Yannick Weber: «Ich will kein erfolgreiches Team stören»

Aktualisiert

Yannick Weber«Ich will kein erfolgreiches Team stören»

Yannick Weber hat Sean Simpson und den Montreal Canadiens mitgeteilt, dass er als Verteidiger spielen will. Von den «Habs» hat er eine positive Antwort erhalten, von Simpson nicht.

von
Jürg Federer
USA

Yannick Weber, haben Sie Ihren Playoffbart rasiert?

Yannick Weber: Ja, der fiel einen Tag nach dem Ausscheiden mit den Montreal Canadiens dem Rasierer zum Opfer.

Wie gut haben Sie die Niederlage gegen die Boston Bruins verdaut?

Im ersten Moment war es natürlich sehr hart. Im siebten Spiel in der Verlängerung verlieren ist das knappste aller Resultate. Danach sickern aber schnell alle positiven Erfahrungen der abgelaufenen Saison durch. Die Serie gegen Boston, die Rivalität beider Teams, und die Fans in den Stadien haben ein Feuer entfacht, das zu einer grossartigen Playoffbegegnung geführt hat. Ich bin mit der Saison 2010/11 sehr zufrieden.

Die Playoffserie lief ja gerade für Sie sehr gut, Sie haben in drei Spielen zwei Tore erzielt.

Als junger Spieler sollte man in der NHL jede Chance, die sich einem bietet, wahrnehmen. Ich wusste, dass wir in der Verteidigung sehr gut besetzt sind. Also habe ich damit gerechnet, als Stürmer aufgeboten zu werden und so kam es auch. Ich habe mich in den letzten beiden Spielen der Qualifikation mit dieser Position angefreundet und ich denke, meine Sturmformation hat dann auch gut gespielt.

Weshalb erzielen Sie in 49 NHL-Spielen ein Tor und in sechs Playoffpartien deren drei?

Das liegt in meiner Natur, ich habe schon als Junior immer dann am effizientesten gespielt, wenn es um alles oder nichts ging. Es läuft mir in den Playoffs immer gut.

Das wären beste Voraussetzungen für ein WM-Turnier mit der Nationalmannschaft, da ist verlieren auch verboten.

Das stimmt, ein WM-Turnier ist wie eine Playoffserie. Man absolviert in wenigen Tagen viele Spiele und wenn auch jedes einzelne Eishockeyspiel wichtig ist, so gibt es halt doch Spiele, die noch etwas wichtiger sind. Da sind sich die WM und die Playoffs gleich. Verliert man zwei oder drei Mal, scheidet man aus.

Weshalb reisen Sie trotzdem nicht in die Slowakei, um mit der Schweizer Nationalmannschaft an der WM teilzunehmen?

Ich habe Nationaltrainer Sean Simpson explizit mitgeteilt, dass ich mich nur als Verteidiger für die WM zur Verfügung stelle. Zudem ist mir bewusst, dass es nicht einfach ist, mitten in einem Turnier zu einer kompletten Mannschaft zu stossen. Mir wäre zwar entgegen gekommen, dass ich die meisten Spieler und auch die Coaches gut kenne. Sean Simpson und ich haben denn auch in mehreren Telefonaten lange darüber diskutiert und ich habe ihm dabei gesagt, dass ich Verständnis für seine wochenlange Vorbereitung mit dem Nationalteam habe und ich deshalb nur ein Teil seines Teams sein will, wenn ich kein Störfaktor bin, der von aussen in ein erfolgreiches Team kommt. Und unter diesen Voraussetzungen kamen wir beide zum Schluss, dass ich in der aktuellen Nationalmannschaft weder die Rolle erhalten werde, die ich spielen will noch kein Störfaktor sein werde.

Also hat Ihnen Nationaltrainer Sean Simpson eine Absage erteilt.

Ich habe Verständnis für das Bedürfnis der Medien, dass Sie eine Person benennen wollen, die die Verantwortung für eine Entscheidung trägt. Aber in diesem Fall kann ich wirklich mit bestem Gewissen sagen, dass wir gemeinsam entschieden haben. Sean Simpson hat keinen Bedarf an einem Offensivverteidiger, der nur auf dieser Position spielen will und ich habe kein Bedürfnis, ein komplettes und erfolgreiches Team von aussen zu stören. Ich denke, sowohl Simpson als auch ich sind mit dieser Entscheidung zufrieden.

Haben Sie Ihrer Freundin Florence Schelling eigentlich vor der Heim-WM des Frauennationalteams Tipps für so eine WM-Bühne in der Heimat gegeben?

(lacht) Nein, sicher nicht. Florence hat einige Weltmeisterschaften mehr auf dem Buckel als ich, sie hat mehr WM-Erfahrung, da habe ich ihr gar nichts zu sagen.

Nun reisen Sie heute Montag zurück in die Schweiz. Ist Ihr Garderobenplatz bei den Montreal Canadiens leergeräumt?

Im Stadion haben wir die Garderobe verlassen aber im Trainingscenter der Montreal Canadiens bleiben unsere Ausrüstungen den Sommer über hängen und es steht uns frei, da zu trainieren. Ich war am Samstagnachmittag für eine Trainingseinheit dort und meine Ausrüstung hängt immer noch an ihrem Platz.

Aber Sie wissen nicht, ob Sie nächste Saison wieder nach Montreal zurückkehren.

Nach den Gesprächen mit dem General Manager und dem Headcoach der Montreal Canadiens bin ich eigentlich sehr zuversichtlich, dass meine Ausrüstung auch am 14. September, wenn unser Trainingslager für die nächste Saison beginnen wird, noch an ihrem Platz hängen wird. Der Headcoach hat mir bestätigt, dass ich ihm bewiesen habe, dass mein Arbeitsplatz die NHL ist.

Und was haben Sie darauf geantwortet?

Ich habe präzisiert, dass mein Arbeitsplatz in der Verteidigung der NHL sei und er hat mir darauf gesagt, dass er mich deshalb in der Verlängerung des siebten Spiels gegen Boston auch bereits wieder auf dieser Position eingesetzt habe.

Also haben Sie auch Ihre Wohnung in Montreal behalten?

Nein, die Wohnung habe ich am Sonntag aufgegeben, weil ich den Sommer in der Schweiz verbringen werde. Aber ich bin guter Dinge, dass ich mir im September eine neue Wohnung in Montreal suchen werde. Etwas anderes kam für mich bisher gar nie in Frage.

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