Aktualisiert 05.10.2009 15:30

Drama von Oberrieden

«Ich will meine Tochter in den Arm nehmen»

Nach dem Familiendrama von Oberrieden hat die Tochter ein Geständnis abgelegt. Vor den tödlichen Schüssen hat der Vater sie gepackt und geschüttelt. Ob die 22-jährige Schützin die Waffe auf sich trug, ist unklar. Die Mutter macht sich nun vor allem Sorgen um ihre Tochter.

von
ann

Der Schock sitzt tief, auch vier Tage nach den tödlichen Schüssen von Oberrieden. Gegenüber Staatsanwalt Manuel Kehrli hat die 22-jährige Tochter mittlerweile gestanden, geschossen zu haben. Offenbar wehrte sie sich gegen ihren rabiaten Vater. «Es gab Gewalt in unserer Familie», bestätigte die Mutter gegenüber «20 Minuten». Auch eine nahe Bekannte sagte gegenüber 20 Minuten Online, der Vater habe die Familie mit strengem Regime geführt. «Die Mutter hätte gern mehr Kontakt zu Leuten und mehr Besuch zu Hause gehabt, aber der Vater erlaubte das nicht.» Und: «Der Vater war liebenswürdig, aber er neigte zu Wutanfällen.»

«Die Waffe muss irgendwo in der Nähe gewesen sein»

Auch an jenem verhängnisvollen Abend. Die Bekannte weiss: Der Vater packte seine Tochter und schüttelte sie. Wo die Tochter die Schusswaffe herholte, sah die Mutter aber offenbar nicht. «Es ging alles sehr schnell, sie muss irgendwo in der Nähe gewesen sein», so die Bekannte. Die Frau kann seither kaum mehr schlafen und leidet mit der Mutter. «Sie hat nicht nur ihren Ehemann verloren, sie macht sich auch grosse Sorgen um ihre Tochter.» So beschäftige die Mutter sehr, ob ihre Tochter auch gut betreut werde. «Sie sagte zu mir: Am liebsten würde ich meine Tochter einfach nur in den Arm nehmen», so die Bekannte weiter.

Die Waffe ist weiterhin unauffindbar

Doch so schnell wird dies nicht möglich sein, wie Staatsanwalt Manuel Kehrli gegenüber 20 Minuten Online sagte. «Damit es nicht zu Absprachen kommt, dürfen sich Mutter und Tochter nicht sehen, solange die Einvernahmen noch laufen.» Wann eine erste Begegnung der beiden wieder möglich sein wird, kann Kehrli nicht sagen. «Da muss man die Entwicklung abwarten.» Weiterhin unauffindbar ist die Waffe, mit der die 22-Jährige geschossen hat. «Was die mutmassliche Täterin dazu sagt, dürfen wir nicht bekannt geben», sagte Staatsanwalt Kehrli.

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