Aktualisiert 04.05.2020 12:44

Private Zoos in Not

«Ich will nicht, dass Angestellte oder Tiere unter der Krise leiden müssen»

Der Lockdown verursacht den Besitzern von privaten Zoos schlaflose Nächte. Je nach Grösse verlieren sie pro Tag bis 15’000 Franken und sie verstehen teilweise nicht, dass sie später als Museen oder Bibliotheken öffnen dürfen.

von
Daniela Gigor
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Dem Natur- und Tierpark Goldau gehen pro Tag 15’000 Franken verloren wegen der Corona-Schliessung.

Dem Natur- und Tierpark Goldau gehen pro Tag 15’000 Franken verloren wegen der Corona-Schliessung.

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Obwohl die Dachse im Natur- und Tierpark Goldau nichts davon spüren, sei die «finanzielle Ungewissheit gross», so der Tierpark.

Obwohl die Dachse im Natur- und Tierpark Goldau nichts davon spüren, sei die «finanzielle Ungewissheit gross», so der Tierpark.

Natur- und Tierpark Goldau
Auf seiner Facebook-Seite bedankt sich der Tierpark für alle Spenden und hofft auf weitere finanzielle Unterstützung.

Auf seiner Facebook-Seite bedankt sich der Tierpark für alle Spenden und hofft auf weitere finanzielle Unterstützung.

Natur- und Tierpark Goldau

Darum gehts

  • Der Verein Zooschweiz und der Verein der Wildparks und Zoos Schweiz (WZS) rufen den Bundesrat auf, seinen Beschluss noch einmal zu überdenken und Zoos, Tier- und Wildparks zu erlauben, schon ab 11. Mai zu öffnen.
  • Laut Zooschweiz und WZS gehen den Tierparks und Zoos in der Schweiz wöchentlich rund 2,5 Millionen Franken verloren, die nicht durch Kurzarbeit aufgefangen werden können, weil die Tiere weiter versorgt werden müssen.
  • «Es geht mir nicht in den Kopf, dass der Bundesrat Zoos nicht zum kulturellen Gut zählt», sagt etwa der Inhaber von Toni’s Zoo in Rothenburg.

Die Betreiber von privaten Zoos in der Schweiz haben es wegen der Corona-Krise nicht leicht: Sie können nicht auf finanzielle Unterstützung des Bundes hoffen und müssen darum nicht nur die Löhne an ihre Angestellten bezahlen, sondern auch noch das Futter für die hungrigen Mägen ihrer Vierbeiner aus eigenem Sack finanzieren. Kein Wunder, gehen die Wogen hoch, wenn etwa Toni Röösli von Toni’s Zoo in Rothenburg (LU) auf das vom Bundesrat in Aussicht gestellte Wiedereröffnungsdatum vom 8. Juni angesprochen wird: «Es geht mir nicht in den Kopf, dass der Bundesrat Zoos nicht zum kulturellen Gut zählt. Im Gegensatz zu Museen oder Bibliotheken würden sich die Leute bei uns im Freien aufhalten und der Kontakt mit Tieren könnte sich positiv auf ihre Psyche auswirken.»

Es gebe ihm zu denken, dass er den Zoo noch einmal fünf weitere Wochen geschlossen halten müsse. Er habe zwar gute Monate gehabt und auch Geld zur Seite legen können. Trotzdem sei es hart, wenn keine Einnahmen mehr dazukommen würden. «Ich will nicht, dass die Angestellten oder die Tiere unter der Krise leiden müssen», sagt Röösli. Er könne keine Kurzarbeit anmelden, weil die Tiere in dieser Zeit auch betreut werden müssten. Im Gegenteil, sie würden noch mehr Zuwendung brauchen, als wenn der Zoo geöffnet wäre. Röösli: «Diverse Tiere wie etwa Kamele, Leoparden und Geparden sowie Affen langweilen sich sehr. Sie schauen den Pflegern und mir jeweils so lange hinterher, bis sie uns nicht mehr sehen können. Kapuzineraffe Jimmy randaliert und nimmt deswegen alles auseinander, was möglich ist.» Laut Röösli verliert er zwischen 8000 und 10’000 Franken pro Tag, an dem der Zoo geschlossen bleibt. Gleichzeitig möchte er allen Spendern von Herzen danken.

