Miss Schweiz Domi: «Ich will kein Szeni sein»
Aktualisiert

Miss Schweiz Domi«Ich will kein Szeni sein»

Dominique Rinderknecht soll die Rettung der darbenden Miss-Schweiz-Wahlen sein – frisch, urban und cool. Wirklich?

von
Lucien Esseiva

Am Samstag, dem 9. November wird in Moskau die neue Miss Universe gekürt. Miss Schweiz Dominique Rinderknecht wird in vielen Internetforen als Favoritin gehandelt. 20 Minuten Friday hat mit ihr vorab einen Nachmittag in ihrer Heimatstadt Zürich verbracht.

Dominique Rinderknecht schlägt als Treffpunkt die Polyterrasse bei der ETH vor. Dieses Jahr hat sie ihren Bachelor in Publizistik gemacht, hier hat sie Hunderte Kaffees geschlürft. Sie kommt pünktlich auf die Minute. Unterm Arm trägt sie ihren Hund, Muffin. Ein kurzes Hallo, ein bisschen Smalltalk, alles sehr professionell.

Dominique ist die erste Miss Schweiz mit kurzen Haaren und rasierten Seiten, gerade sehr beliebt bei Stars wie Miley Cyrus. Sie ist in der Stadt Zürich aufgewachsen und gilt als coole, urbane Miss. Also: Wo würde sie in Zürich was trinken gehen? Sie schlägt ihr Lieblingsrestaurant vor. Auf dem Weg wollen wir ein bisschen näher an sie herankommen: Wie es denn so mit ihrem Freund laufe, dem 32-jährigen Werbeartikelveräufer Goek? «Super! Er bringt viel Verständnis für meinen Job auf», so die Missen-Standard-Antwort.

Kein loses Mundwerk

Dominique überlegt sich ihre Antworten gut. Oft sagt sie erst mal «Hmmm, schwierig ...». Von einem losen Mundwerk wie bei Ex-Miss Melanie Winiger keine Spur, dafür ist sie nett. Wir erreichen das «Antiquario», kein In-Lokal, sondern ein Italiener der gehobenen Preisklasse im Zürcher Seefeld. Unsere Miss bestellt ein Cola Light.

20 Minuten: Dominique, wie hat sich dein Leben in den vergangenen drei Monaten verändert?

Dominique Rinderknecht: Mein Privatleben hat sich gar nicht verändert, nur mein Arbeitsalltag. Ich habe noch dieselben Freunde und gehe noch an dieselben Orte in den Ausgang.

Das glaube ich dir nicht.

Es ist aber so! Weil ich aus der Stadt Zürich komme, ist mir die Welt mit grossen Events, Clubs und vielen Menschen nicht fremd. Frühere Missen vom Land hatten es sicher schwieriger, sich an den Trubel zu gewöhnen.

Dein Übername ist Miss Brain. Freut dich das?

Das ist das schönste Kompliment überhaupt. Sagt mir jemand, ich sei dumm, stresst mich das mehr, als wenn er sagt, ich sei hässlich.

Ist es als kluge, gebildete Frau nicht seltsam, Miss Schweiz zu sein?

Für mich ist das kein Widerspruch. Als Model durfte ich nie etwas sagen. Jetzt kann ich ein Vorbild sein und Werte vermitteln.

Welche denn?

Ich setze mich für Bildung ein, zum Beispiel für die Pestalozzi-Kinderdörfer, und unterstütze als Botschafterin soziale Projekte. Schon frühere Missen haben bewiesen, dass man Miss Schweiz und gleichzeitig eine starke, eigenständige Frau sein kann, die ihr Ding macht. Christa Rigozzi zum Beispiel.

Die Rechnung übernimmt Marco, Besitzer vom «Antiquario», ein enger Freund Dominiques. Und weiter gehts: Sie will uns noch ihren Personal Trainer Raphy Biedermann vorstellen. Sie schmeisst sich in ihre Fitnessklamotten und stemmt, immer lächelnd, eine schwere Hantel. «Ich sehe Raphy fast öfter als meinen Freund, so oft trainiere ich zurzeit.» Dominique ist ein diszipliniertes Mädchen. «Ich habe schon immer auf meine Figur geachtet und bin nie besoffen in einem Club auf dem Boden gelegen», sagt sie.

Ist ihr Image der urbanszenigen Miss reines Kalkül? «Ach, den Ausdruck Szeni mag ich gar nicht. Ein Szeni ist jemand, der dauernd im Mittelpunkt stehen will. Das gefällt mir überhaupt nicht – ausser ich habe einen guten Grund dazu.» Den hat sie als Miss Schweiz.

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