Aktualisiert 28.03.2014 15:47

Vladimir Petkovic

«Ich will keinen Input für Polemik liefern»

Der künftige Nati-Coach Vladimir Petkovic präsentierte sich am Freitag den Medien. Der Nachfolger von Ottmar Hitzfeld spricht über Ehre, Führungsstil und über sein schweres Erbe.

von
Eva Tedesco

Seit Weihnachten ist klar, wer die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld antreten wird. Der ehemalige Bellinzona-, YB- und Lazio-Trainer Vladimir Petkovic tritt sein Amt als Schweizer Nationaltrainer erst nach der WM in Brasilien an, am Freitag sprach er erstmals und bis nach der WM letztmals mit den Schweizer Medien. Danach will er sich aus der Schusslinie nehmen, um nach eigenen Worten «keinen Input für Polemik» zu liefern.

Petkovic über seine Motivation, Schweizer Nationaltrainer zu werden

«Ich bin sehr stolz darauf, dass ich so ein Angebot erhalten habe, und es bedeutet mir sehr viel. Es zeigt mir auch, dass ich bisher in meiner Karriere vieles richtig gemacht habe. Ich wollte nicht bei Lazio bleiben und so war schnell klar, was ich in meiner näheren Zukunft machen will. Ich habe mich mit dem SFV zu zwei Gesprächen getroffen und wir waren uns rasch einig.»

Dazu, nur die zweite Wahl nach der Absage von Marcel Koller zu sein

«Ich habe diese Dinge aus den Zeitungen mitverfolgt, aber zu der Zeit war das alles noch zu weit weg für mich.»

Über das schwere Erbe nach Ottmar Hitzfeld

«Ich wusste vom ersten Tag an und seit ich mich entschieden habe, Trainer zu sein, was es heisst, mit Druck umzugehen. Auch als ich zu Lazio gegangen bin, waren viele schockiert und haben sich gefragt, wie ich dort mit dem Druck umgehen werde. Natürlich wird es nicht einfach, das Erbe von Ottmar Hitzfeld anzutreten, aber ich bin dem SFV dankbar, dass ich mit einer so jungen und erfolgreichen Schweizer Nationalmannschaft arbeiten darf.»

Über Gespräche mit Ottmar Hitzfeld

«Wir haben zweimal miteinander gesprochen. Es war eine gemütliche, lockere Einführung. Einige Inputs werden mir sicher helfen, aber ich will gar nicht alles wissen, sondern selber erfahren und entscheiden. Mit den Spielern werde ich bis nach der WM keinen Kontakt aufnehmen. Danach habe ich genug Zeit, einige zu besuchen und Gespräche zu führen. Ich werde auch nicht nach Brasilien reisen, sondern die Spiele von hier aus verfolgen.»

Über die Qualität des Kaders

«Ich habe die lange Liste an Spielern gesehen und fast alle sind noch keine 30 Jahre alt und alle haben noch Potenzial, sich zu steigern und weiterzuentwickeln. Der SFV verfolgt eine klare Philosophie und wie gut die Arbeit ist, sieht man an der Anzahl Spieler, die im Ausland spielen und bei ihren Klubs erfolgreich sind. Mit dieser Sicherheit und Mentalität im Rücken kann man sehr gut arbeiten und noch viel bewegen. Hungrige Spieler zu haben, ist für mich das Wichtigste.»

Über seine Aufgaben bis zu seinem Amtsantritt

«Ich werde mich zurückhalten und der Mannschaft und Ottmar Hitzfeld die volle Unterstützung bieten, um eine erfolgreiche WM zu spielen. Ich habe aber schon zu einigen Leuten im Verband Kontakt, um mich über Abläufe und allgemeine Dinge zu informieren, und auch schon erste Dinge wie Testspiele oder Spielorte für die EM-Qualifikation aufzugleisen. Ich werde diese Monate aber auch nutzen, um mich zu erholen und mich mit anderen Nationaltrainern zu unterhalten, um mir ein Bild zu machen, wie und was sie so machen. Ich werde mir Videos anschauen und Analysen zu unseren EM-Gegnern beginnen und natürlich die Zeit nutzen, mich weiterzubilden.»

Über den Verlauf seiner Karriere bisher

«Ich habe in meiner Karriere viel Glück gehabt und konnte von der 1. Liga bis zur Nati auf allen Stufen arbeiten und musste keinen zu grossen Schritt machen, auch wenn der Schritt von Bellinzona zu YB schon recht gross war. Auf dem Platz ändert sich der Fussball nicht so sehr. Aber ich musste mich im Umgang mit den Medien, den Zuschauern, dem internationalen Geschäft weiterentwickeln. Das habe ich, glaube ich, fussballerisch, aber auch privat souverän gemeistert. »

Über seinen Führungsstil

«In der 1. Liga war ich quasi der Alleinherrscher, der alles entscheiden musste. Mittlerweile bin ich kommunikativer und suche den Dialog. Auf diesem Niveau kann man nicht allein entscheiden. Ich werde mit den Spielern Diskussionen führen, mir verschiedene Meinungen anhören und eine Entscheidung fällen, denn die Verantwortung liegt bei mir.»

Über die Multikultitruppe der Schweiz

«Das ist ein Thema, das viel zu schreiben und zu reden gibt

und natürlich an Relevanz gewonnen hat nach dem kürzlichen Volksentscheid. Ich bin es aber seit 27 Jahren gewohnt, damit zu leben, und mache mir nicht zu viele Gedanken. Die Schweiz hat eine Mannschaft, die keine Vorurteile hat, und ich bin der Chefvordenker.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.