25.10.2020 17:38

Paare im Corona-Stress«Ich will nicht, dass mein Mann die Quarantäne in unserer Wohnung verbringt»

Eine Frau fragt auf Facebook um Rat: Darf sie von ihrem Partner verlangen, dass er die Quarantäne anderswo aussitzt? Eine Paartherapeutin gibt Tipps.

von
Anja Zingg
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Die aktuelle Corona-Pandemie belaste viele Beziehungen, sagt Paartherapeutin Margareta Hofmann. (Symbolbild)

Die aktuelle Corona-Pandemie belaste viele Beziehungen, sagt Paartherapeutin Margareta Hofmann. (Symbolbild)

imago images/Panthermedia
«Das Virus hat uns aus der Komfortzone heraus katapultiert. Die ständig zu leistenden Anpassungen verursachen Stress. In dieser Verfassung sind die Partner gereizter und ichbezogener, es kommt schneller zu Konflikten», so Hofmann.

«Das Virus hat uns aus der Komfortzone heraus katapultiert. Die ständig zu leistenden Anpassungen verursachen Stress. In dieser Verfassung sind die Partner gereizter und ichbezogener, es kommt schneller zu Konflikten», so Hofmann.

zvg
Die Paartherapeutin empfiehlt, die Sorgen des Gegenübers ernst zu nehmen. «Der erste Schritt ist immer, Fragen zu stellen. Wieso willst du das, wieso ist dir das wichtig? Daraus kann man das Interesse ableiten.» (Symbolbild)

Die Paartherapeutin empfiehlt, die Sorgen des Gegenübers ernst zu nehmen. «Der erste Schritt ist immer, Fragen zu stellen. Wieso willst du das, wieso ist dir das wichtig? Daraus kann man das Interesse ableiten.» (Symbolbild)

REUTERS

Darum gehts

  • Eine Mutter will nicht, dass ihr Mann die Quarantäne in der gemeinsamen Wohnung verbringt.

  • Sie fragt in einer Facebook-Gruppe um Rat.

  • Eine Paartherapeutin plädiert auf offene Kommunikation.

  • Rechtlich sei die Situation schwierig, so ein Anwalt.

«Liebe Mamis, ich habe eine Frage an euch.» So beginnt ein Eintrag in einer Facebook-Gruppe, den eine Mutter diese Woche anonym gepostet hat. Darin schreibt die Frau, dass ihr Mann gerade im Ausland sei und nach der Rückkehr zehn Tage in Quarantäne müsse. Sie mache sich Sorgen, da ihr Mann die ganze Situation nicht ernst nehme. «Ich bin aber nicht bereit, mich und meine Kinder einem Risiko auszusetzen, nur weil er dorthin reiste», schreibt die Mutter weiter.

Sie befürchtet, dass sich ihr Mann nach der Rückkehr nicht an die Quarantänevorschrift halten wird. Diese besagt, dass sich die Person in einem Mehrpersonenhaushalt nur in einem Zimmer aufhalten darf. Aber auch wenn er in einem Zimmer bleiben würde, möchte sie nicht, dass sie ihn zehn Tage lang bedienen muss. Ausserdem sei sie Risikopatientin. Ob es eine rechtliche Grundlage gebe, dass er die Quarantäne ausserhalb der Wohnung verbringen müsse, fragt die Mutter in der Facebook-Gruppe. Die Wohnung laufe auf ihren Namen.

Zunehmende Corona-Erschöpfung

Margareta Hofmann ist Paartherapeutin bei Paarberatung und Mediation im Kanton Zürich. Sie kennt die Sorgen vieler Paare. «Gerade in den jetzigen Corona-Zeiten sind wir alle gestresster als normal. Das wirkt sich auch auf eine Partnerschaft aus.»

Hofmann nimmt eine zunehmende Corona-Erschöpfung wahr. Diese wirke sich auf Beziehungen aus: «Das Virus hat uns aus der Komfortzone herauskatapultiert. Die ständig zu leistenden Anpassungen verursachen Stress. In dieser Verfassung sind die Partner gereizter und ichbezogener, es kommt schneller zu Konflikten.»

