weitergehen. Wir verloren 1:7 gegen YB und gingen auch gegen St. Gallen unter. Es gibt Momente im Leben, da muss man gewisse Entscheidungen treffen und zu diesen stehen – auch wenn sie einen noch so schmerzen.

Drohte Ihnen nicht sowieso die Entlassung?

Marco (Bellinzonas Geschäftsführer Marco Degennaro, die Red.) betonte nach dem Match, er wolle unbedingt weiter mit mir arbeiten. Mit meinem Rücktritt wollte ich auch ihn vor möglichen Konsequenzen der Klubleitung schützen. Er war mir gegenüber immer sehr loyal.

Joker Mauro Lustrinelli hat Sie nach seinem Tor in Aarau als «Arschloch» bezeichnet. Glauben Sie, dass einige Spieler nicht mehr mitzogen?

Sagen wir es mal so: Solche Sachen kommen im Fussball leider vor. Sei es, dass Akteure im Spiel den Fuss zurückziehen oder hinter dem Rücken des Trainers Stimmung gegen ihn machen. Namen nenne ich keine. Ich will jetzt keine Schlammschlacht. Das entspricht nicht meinem Charakter.

Sie haben selbst gekündigt. Laut Arbeitsrecht müssen Ihnen die Tessiner nun trotz Vertrag bis Ende Juni 2010 keinen Lohn mehr bezahlen.

Ja, ich weiss. Aber wir haben uns bei Bellinzona die letzten 16 Monate mit viel Respekt und Anstand behandelt. Ich hoffe, dass wir auch in dieser Hinsicht eine faire Lösung finden werden. Schliesslich habe ich eine Frau und zwei Kinder im Alter von acht und fünf Jahren zu ernähren.

Wie geht es jetzt weiter?

Ich werde mir erst einmal Ruhe gönnen und mich intensiv meiner Familie in Basel widmen. Denn die letzten Wochen gingen mir doch sehr an die Substanz – und zwar in jeder Hinsicht. Das ist auch meinen Liebsten nicht entgangen.

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