Franco Knie sagt: «Zum Glück ist das Unternehmen gesund»

Auch Anna Baumann, Direktorin des Tierpark Goldau (SZ) freut sich über die eingegangenen Spenden und hofft auf weitere finanzielle Zuwendungen, weil der Tierpark jeden Tag 15’000 Franken verliere. «Wir haben im laufenden Geschäftsjahr ein Minus von 1,5 Millionen Franken budgetiert», sagt Baumann. Der privat finanzierte Tierpark werde diesen hohen Betrag nicht mehr aufholen können, weil die Eintritte im Frühling jeweils am höchsten sind und diese nun für 2020 verloren sind. Baumann hofft, dass der Bundesrat auf seinen Entscheid zurückkommt und die Zoos früher öffnen dürfen: «Es macht überhaupt keinen Sinn, dass wir bis am 8. Juni geschlossen haben müssen. Wir haben ein Schutzkonzept präsentiert und das Bundesamt für Gesundheit (BAG) war damit einverstanden.» Laut Baumann wären sie bereit, den Tierpark innerhalb von ein paar Tagen wieder zu öffnen.

Auch Franco Knie senior, Gesamtverantwortlicher von Knies Kinderzoo in Rappersil (SG), folgt strikte den Weisungen des Bundesrats, des BAG, sowie des Kantons. Er sagt: «Wir erarbeiten die entsprechenden Schutz- und Betriebskonzepte für alle Betriebszweige des Zoos inklusive der Gastronomie. Es ist massgebend, dass wir alle Punkte dieses Konzepts einhalten können und vertrauen auf die Selbstverantwortung unserer Gäste.» Finanzielle Einbussen möchte Knie nicht bekannt geben. Zum Glück sei das Unternehmen gesund. Bis 8. Juni gebe es keine finanziellen Probleme. Wenn die Schliessung aber etwa bis Ende Jahr dauern würde, dann wäre die Situation anders.

Franco Knie mit Elefantendame Sabu. (Symbolbild)

Franco Knie mit Elefantendame Sabu. (Symbolbild)

Keystone/Steffen Schmidt

Erhalten Zoos Geld?

Auch für den Verein der Wildparks und Zoos Schweiz (WZS) ist der Entscheid des Bundesrats absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar, wie er am 30. April mitteilte. « Wöchentlich gehen den Zoos der Schweiz rund 2,5 Millionen Franken verloren, die nicht durch Kurzarbeit aufgefangen werden können, weil die Tiere weiter versorgt werden müssen», teilte der Verein mit. Der Verein WZS ruft den Bundesrat weiter dazu auf, Zoos, Tier- und Wildparks ab 11. Mai öffnen zu lassen. Ausserdem sei vom Bundesrat eine Lösung für den enormen finanziellen Schaden zu suchen, der den Zoos seit der Schliessung entstanden sei.

Ins gleiche Horn bläst auch der Verein der wissenschaftlich geleiteten Zoos der Schweiz (zooschweiz/zoosuisse). «Eine Anfrage von zooschweiz/zoosuisse, in welchem Departement die Zoos beim Bund vertreten sind, wurde vom Bundesamt für Kultur so beantwortet, dass sie sich - im
Gegensatz zu den Museen und weiteren Kulturinstitutionen - nicht für Zoos zuständig sehen
und der Bund somit jede Unterstützung mit dieser Begründung ablehnt.» Dies teilte Zoo Schweiz mit. Weiter sei diese Ungleichbehandlung durch den Bundesrat für die Schweizer Zoos inakzeptabel.

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30 Kommentare
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Lorenzo’s

08.05.2020, 08:33

Der Elfant ist sehr Alt und Süß

MHJoey

05.05.2020, 14:03

Macht Sinn, erst mal berufe mit 1:1 Kontakt zu öffnen, Zoos bei denen man sehr sehr gut Sicherheitsabstand halten kann, geschlossen halten... danke für diese "weise Entscheidun" lieber Bundesrat.

Carmen

05.05.2020, 13:02

Ich verstehe diesen Entscheid nicht. Würde es schon begrüssen, wenn man eine Erklärung dafür bekommen würde.