Grundsätzlich müsse man aber betonen, dass Paare sich ernst nehmen wollten – jedoch sehe jeder seine Welt aus der eigenen Perspektive. «In diesem konkreten Fall bedeutet das: Der Mann kämpft mit der eigenen Unsicherheit. Er fühlt sich abgeschoben, darf nicht in sein Zuhause oder zu seinen Kindern. Sie wiederum kämpft mit Ängsten. Sie fürchtet um die Gesundheit, eventuell hat sie auch Angst, dass sie die ganze Situation allein nicht stemmen kann.»

Sorgen ernst nehmen

Die Paartherapeutin empfiehlt, die Sorgen des Gegenübers ernst zu nehmen. «Der erste Schritt ist immer, Fragen zu stellen. Wieso willst du das, wieso ist dir das wichtig? Daraus kann man das Interesse ableiten.» Im erwähnten Beispiel könne dies sein, dass der Vater die Kinder sehen möchte und die Mutter gesund bleiben wolle. «Aufgrund dieser zwei Punkte muss eine einvernehmliche Lösung gefunden werden.»

Familien empfiehlt Hofmann einen ganz persönlichen Massnahmenplan: «In diesem Plan kann abgemacht werden, welchen Kontakt man gegen aussen hat, zum Beispiel enge Freunde, Arbeitskollegen und die Verwandtschaft. Aber auch der Kontakt gegen innen muss definiert werden: Was passiert, wenn jemand krank wird, wie verhält sich der Erkrankte, wie die anderen Familienmitglieder?»

Das Gesetz ist nicht eindeutig

Rechtlich sei die geschilderte Situation nicht eindeutig, so Rechtsanwalt Peter Zahradnik. Der Mietrechtsspezialist sieht keinen Ansatzpunkt, weshalb eine Person aus mietrechtlicher Sicht die Quarantäne ausserhalb der gemeinsamen Wohnung verbringen müsse.

Zahradnik verweist jedoch auf die eheliche Beistandspflicht der Eheleute. Im Gesetz steht dazu Folgendes: «Sie (die Ehegatten) verpflichten sich gegenseitig, das Wohl der Gemeinschaft in einträchtigem Zusammenwirken zu wahren und für die Kinder gemeinsam zu sorgen. Sie schulden einander Treue und Beistand.» Daraus könne man ableiten, dass sich die Ehefrau in einer solche Situation weigern könnte, den Mann in die Wohnung zu lassen. «Respektive müsste er im Rahmen dieser ‹ehelichen Beistandspflicht› auswärts die Quarantäne absitzen.»

Zu Hause isolieren

Mitbewohner krank – was jetzt?

Das Bundesamt für Gesundheit gibt klare Vorgaben, was zu tun ist, wenn man mit einer an Corona erkrankten Person im gleichen Haushalt lebt. Wichtig ist, dass sich die Person in einem eigenen Zimmer von den anderen Bewohnern isoliert. Geschirr, Handtücher und Bettwäsche dürfen nicht geteilt werden. Mahlzeiten sollen ebenfalls im eigenen Zimmer eingenommen werden. Das Zimmer soll so wenig wie möglich verlassen werden, wann immer das Zimmer verlassen werden muss, muss der Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Falls die erkrankte Person kein eigenes Badezimmer hat, müssen Dusche, Toilette und Waschbecken nach jedem Gebrauch mit einem Reinigungsmittel geputzt werden.

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411 Kommentare
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Bertli

26.10.2020, 17:50

Ah ja, in guten wie auch in schlechten Zeiten. Klingt verrostet, aber der Spruch hat trotzdem was drauf. Ob verheiratet oder nicht, man will nur noch für sich schauen und wenn's schwierig wird, will läuft man davon. Schöne Aussichten.

Cheschpi

26.10.2020, 11:48

Wir sind für eine Frauenquote und getrennte Wohnungen. Der Alte soll für alles zahlen und gut ist.

Mar

26.10.2020, 11:14

Traurig, diese Frau hätte ich nie geheiratet!